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Tag des offenen Denkmals 2010
Ausgewählte Angebote
Mit einem Konzert in der „Alten Mälzerei“ startet wieder am Vorabend des Denkmaltages, am Samstag, 11. September, der Veranstaltungsreigen in Eisenach. Ab 20.30 Uhr wird Anke Angel (Boogie Woogie, Blues) hier zu hören und erlebens ein.
Am Denkmaltag selbst wird um 10 Uhr im ehemaligen Straßenbahndepot an der Uferstraße eine neue Dauerausstellung zur Geschichte der Eisenacher Straßenbahn eröffnet. Die Eisenacher Ortsgruppe der Thüringer Straßenbahnfreunde e.V. hat diese Präsentation verwirklicht und hofft auf viele Besucher zur Eröffnung und während des gesamten Tages. Die Eisenacher Straßenbahn wird zudem am Denkmaltag wieder für alle auf dem Karlsplatz sichtbar gemacht – mit einem original-großen Banner an einer Hausfassade gegenüber dem Lutherdenkmal.
Im Fürstenbahnhof hat die Stiftung Bahnsozialwerk am 12. September für die Besucher neben Führungen und Vorträgen eine neue Ausstellung zur „Entwicklung der Bahnhofsgastronomie“ in einem historischen Mitropa-Speisewagen vorbereitet. Hier gibt es auch ein kleines gastronomischen Angebot, das vom Steigenberger-Hotel „Thüringer Hof“ ermöglicht wird.
Mit einem Malwettbewerb beteiligen sich auch Schülerinnen und Schüler der Eisenacher Gymnasien am Denkmaltag. Der Kunstverein Eisenach hatte unter dem Motto „Denk!-Male!“ die jungen Leute aufgerufen, zum Thema des Denkmaltages „Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr“ ihre heutige Sichtweise auf die Alte Posthalterei, das Nikolaitor mit der Nikolaikirche sowie den Bahnhof in einem Bild (Format A3) festzuhalten. Die Techniken konnten frei gewählt werden, Fantasie und Kreativität waren gefragt. Die Arbeiten werden am Denkmaltag im Stadtschloss des Thüringer Museums, in der Museumsbibliothek präsentiert. Eine Jury wird drei herausragende Arbeiten auswählen und mit Preisen auszeichnen. Die Sieger werden zur Denkmaltag-Eröffnung bekannt gegeben. Das Stadtschloss ist an diesem Tag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Die VIA REGIA als alte Handelsstraße und Pilgerweg quer durch Eisenach ist Thema einer Ausstellung in der Alten Posthalterei, außerdem um 14 Uhr bei einem Vortrag des Europäisches Kultur- und Informationszentrum in Thüringen in der Nikolaikirche und bei einer anschließenden Stadtführung des Förderkreises zur Erhaltung Eisenachs.
Geschichte wird auch im historischen Storchenturm an der Stadtmauer lebendig – zum Beispiel bei den Erzählungen und Vorführungen des Kerkertheaters, die vom Wirt des Gasthofes „Am Storchenturm“ angeboten werden.
In der Wandelhalle wird am Denkmaltag ab 12 Uhr ein „ART!istik-Labor“ ein besonderes Spektakel zeigen. Es ist ein Teil des Festivals „mittenDrin“ des Netzwerk neue Musik e.V.
Teil 1 – Alte Posthalterei
Ein für die Stadtgeschichte interessantes Gebäude ist das Haus Georgenstraße 52, besser bekannt als „Alte Posthalterei“. Unmittelbar an der Stadtmauer, unweit des Georgentores gelegen, befand sich an diesem Platz zuvor der „Hessenhof“ – ein zum Kloster Hersfeld gehörender Besitz. Später diente es dem Hessischen Landgrafen als eine Art „Konsulat“. 1819 wurde das Vorderhaus erneuert und hier die Posthalterei eingerichtet. Die neuen Eigentümer – die Eisenacher Kaufleute Pfennig und Jungherr hatten kurz zuvor die Lizenz erworben, eine Fahrpost-Agentur in der Stadt einrichten zu dürfen. Alle nach Eisenach gehenden Postkutschen-Verbindungen wurden nun in diesem Gebäude „abgefertigt“. Eisenach war dank seiner zentralen Lage zu dieser Zeit durch Postlinien mit Leipzig, Frankfurt am Main, Coburg, Göttingen und anderen Orten verbunden.
