Ausgewählte Historische Orte des Genusses in Eisenach

Zur Vorbereitung des Denkmaltages wurde vom Eisenacher Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stadtverwaltung eine Liste von „Genussorten“ in Eisenach erarbeitet. Diese Beiträge sollen in einer Artikel-Serie veröffentlicht werden, um auf den Denkmaltag einzustimmen.
Ein Teil der Örtlichkeiten, die in der Serie beschreiben werden, wird am Tag des offenen Denkmals zu besichtigen sein.

Da die Stadt Eisenach häufig gekrönte Häupter und andere berühmte Persönlichkeiten unter ihren Gästen sah, gibt es viele Orte, an denen prunkvoller Genuß zu Hause war und ist. Doch auch für die einfachen Menschen gab es in der Stadt „Genussorte“, die heute noch existieren.
Die Serie, die der Eisenacher Karlheinz Büttner verfasst hat, spiegelt dabei lediglich die Geschichte dieser Stätten des Genusses wider und beinhaltet keinerlei Wertung. Es musste zudem auf solche Orte verzichtet werden, die zwar in der Vergangenheit einen guten Namen besaßen, aber nicht mehr existent sind, wie zum Beispiel das Hotel „Zum halben Mond“.
Die folgende Serie soll die Bürgerinnen und Bürger neugierig machen auf den „Tag des offenen Denkmals“ am 13. September 2009.

Werbekarte aus dem Jahr 1936 - Verlag H. Osterwald (Hannover)

Teil 1 – Aktienbrauerei Eisenach

 

Im Jahr 1828 gab es in Eisenach 244 Brauberechtigte, die gemeinsam einen Felsenkeller zur Bierlagerung errichteten und damit faktisch die Eisenacher Brauerei begründeten.
Im Jahre 1862 begann die Braugenossenschaft mit der Errichtung der zentralen Brauereigebäude neben dem alten Felsenkeller. Die Genossenschaft hatte sich gegründet, nachdem die Privilegien der Brauhöfer weggefallen waren.
Im März 1874 fand eine Generalversammlung der Brauerschaft im „Hotel zum Mohren” statt, um die Brauerschaft in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Hier wurde der Antrag gestellt, das Vermögen der Brauerschaft meistbietend zu verkaufen, was erst am 15. Juli 1874 gelang. Nun hieß das Konstrukt „Vereinsbrauerei“, was 1886 in die „Aktienbrauerei Eisenach“ umgewandelt wurde. Diese erwarb 1923 die „Vereinigten Eisenacher Brauereien, Petersberger und Schlossbrauerei” (Ludwigstraße 1 und Markt 10). So blieb es bis zum Jahr 1945. Nach dem Krieg wurde auch dieses Unternehmen ein volkseigener Betrieb, der schließlich 1990 nach der Wende reprivatisiert wurde. Das Eisenacher Bier ist in der Region bekannt, wird allerdings heute nicht mehr direkt in Eisenach gebraut.
Das sanierte und restaurierte historische Sudhaus aus dem Jahr 1911 an der Wartburgallee mit seinen typischen Kupferkesseln ist noch heute das Wahrzeichen der Brauerei.

Die abgebildete Kupfertiefdruck-Werbekarte aus dem Verlag H. Osterwald in Hannover erschien um 1936 als Teil einer Thüringer-Bier-Serie, bei der die Beschriftung je nach Unternehmen wechselte, während die Bilder gleich blieben.

 

Im Sudhaus der Eisenacher Brauerei wird am 13. September, 11 Uhr der „Tag des offenen Denkmals“ in Eisenach von Oberbürgermeister Matthias Doht eröffnet. Zudem kann das Sudhaus an diesem Tag von 11 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden.