Erst mit Anschluss Eisenachs an die Thüringische Eisenbahn verlor diese Funktion ihre Bedeutung. Später übernahm die Preußische Postverwaltung (Erfurt) das „Postgeschäft“ als Monopol. Im Jahr 1908 erwarb die Stadt daher das Objekt, in dem fortan die städtische Realschule und später die Pestalozzischule (die sog. Hilfsschule) untergebracht waren.
Seit 1995 wird das Gebäude als städtisches Kinder- und Jugendzentrum „Alte Posthalterei“ genutzt und steht mit seinen Räumlichkeiten verschiedenen Vereinen und Einrichtungen zur Verfügung.
Die Posthalterei ist eines der wenigen rein klassizistischen Bauwerke in Eisenach. Der Mittelteil der Fassade wird vom Haupteingang geprägt, der von dorischen Säulen umrahmt ist. Innenarchitektonisch bedeutsam sind die Stuckdecken sowie das Treppengeländer aus schmalen Holzstäben, die von Palmetten bekrönt werden.
(Text: Manfred Beck)
In der „Alten Posthalterei“ wird am 12. September , 11 Uhr der Denkmaltag in Eisenach von Oberbürgermeister Matthias Doht eröffnet. Von 11 Uhr bis 17 Uhr können hier die Ausstellungen „Die Geschichte der Alten Posthalterei“ und „VIA REGIA – Kulturstraße des Europarates“ besichtigt werden. Zudem werden ab 11.45 Uhr Führungen durch das Haus sowie für die Jüngeren Spiele, das Kreativprojekt „Jugendzentrum zum Ausprobieren“ und Live Musik angeboten. Außerdem ist die „Alte Posthalterei“ am Denkmaltag Haltepunkt für Postkutschfahrten durch die Stadt
Teil 2 – Hauptbahnhof und Fürstenbahnhof
Der Hauptbahnhof
Am 24. Juni 1847 startete der planmäßige Zugverkehr zwischen Gotha und Eisenach. Im gleichen Jahr wurde auch das erste Empfangsgebäude des Eisenacher Bahnhofs fertig gestellt. Es lag schienengleich auf dem Niveau des umgebenden Geländes und war wesentlich kleiner als das heutige Gebäude. 1858 wurden das Empfangsgebäude wie auch das Schienennetz erweitert. Der Eisenacher Bahnhof mit seinen Gleisanlagen führte jedoch im zunehmenden innerstädtischen Verkehr wegen des straßengleichen Niveaus der Eisenbahntrasse zu erheblichen Problemen. Deshalb wurden die Bahngleise innerhalb der Stadt auf einen Damm gelegt. Beginn der Bauarbeiten dafür war 1900. Auch das Bahnhofsgebäude wurde komplett neu gebaut. Der neue Bahnhof wurde im spätklassizistischen Stil geplant und stellt eine Komposition verschiedener Baukörper dar. Vom Haupteingang gelangt man über einen Windfang in die tonnengewölbte Empfangshalle. Auf der östlichen Seite waren die Fahrkartenschalter und die Gepäckräume eingerichtet und auf der westlichen Seite die Warte- und Speisesäle. Der neue Bahnhof wurde am 12. April 1904 eröffnet – mit einem Bahnpostamt. Parallel dazu begann der Bau des Fürstenbahnhofs.