Blick auf die Hofseite der Anlage aus westlicher Richtung – Foto: Bettina Eckenfelder

Teil 2 - Industriedenkmal „Alte Mälzerei“

 

Im Eisenacher Palmental wurde 1871 eine Malz- und Malzkaffeefabrik gegründet. Der Firmengründer, Johann Adam Heintz, produzierte hier Braumalz für die Bierherstellung. Sein Sohn und Nachfolger Adam Heintz, gelernter Brauer und Mälzer, übernahm 1892 die Fabrik und begann in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zudem mit dem Rösten von Malzkaffee.
Am Ende des 2. Weltkrieges ruhte vorübergehend die Produktion. Als im April 1945 die Amerikaner in Thüringen einzogen, wurde kurzzeitig auch Bohnenkaffee geröstet. Ab 1949 konnte die Mälzerei - wahrscheinlich wegen fehlender Gerstenzuteilung - nur noch im Tausch „Gerste gegen Kaffee“ ihren Röstereibetrieb aufrecht erhalten. 1952 wurde die Malzkaffeeröstung schließlich eingestellt.
Lange Jahre stand der Betrieb still. Allerdings wurde der Erhalt des großen Anwesens zunehmend schwieriger, insbesondere durch die Schwierigkeiten, die die sozialistische Planwirtschaft verursachte. Die Urenkelin des Firmengründers hatte die Firma jedoch in ihrem ursprünglichen Zustand belassen. Ein Glücksfall für die Eisenacher Jazz-Enthusiasten, denn 1988 verkaufte Marie-Luise Rahn die Fabrik mit allem Interieur an die Stadt Eisenach. So konnte der Eisenacher Jazzclub in ein neues Domizil einziehen. Seine Mitglieder begannen in mehreren tausend Arbeitsstunden das Objekt zu entrümpeln. Doch es gab neue Schwierigkeiten: Nur durch die Ausweisung als Einzeldenkmal und scharfen Protest entging das Gelände dem bereits vom Automobilwerk Eisenach beantragten Abriss. Heute hat sich hier - dank erheblicher finanzieller Zuwendungen und engagierter Arbeit der Mitglieder des Jazzclubs - eine multifunktionale Einrichtung etabliert. Neben dem Industriemuseum mit einer fast vollständig erhaltenen Röstereianlage verfügt die „Alte Mälzerei“ über einen Jazzkeller und beherbergt das Internationale Jazzarchiv.

Das Industriedenkmal „Alte Mälzerei“ im Palmental hat zum Tag des offenen Denkmals am 13. September von 11 Uhr bis 17Uhr geöffnet und es wird ein buntes Programm geboten.

Ansicht von Schloss Fischbach aus dem Jahre 1938

Teil 3 - Schloss Fischbach

 

Südlich der Burgstelle „Malittenburg“ befand sich das Gut Fischbach. Inhaber des Gutes waren Anfang des 17. Jahrhunderts die Gebrüder Schellhase, die es 1613 an den Eisenacher Bürger Georg Kley verkauften. In diesen Vertrag trat im selben Jahr der Herzog Johann Ernst ein, indem er sich auf ein fürstliches Vorkaufsrecht berief.
1614 schenkte der Herzog das Gut seiner Gemahlin Christine, der Tochter des Landgrafen von Hessen-Kassel. Im Auftrag der Herzogin gestaltete der aus Hersfeld stammende Hans Weber das Schloss Fischbach um. Die Jahreszahl 1624, an der Hofseite in einen Balken eingeschnitten, weist auf diesen Umbau hin. Auch mehrere Bürgerhäuser in der Stadt Eisenach, wie Goldschmiedenstraße 1 und Ratsapotheke (Rodensteiner) tragen seine Handschrift. Außerdem war er 1628 auch auf der Wartburg tätig.
Die Erben der Herzogin veräußerten 1684 Schloss Fischbach an den Eisenacher Bürger und Handelsmann Heinrich Gebhard. 1701 verkaufte Gebhards Schwiegertochter nach dem Tode ihres Mannes das Anwesen an die Herzogin Christine Juliane. 1704 ging das Objekt an die Gebhards zurück.
1725 wurde das Schloss Eigentum der Stadtgemeinde Eisenach und erhielt die Erlaubnis, einen Gasthof mit Bier- und Weinausschank zu betreiben. Der Gasthof im Schloss Fischbach hat sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreut.
1910 wechselte wiederum der Eigentümer. Otto Liebetrau erwarb das Objekt und baute es wiederum um. Der letzte private Eigentümer geriet in finanzielle Schwierigkeiten, was dem Objekt nicht förderlich war.
Erst 1982, mit dem Übergang in den Besitz des VEB Denkmalpflege Erfurt - einer Restaurierungswerkstatt für Denkmalpflege, wurde das Objekt restauriert und durch zahlreiche Veranstaltungen vom Jazz bis zu klassischen Konzerten zu einem Anziehungspunkt.
Heute können die Räume des Schlosses für private Veranstaltungen gemietet werden.

Schloss Fischbach am Malittenburgweg nahe der Gothaer Straße hat zum Tag des offenen Denkmals am 13. September von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

 

(Text: Dr. Erhard Hendrich, Vorsitzender des Eisenacher Denkmalbeirates) 

Ansichtskarte aus dem Jahre 1905

Teil 4 – Hotel und Restaurant „Phantasie“

 

Im September 1831 weihte Philipp Schellenträger sein neu erbautes Garten-Gesellschaftslokal „Phantasie“ im Mariental ein. Nach dem Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung von 1848/49 berieten in diesem Lokal Mitte Juli 1859 etwa 30 liberale Politiker und verabschiedeten eine Resolution zur deutschen staatlichen Einigung unter preußischer Führung („Eisenacher Erklärung“ vom 17. Juli 1859). Am 14. August 1859 versammelten sich schließlich Liberale und Demokraten wieder hier und verabschiedeten die 2. Eisenacher Erklärung. Man forderte die Wahl eines Nationalparlamentes, die Schaffung einer Zentralgewalt, das Ende des Bundes und bei unmittelbarer Bedrohung von außen die Übertragung der diplomatischen und militärischen Kräfte Deutschlands auf Preußen. Der Text einer Tafel am Westgiebel des Hauses sieht darin die Begründung des Nationalvereins, dessen Gründung jedoch erst am 15./16. September 1859 in Frankfurt/Main stattfand. Und im Jahre 1862 fand die Generalversammlung des Deutschen Nationalvereins in der „Phantasie“ statt. Somit ist diese Gaststätte ein Originalschauplatz deutscher Geschichte.
Die abgebildete Ansichtskarte aus dem Jahre 1905, entstanden in der Eisenacher Hofbuchdruckerei Karl Kahle, zeigt uns die Nordfront des Gebäudekomplexes, der mehrfach Erweiterungen (1835 Kegelbahn, 1865 Musikhalle, 1879 weitere Halle) erfuhr. Im Jahr 1888 kaufte die Eisenacher Schützengilde die Immobilie, die später noch durch weitere Hände ging. Vor der politischen Wende 1989 war sie in den Besitz des VEB Petkus Wutha gelangt. Ein potentieller Investor, der durch Abriss und riesige Neubauten das landschaftliche und bauliche Umfeld zerstört hätte, kam glücklicherweise nicht zum Zuge. Was bleibt, ist eine einsturzgefährdete Ausflugsgaststätte, die vor allem wegen ihrer Geschichte unsere Aufmerksamkeit und Zuwendung verdient.

Die einstige Ausflugsgaststätte „Phantasie“ kann zum Tag des offenen Denkmals am 13. September nur von außen besichtigt werden. Es werden Führungen zu „Orten des Genusses“ im Mariental angeboten.

Die Ansichtskarte zeigt neben der Erfrischungsstation eine Ansicht der Drachenschlucht.