Der Fürstenbahnhof
Bereits im alten Bahnhof aus dem Jahr 1847 hatte es ein „Fürstenzimmer“ gegeben, um den Hoheiten ein unerfreuliches oder unvorbereitetes Treffen mit dem gemeinen Volk zu ersparen. Auch beim neuen Bahnhof wurde wieder ein Fürstenbahnhof mit eingeplant, der jedoch erst im April 1905 fertiggestellt war. Die Entwürfe lieferte, wie schon jene zum Bahnhof selbst, der Preußische ‚Regierungs- und Baurat H. C. Cuny. „Die Formen sind dem allgemeinen Empfangsgebäude angenähert .... Im Inneren ist hier ebenfalls der romanische Stil angewendet worden ... Das Gebäude enthält drei große und einige kleine Räume ... Das Fürstenzimmer ist in blau-gold – mit wappenbemalter Eichendeckentäfelung – gehalten“, schrieb damals die Zeitung. Auch das Treppenhaus war mit Wandbemalungen und Holzdecken verziert. Die drei an den Fensterbögen des Fürstenzimmers angebrachten Säulenkapitelle zeigen in Bildhauerarbeit vier Köpfe: zwei Ritter sowie die Bildnisse Conys und Prof. Georg Kugels, der die Arbeiten angefertigt hat.
Die Ausführung des Baus lag in den Händen einheimischer Firmen: Kugel war verantwortlich für die figürliche Ausgestaltung, die Kunstschmiedearbeiten erledigte Schlossermeister Gustav Laufer, die Fensterverglasung stammte vom Hofglaser Carl Zahn, die Ausmalung nahmen die Hofmaler Tischer vor.
Der Bahnhof Eisenach heute
Im Jahr 2004 beging der Bahnhof Eisenach sein 100-jähriges Bestehen. Die Struktur des Empfangsgebäudes als auch die Anbauten sind in ihren wesentlichen und charakteristischen Merkmalen bis heute erhalten. Im Jahr 1960 verschwanden die sogenannten Sperren, die die Empfangshalle von den Bahnsteigen trennten. Der Nordausgang des Bahnhofs konnte für den allgemeinen Fußgängerverkehr geöffnet werden.
Umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Außenhaut und im Inneren erfolgten 1981 in Vorbereitung des 500. Geburtstages von Martin Luther. Die Empfangshalle wurde detailgetreu saniert und die ehemals bleiverglasten Fensterreihen an der Süd- und Nordseite wurden auf der Grundlage vorgefundener Reste rekonstruiert und wieder eingebaut. Parallel zur Gebäudesanierung wurde der technischen Entwicklung entsprochen und die Fahrkartenausgabe und der Sozialbereich modernisiert sowie die Handgepäckaufbewahrung aus der Empfangshalle ausgelagert.
Mit der Wende rückte der Bahnhof Eisenach wieder in die Mitte Deutschlands und war nicht mehr Ausgangs- bzw. Endpunkt des Zugverkehrs. Eisenach wurde als Systembahnhof eingerichtet, in dem ICE-Züge halten. Dafür erfolgten umfangreiche Ausbauarbeiten. Die Bahnsteiganlagen wurden erneuert, die Empfangshalle nach modernen Gesichtspunkten umgestaltet, aus der Fahrkartenausgabe entstanden 1992 ein modernes Reisezentrum und Geschäfte, auch ein Restaurant wurde eingerichtet. Bei allen Maßnahmen fanden denkmalpflegerische Aspekte Berücksichtigung. Somit konnte die ursprüngliche Struktur des Bahnhofs erhalten werden.
Ziel der derzeitigen Sanierungsarbeiten ist es, das Empfangsgebäude und die angrenzenden Gebäude vorrangig nach energetischen Gesichtspunkten denkmalgerecht zu sanieren, ebenso wie die geschädigten Teile von Dach, Fassade und Fenstern.
(Text: Dr.-Ing. Erhard Hendrich und Stadtverwaltung)
Der Hauptbahnhof Eisenach und der Fürstenbahnhof können am Denkmaltag von 11 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden. Im Fürstenbahnhof informieren Ausstellungstafeln und Vorträge über die Geschichte des Eisenacher Bahnhofs und die Sanierungsmaßnahmen. Zudem gibt es Führungen im Historischen Kabinett und zur Kaffeezeit ab 15.30 Uhr einen Vortrag von Dr. Wolfgang Schenk zum Thema „Kaffee wirft die Jungfrau um“.