Teil 5 - Waldgasthof „Sängerwiese“

 

Die Erfrischungsstation von Carl Roth, gelegen zwischen Wartburg und Drachenschlucht, war vermutlich der Ursprungsort des Waldgasthofes „Sängerwiese“. Die urige Station auf der Ansichtskarte - ein Gemisch von Gartenstühlen und -tischen neben wahrscheinlich hauptsächlich leeren Bierfässern - sorgte für das Provisoriums-Ambiente. Das Zeitdokument dürfte etwa ein Jahrzehnt vor der Erbauung des späteren Gasthauses im Jahre 1927 an dieser Stelle entstanden sein und entstammt dem Thüringer Postkarten-Verlag von Theodor Jungmann in Eisenach. Der Text der Karte verspricht neben Bratwürsten, Bieren auch sonstige Erfrischungen. Von Vereinen und Schulen wurden Voranmeldungen gewünscht, um deren Bedarf auch wirklich decken zu können. Der Gasthof ist seit dieser Zeit als ein Ort für Erfrischungen und deftige Hausmannskost während und nach der Wanderung sowie als beliebte Kaffeetafel mit selbstgebackenem Gebäck bekannt.

Der Waldgasthof „Sängerwiese“ ist zum Tag des offenen Denkmals am 13. September geöffnet.

Waldschänke – Ansicht 1911

Teil 6 – Gaststätte „Waldschänke“ und Hotel Berghof

 

Im Jahre 1860 entstand an der Nordseite des Johannistals eine Erfrischungsstelle für Waldarbeiter, das „Weiße Haus“. Dieses Grundstück erwarb 1906 der in der Karlstraße ansässige Hofkonditor Franz Schmitz und errichtete dort nach Um- und Ausbau die „Gaststätte Waldschänke“. Auf dem Bild sind die Gebäude noch ohne den Anbau des südlichen Flügels zu sehen.
Die Ansichtskarte entstand 1911 im Verlag des Eisenacher Hofphotographen Carl Remde. Das Haus hatte bereits bis 1950 fünf verschiedene Pächter oder Besitzer. Ganze Karawanen zogen sonntags, die Frau am Arm, die Kinder an der Hand, ins Johannistal. Hier gab es zum Nachmittagskaffee die berühmten „Windbeutel“ und zum Abschluss in der Dämmerung ein deftiges Schinkenbrot. Doch nach der Wende ebbte der Strom der Ausflügler ab.

Wollte man den Spaziergang durch das Johannistal fortsetzen, führte der Weg nun aufsteigend zur Göpelskuppe, wo sich das Burschenschaftsdenkmal und an der Südseite des Berges das Burschenhaus befinden. Seine Grundsteinlegung fand bereits im Jahr 1913 statt; die Gedenkrede hielt Prof. Rudolf Flex, Vater des Dichters Walter Flex. Eröffnet wurde das Haus jedoch erst 1922. Ein erster Umbau erfolgte 1931. Der gastronomischen Nutzung folgte die militärische, denn 1944 wurde das Haus Kommandoquartier des Abteilungsstabes der Flakgruppe Thüringen.
Im Jahr 1961 wurde das Hotel von der volkseigenen Handelsorganisation übernommen und in „HO Hotel Berghof“ umbenannt. Das Hotel Berghof wurde 1998 restauriert und ist heute ein bekanntes Tagungshotel.

Die Gaststätte „Waldschänke“ im Johannistal ist zum Tag des offenen Denkmals am 13. September von 11 Uhr bis 17 Uhr für Besichtigungen geöffnet. Zudem werden Führungen zum Berghof angeboten.

„Zum Goldenen Stern“ – frei gestaltete Ansicht 1940

Teil 7 – Zum Goldenen Stern

 

Als 1940 der Gastwirt Otto Walther die hier gezeigte Ansichtskarte herstellen ließ, wusste er von der historischen Bedeutung des Platzes als ehemaliges landgräfliches Kloster „St. Katharinen“ an der Abzweigung zweier mittelalterlicher Fernstraßen. Und so ließ er die typisch mittelalterliche Situation mit den frei gestalteten drei Burgen Wartburg, Metilstein und Eisenacher Burg und einen ebenso frei modellierten Landgrafen Hermann auf seiner Werbekarte erscheinen.
Dabei nahm es Gastwirt Walther auch mit dem Gründungsjahr nicht so genau. Belegt ist jedenfalls, dass sich der Gasthof hier seit 1802 befand und zahlreiche Besitzer und Pächter bis zu DDR-Zeiten hier ihrem Tagwerk nachgingen. Auch einige Kommersch-Abende des Eisenacher Sommergewinns fanden in dem Jugendstil-Saal (aus dem Jahr 1906) des Gasthofes statt, den nach der Wende ein Möbelhaus nutzte. Heute steht das Objekt leer.