Teil 3 – Straßenbahndepot
Die sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entwickelnde Elektrotechnik ermöglichte die Umsetzung zahlreicher bahnbrechender Erfindungen und Projekte im Verkehrswesen. Seit 1890 war in Eisenach ein erstes Elektrizitätswerk entstanden, um die Stromversorgung in der Stadt aufzubauen. Damit war auch die Möglichkeit gegeben, in Eisenach eine elektrische Straßenbahn als Verkehrsmittel anzuschaffen. Am 3. April 1897 fuhr die erste Straßenbahn durch Eisenach; im Juli des gleichen Jahres öffnete das erste Straßenbahndepot an der Helenenstraße seine Tore.
Bis 1913 wurde das Netz in mehreren Etappen erweitert. Das neue Straßenbahndepot an der Uferstraße mit Wagenhalle, Werkstatt, Verwaltung, sozialen Einrichtungen für das Personal und Umformwerk wurden in den Jahren 1925 bis 1929 auf einem ehemaligen Lagerplatz des Elektrizitätswerks Eisenach errichtet und im August 1929 eröffnet. Das Gebäude konnte 25 Wagen fassen. Immerhin war der Fahrzeugpark der Straßenbahn von neun Wagen zu Beginn 1897 über 16 Wagen 1912 auf 24 Wagen zu Jahresende 1929 angewachsen. Die 20 Meter breite und 48 Meter lange Halle entsprach funktionell und konstruktiv dem neuesten Stand im Wagenhallenbau. Im Inneren werden 19 Meter überspannt mit Dreigelenkrahmen aus Holz nach einem Patent der Gothaer Holzbau GmbH. Daneben war ein Werkstatt eingerichtet, zu der auch Schmiede, Tischlerei, Lackiererei, Motorenschlosserei und eine Ankerwickelwerkstatt gehörten. Bei den Luftangriffen auf die Stadt im Herbst 1944 wurde der Anbau der Wagenhalle zerstört; auf dem Betriebsgelände gab es insgesamt 51 Tote. Der Betrieb wurde bis in die Sommermonate 1945 eingestellt.
Der Wiederaufbau kam in den folgenden Jahren nur schwer in Gang, abgeschlossen wurde er erst 1966 mit der Wiederherrichtung der Sozialräume. Bereits 1951 hatte man die Wagenhalle für die Aufnahme von Bussen umgebaut und dabei auf ein Abstellgleis verzichtet. Der stark angewachsene Omnibusverkehr für den Überlandverkehr setzte sich immer mehr durch. 1975 wurde der Straßenbahnbetrieb in Eisenach schließlich vollständig eingestellt. Seither fahren Busse auch auf den Innenstadtlinien.
Das ehemalige Straßenbahndepot an der Uferstraße wird seit 1998 als städtisches Parkhaus genutzt. Für die Stadtgeschichte und als Technisches Denkmal besitzt es einen hohen dokumentarischen Wert.
Gegenwärtig erarbeitet die Ortsgruppe Eisenach der Thüringer Straßenbahnfreunde e.V. eine Dokumentation zur Geschichte der Eisenacher Straßenbahn, wobei ein besonderes Augenmerk auf das Straßenbahndepot gelegt werden soll. Zum Tag des offenen Denkmals soll diese Dokumentation am Parkhaus Uferstraße gezeigt werden und dort auch ständig verbleiben. Dafür und für eine möglicherweise noch folgende größere Ausstellung werden noch Fotos, Pläne, Fahrkarten und ähnliche Erinnerungsstücke zur Straßenbahn-Geschichte leihweise gesucht. Interessenten können sich an das Stadtarchiv (03691 / 670 146) oder direkt an Dirk Herrmann (03691 / 880943) wenden.
(Text: Manfred Beck und Dirk Herrmann)
Teil 4 – Ehemalige Ostkantine “O5” des AWE
Den Eisenachern vertraut ist die Bezeichnung “O5” durchaus. Dem Fremden erschließt sie sich nicht auf den ersten Blick. Was verbirgt sich hinter diesem Kürzel? Das O steht für Ost, und die 5 ist einfach eine fortlaufende Nummer. Wegen seiner Größe gingen die Verantwortlichen des Automobilwerkes irgendwann einmal dazu über, das Gelände in einen Ost-Bereich, östlich der Friedrich-Naumann-Straße, und einen Westbereich einzuteilen. Die dort vorhandenen oder zu errichtenden Gebäude erhielten neben dem Kürzel O oder W dann die nächst höhere Nummer. Viele der damaligen Gebäude wurden nach 1990 abgerissen. Heute noch vorhanden ist zum Beispiel das “O2”, in dem sich das Museum “automobile welt eisenach” befindet. Vorhanden ist auch noch das “O5”, bekannt auch unter dem Namen “Ostkantine”.
Errichtet wurde das Gebäude 1936 nach Plänen des Eisenacher Architekten Georg Schroeder als “Kameradschaftsgebäude” für die “BMW AG”.
Das Haus verfügte über einen großen Saal mit insgesamt 550 Sitzplätzen. In das Betriebsgelände wurde der Bau mit einem großen Freiraum für Versammlungen eingebunden. Das Gebäude öffnete sich mit einem Austritt zu diesem Freiraum (sogenannter “Führerbalkon”).
Nach dem Krieg, 1947, wurden an den Längsseiten des Hauses Seitenflügel angebracht, um die Kapazität weiter zu erhöhen. Nun diente das Haus vor allem als Kantine zur Versorgung der AWE-Arbeiter, aber auch weiterhin für politische und kulturelle Veranstaltungen aller Art.
Seit 1995 stehen die erhaltenen Gebäude des ehemaligen Automobilwerkes Eisenach unter Denkmalschutz.
Heute dient das Haus dem “Automobilbau-Museum Eisenach e.V.” als Vereinsquartier. Der Verein dokumentiert die langjährige Tradition des Fahrzeugbaues in Eisenach mit einem umfangreichen Fahrzeug-Fundus. Ein Teil dieses Fundus wird im Rahmen der “automobilen welt eisenach” präsentiert.
Zum Denkmaltag am 12. September bietet der Verein Automobilbau-Museum Eisenach in der ehemaligen Ostkantine “O5” von 11 Uhr bis 17 Uhr Veranstaltungen, Kinderaktionen und Führungen an.
Teil 5 – Pilgern auf der „VIA REGIA“
Das fromme Unterwegssein zu heiligen Orten des Glaubens kennt das Christentum ebenso wie andere Religionen. Neben Jerusalem und Rom wurde im 11. Jahrhundert besonders Compostela in Spanien zum erklärten Pilgerziel. Um das Grab des Apostels Jakobus des Älteren zu sehen, machten sich alljährlich Zehntausende auf den beschwerlichen Weg. Am Ziel erhielten sie die Jakobsmuschel, die Ihnen zu Hause Anerkennung und Bewunderung einbrachte.
Entlang des Pilgerweges „Jacobsweg“ entstanden Klöster, Hospize, Wirtshäuser. Pilgerfahrer waren wichtige Handelspartner und Käufer und sie waren Europäer. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen brachten sie mit in die Heimat und berichteten von der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung in den anderen Ländern. Aus Pilgerwegen wurden Handelswege und umgekehrt. So hat der Jakobsweg mit seinen vielen Nebenwegen wesentlich zur Entstehung der „VIA REGIA“ beigetragen.
Eigentlich wurde mit dem Namen eine bestimmte Straßenart bezeichnet – die Königstrasse. Sie stand unter besonderem Friedensschutz und war direkt dem König zugeordnet. Bei der „VIA REGIA“ vom Rhein bis nach Schlesien wurde die Straßenart zum Namen.
An ihrem historischen Verlauf orientiert sich in unserer Zeit der ökumenische Pilgerweg. Er wurde 2003 eröffnet und verläuft von Görlitz nach Vacha.
Mit der Aufklärung verlor das Pilgerwesen an Bedeutung. Nationalistisches Denken, Kriege und die Trennung Europas in ideologische Blöcke standen den Länder verbindenden Pilgerfahrten entgegen.