 

Das Gebäude des „Goldenen Sterns“ ist zum Tag des offenen Denkmals am 13. September von 11 Uhr bis 17 Uhr für Besichtigungen geöffnet.

 

Teil 8 – Kurhaus Hotel Fürstenhof und Wandelhalle

 

Das Kurhaus Hotel Fürstenhof entstand von 1854 bis 1902 aus mehreren Einzelgebäuden. Hinter der stark gegliederten Fassade erhebt sich der Saalbau, dessen verschiedenfarbige Dachziegel das Wort „Kurhaus“ formen. Rechts daneben, an den Südhang geschmiegt, steht der im Jugendstil errichtete Konzert-Pavillon, der kurzzeitig ab 1920 als Spielbank diente.
Davor, entlang der Wartburgallee (einst Kartäuser Straße), erhebt sich die Trink- und Wandelhalle des Kurbades Eisenach - ebenfalls ein Jugendstilbau, der im Jahr 1906 nach dem preisgekrönten Entwurf des Architekten Johannes Bollert aus Dresden errichtet wurde. Die Wandelhalle wird derzeit einer grundlegenden Restaurierung unterzogen. In der Sommerzeit wird sie regelmäßig für Veranstaltungen aller Art genutzt.
Die dort einst sprudelnde Karolinenquelle wurde im Volksmund damals scherzhaft auch „Nurmi-Sprudel“ genannt, nach dem finnischen Wunderläufer Paavo Nurmi. Denn schnelle Beine waren nach dem Genuss sehr gefragt.
In punkto Genuss scheint es deshalb treffender, wieder zum Fürstenhof zurückzukehren. Zahlreiche Großveranstaltungen, auch politische, fanden im Saal des Hotels statt - dem seinerzeit größten Saal in Eisenach. Das Haus ist heute in Privatbesitz und seit Jahren ungenutzt. Die gezeigte Ansichtskarte entstand um 1905 im Verlag von Paul Roth, Eisenach.

Das Hotel Fürstenhof kann zum Tag des offenen Denkmals am 13. September nicht besichtigt werden. In der Wandelhalle werden an diesem Tag von 12 Uhr bis 17 Uhr ein Ausstellung und Führungen angeboten.

Teil 9 – Thüringer Hof und Kaiserhof

 

Das heutige Hotel „Thüringer Hof“ gehört zu den ältesten nachweisbaren Gasthöfen der Stadt Eisenach und hieß im 16. Jahrhundert der „Grüne Aal“ - gelegen am Sonnabendmarkt, dem heutigen Karlsplatz. Bereits im Jahr 1595 ist im Eisenacher Kirchenbuch der Wirt Just Schreiber namentlich erwähnt. Doch 1679 änderte sich der Name des Gasthofs. Johann Kesselring aus Großenlupnitz überschrieb ihn an Konrad Cotta, der den Gasthof in „Schwarzer Adler“ umbenannte. Im Jahr 1845 übernahm Johann Röhrig den Gasthof, ließ ihn abreißen und einen Neubau errichten. 1847 wurde dieser, nunmehr als „Hotel Thüringer Hof“ eröffnet und floriert einige Jahre, bis 1876 eine Brandstiftung das Gebäude beschädigte. 1886 kam das Haus in die Hände der Familie Mattheus und blieb dort bis 1950. Zuvor jedoch musste das alte Hotel 1912 einem Neubau weichen. Aus dieser Zeit stammt die Ansichtskarte, die neben der Wartburg und dem Ensemble von Nikolaikirche und Nikolaitor das Garten-Restaurant, Speisesaal und Restaurant zeigt. 1950 ging das Hotel in die Hände der Handelsorganisation (HO) der DDR über, die 1983 eine Sanierung durchführte. Nunmehr Teil einer Hotelkette, wurde das Haus nach einer weiteren Sanierung und einer Erweiterung im Jahr 1996 wieder eröffnet.


Das Hotel „Kaiserhof“ wurde 1895 – 1897 von dem Eisenacher Gastronomen Gustav Franke (Architekt Otto March, Berlin) errichtet und am 19. Dezember 1897 eröffnet. 1899 schuf der bekannte Eisenacher Lithograph Heinrich Noback die Ansichtskarte für das Hotel „Kaiserhof”. Auf ihr ist die Ostseite des Hauses an der aufsteigenden Kartäuser Straße (heute Wartburgallee) zu sehen. In deren Kellergeschoss befand sich das sogenannte „Tunnel-Restaurant“ mit seinen Wandmalereien, die wohl Szenen aus dem Venusberg (Hörselberg) darstellen. Im rechten Bildteil ist das altehrwürdige Nikolaitor zu sehen. In seinen Obergeschossen und in dem 1910 – 1912 erbauten städtischen Torhaus, die baulich mit dem Hotel verbunden wurden, richtete Franke zunächst pachtweise das Weinlokal „Turmschänke” mit der „Nikolaiklause” ein. 1918 erwarb er das Gebäude und erweiterte das Ensemble um einen Anbau an der Wartburgallee. Die Gaststätte „Zwinger“ wurde 1926 im Kellergeschoss des Nordflügels eingerichtet. Der Name erinnert an die einstige mittelalterliche Befestigungsanalge an dieser Stelle. 1945 war der Name „Kaiserhof“ nicht mehr genehm, das Haus wurde in „Parkhotel“ umbenannt und bekam seinen alten Namen erst 1990 wieder zurück. Außer der „Nikolaiklause“ dienen alle Räumlichkeiten auch heute noch der gastronomischen Nutzung.

Beide Hotels sind zum Tag des offenen Denkmals am 13. September geöffnet.

Schloss Wilhelmsthal um 1900, Photochromkarte aus dem Verlag von Paul Roth, Eisenach.

Teil 10 – Schloss Wilhelmsthal

 

Mit dem Schloss Wilhelmsthal als „Ort des Genusses“ untrennbar verbunden sind der einst östlich des Komplexes gelegene Gasthof „Zum Auerhahn“, der die Ausflügler und die Gäste des herzoglichen Sommersitzes aufnahm, und der westlich des Schlosses gelegene Gasthof im Forsthaus Attchenbach, der im ausgehenden 19. Jahrhunderts für sein Angebot an Krebsen bei den Besuchern bekannt war. Die lukullischen Genüsse des Schlosses Wilhelmsthal waren jedoch nur geladenen Gästen vorbehalten.
Ein Genuss war zudem der Schlosspark mit seiner schönen Umgebung, was auch einige namhafte Künstler inspirierte, die das Wechselspiel von Architektur am Übergang von gestalteter Natur und Landschaft meisterhaft auf Papier oder Leinwand festhielten.
Heute bietet das Schloss Wilhelmsthal mit seiner Parkanlage nur noch wenig Genuss. Zu sehen ist ein langjähriger, fortschreitender Verfall, der durch fehlende Nutzung und Vandalismus begünstigt wird. Nun endlich sollen im nächsten Jahr unter Regie des neuen Eigentümers, der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, erste Mittel fließen um dem Verfall Einhalt zu gebieten.
Der Verein „Förderkreis Schlossanlage Wilhelmsthal“ engagiert sich seit 1997 für diesen historischen Ort.

Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September werden in Schloß und Park Wilhelmsthal von 11 Uhr bis 17 Uhr Führungen und musikalische Unterhaltung angeboten.

Die Ansichtskarte der „Süßen Ecke“ wurde 1897 verschickt und stammt aus der Kunstanstalt Wilhelm Schütz, Georgenstraße 22, Eisenach.

Teil 11 – Drei bekannte Eisenacher Cafés

 

Café-Restaurant Süße Ecke
An der Ecke Marienstraße/Barfüßerstraße eröffnete 1877 Otto Walther im Hause seines Onkels, Marienstraße 23, ein Café mit „Konditoreiwirtschaft“. Der Standort dürfte dem ansonsten in der Karlstraße ansässigen Konditor wohl mit Recht als günstig für die Versorgung von Wartburg-Besuchern erschienen sein. Denn nach der Wiederherstellung der Wartburg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schwoll der Besucherstrom stark an. Das Traditionshaus „Café Süße Ecke“ ist bis auf den heutigen Tag in diesem Metier tätig.

 

Konditorei und Café Brüheim
Kaum 200 Meter stadteinwärts, an der Ostseite des Frauenplanes, richtete 1931 Hermann Frauen seine Konditorei mit Café ein. Nach einigen anderen Pächtern gelangte das Café in die Hände der Familie Dübner und erarbeitete sich einen hervorragenden Ruf. Das Bachhaus dürfte neben den Eisenacher Dauergästen den Hauptteil der Kunden geliefert haben. Und so ist das Haus bis heute eine kulinarische Entdeckung.

 

Café-Restaurant Lackner
Weitere 200 Meter in Richtung Karlsplatz stößt der Besucher auf das zwischen Quer- und Johannisstraße gelegene „Café Lackner“, das heute den Platz des 1842 eröffneten Hotels „Deutsches Haus“ erobert hat. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Hotel bekannt für seinen opulenten Weinkeller. Nicht zuletzt deshalb wird der Dichter Fritz Reuter hier des Öfteren seinen Anker geworfen haben. Auch seine Trauerfeier fand hier statt. In dem 1924 fertiggestellten Haus mit den typischen Art-Deco-Motiven eröffnete Julian Lackner sein Konditoreigeschäft. Auch heute noch ist das Café eine bekannte Adresse für die Eisenacher und ihre Gäste.

Alle drei Cafés haben zum Denkmaltag am 13. September geöffnet.

Teil 12 – Fleischerei Fischer, Goldschmiedenstraße 16


Im Frühjahr 1899 baute der Fleischermeister und Gastwirt Karl Kayser in der Goldschmiedenstrasse nach den Plänen des Architekten Max Voigt ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Rund ein Jahr später, im März 1900, konnte das neue Gebäude bezogen werden – mit Wohnung, Gastraum und Ladengeschäft. 1926 wird die Erdgeschosszone nochmals umgebaut. Der Gastraum ist nun auch Verkaufsfläche und erhält ebenfalls ein großes Schaufenster.

Ein Handwerksbetrieb wie eine Fleischerei kann auch zu Streit mit den Nachbarn führen – beispielsweise mit einem Klempnermeister in der Schmelzerstrasse. Grund dafür waren Rauchbelästigungen, denn beim Umbau der Hintergebäude hatte man eine Fensteröffnung auf der Grundstücksgrenze beibehalten, durch die der Räucherduft dem Nachbarn direkt in die Nase stieg. Die Auseinandersetzung wird juristisch geführt. Letztlich musste für den Rauchabzug ein Schonstein gebaut werden. Weitere Reibereien gab es wegen des Wasserbedarfs der Fleischerei, die deshalb in den 1930er Jahren im Keller einen eigenen Brunnen anlegen musste. 1957 war die Tordurchfahrt Anlass für eine statische Überprüfung, weil schon seit Jahren schwere Wagen diese Durchfahrt nutzen würden. Der Eigentümerin Mathilde Kayser wurde schließlich die Standsicherheit der Durchfahrt bestätigt.
Nach dem Tod von Mathilde Kayser wurde das Haus von einer Haus- und Vermögensverwaltung Weimar verwaltet. Im Haus befand sich nun eine HO Verkaufsstelle, die vom Fleischermeister Keitzel betrieben wird. Wegen ständiger baulicher Engpässe wurden die Schäden an den Regenfallrohren immer größer. Erst 1975 wurde deren Instandsetzung vom Stadtbauamt befürwortet. Damit konnte der neue Fleischermeister Fischer wenigstens die Fleischerei weiter nutzen; ein vollständige Sanierung des Gebäudes fand nicht statt. Die Familie Fischer hatte ihre Fleischerei in der Alexanderstraße aufgeben müssen, da dort die Gebäude abgerissen wurden. Fischers durften deshalb mit ihrer Privatfleischerei in die Goldschmiedenstraße umziehen.

Als Fischers das Anwesen 1994 erwarben, konnte endlich mit einer vollständigen Sanierung des Hauses begonnen werden. Die sehr schöne und für die Erbauungszeit typische Klinkerfassade mit ihren Fensterverkleidungen sowie die Laden- und Hauseingangstüren wurden wieder hergerichtet. Im Fleischerladen musste der Verkaufstresen den technischen Anforderungen entsprechend neu eingebaut werden, aber die alten Wandfliesen blieben erhalten und zeigen heute, wie aufwändig, geschmackvoll und individuell eine Ladeneinrichtung in der Erbauungszeit des Hauses gestaltet wurde.

 

Die Fleischerei Fischer in der Goldschmiedenstraße 16 kann zum Denkmaltag am 13. September von 11 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden.

Fotokarte aus dem Jahre 1898 des alten Gasthofes „Zur hohen Sonne“, vor dem reger Publikumsverkehr herrscht.

Teil 13 – Hohe Sonne

 

Herzog Johann Wilhelm ließ 1713 den Weg von Eisenach zum Rennsteig durch Aushauen der Felsen zu einem bequemeren Fahrweg ausbauen. Dieser Weg oberhalb des späteren Annatals war bis dahin nur als Eselspfad benutzbar. Bei dem dortigen Tierpark stand seit 1700 ein Jagdhaus. Nachdem Ausbau hieß der Weg dann Straße am „Gehauenen Stein”. Diese kreuzte auf dem Kamm des Thüringer Waldes den Rennsteig. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts hieß dieser Ort das „Hohe Kreuz“. 1744 ließ Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar das „Hohe Kreuz” in „Hohe Sonne” umbenennen.

Im Jahr zuvor hatte der Herzog den Neubau des Jagdschlösschens befohlen, das 1747 fertig gestellt wurde. Der Baumeister Gottfried Heinrich Krohne , der auch für den Ausbau des Eisenacher Stadtschlosses verantwortlich war, entwarf auch für das Jagdschloss die Pläne. Es wurde damals als barocke Dreiflügelanlage errichtet – mit einem Wohngebäude in der Mitte  sowie Stallgebäuden, Küchenhaus und Jägerhaus in den Seitenbereichen. Das Wohnhaus war unter anderem mit einem Turmaufsatz versehen, dessen schmiedeeiserne Krone mit einer Sonne verziert war. Dieses namengebende Bauteil ist nicht mehr erhalten.
Dem Wanderer stand aber nur der an der Straße befindliche flache Bau zur Einkehr zur Verfügung. Darüber berichtet später der Dichter August Becker in seiner Erzählung „Auf Waldwegen“. Auch der Verein der „Severinusbrüder“ tagte jeweils mittwochs in diesem Häuschen.

Das herzogliche Jagdschlösschen wurde 1905 abgebrochen und im Jahr darauf dessen Mittelgebäude im alten Stil wieder hergestellt und als Gasthaus eingerichtet. In den Jahren 1923, 1928 und 1934 sind in den alten Bauakten Erweiterungsbauten verzeichnet. 1953 erfolgte eine Sanierung. Nach mehreren Eigentümerwechseln ist heute das seit 1979 unter Denkmalschutz stehende einstige Jagdschloss einsturzgefährdet. Es ist seit Anfang der 1990er Jahre in Privatbesitz und steht seither leer.

Das ehemalige Jagdschloss „Hohe Sonne“ kann nicht besichtigt werden.

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