Erst Ende des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Pilgergedanke wieder in größerem Umfang. Pilgern heißt, sich auf das Wesentliche zu besinnen und Langsamkeit in sein Leben zu bringen, die Natur, sich selbst und sein Gegenüber wieder bewusst wahrzunehmen. Deshalb nehmen Christen und Nichtchristen den oft beschwerlichen Pilgerweg auf sich. Jeder hat seine eigenen Beweggründe und oft ist auch nur der Weg das Ziel.
(Text: Rosemarie Schneider)
Zum Denkmaltag am 12. September gibt es in der Nikolaikirche (neben dem Nikolaitor am Karlsplatz) sowie in der „Alten Posthalterei“ in der Georgenstraße von 11 Uhr bis 17 Uhr Informationen zur „VIA REGIA“. In der Alten Posthalterei wird eine Ausstellung mit dem Titel „VIA REGIA – Kulturstraße des Europarates“ präsentiert.
In der Nikolaikirche wird der Ökumenische Pilgerweg ab 14 Uhr in einem Vortrag von Dr. Jürgen Fischer und Caroline Fischer vom Europäischen Kultur- und Informationszentrum in Thüringen „VIA REGIA - Kulturstraße des Europarates“ vorgestellt.
Im Anschluss gibt es eine Stadtführung "Stationen entlang der VIA REGIA im Zentrum der Stadt" mit dem Förderkreis zur Erhaltung Eisenachs e.V.
Teil 6 – Gasthof „Am Storchenturm“
Vor 850 Jahren hielt der damalige Landgraf von Thüringen „Ludwig II - der Eiserne“ (1172-1190) es für notwendig, die am Fuße der Wartburg entlangführenden Handelsstraßen – unter anderem die „VIA REGIA Lusatiae“ und die „Lange Hessen“ - sowie die in der Entstehung befindliche Ortschaft Isenacha zu schützen. Dazu ließ er der Überlieferung nach mehrere massive, steinerne „Kemenaten“ errichten, die später in die Stadtmauer integriert worden sein sollen.
Einer von 26 Tor-, Wach- und Aufstiegstürmen an der Stadtmauer, mit 16 Metern Höhe der größte von allen, war der so genannte Storchenturm. Da darin die Pulvervorräte der Stadt aufbewahrt wurden, nannte man ihn auch Pulverturm. Die bis heute gebräuchliche Bezeichnung „Storchenturm“ erscheint erstmals im 18. Jahrhundert als „der Turm mit dem Storchennest“.
Neben dem Turm an der Stadtmauer entstand später der einstige Lehnshof derer „von Hellgreve“, einer damals angesehen Familie in Eisenach. Zum Lehnshof gehörten die Kemenate, eine Scheune und weitere Gebäude, die im 15. und 16. Jahrhundert erweitert wurden und das Gasthaus „Zur güldenen Sonne“ beherbergten.
Da im Laufe der Zeit die Stadtbefestigung an Bedeutung verlor, richtete man 1715 in dem Turm zeitweise das Amtsgefängnis ein. Das solide ausgeführte Bauwerk maß 22 Meter Umfang. Als nach und nach die Wehranlagen der Stadt zurückgebaut wurden, wurde auch der deutlich höhere Storchenturm 1835 gekappt und der Höhe der Stadtmauer angepasst.
Lange blieb der Storchenturm unbeachtet, ehe sich die Interessengemeinschaft Denkmalschutz 1983 seiner annahm. Allerdings wurde der Plan, ihn in seiner ursprünglichen Größe und Mächtigkeit wieder herzustellen, bald aufgegeben. Bis 1990 wurde der sogenannte „Hellgrevenhof“ als Wohnhaus genutzt, die Kemenate beherbergte eine Tischlerei; Turm, Hof und Scheune lagen im Dornröschenschlaf.
Nach der Wende bemühte sich die Stadt Eisenach gemeinsam mit Ihrer Partnerstadt Marburg um den Erhalt und die Sanierung des Gebäudekomplexes. Der Seitenflügel wurde zur Wanderherberge mit 24 Betten. In den Vorderhäusern haben heute die Stadtbibliothek und das WartburgRadio 96,5 ihr Domizil. Die Scheune wurde zum Gasthof „Am Storchenturm“ umgebaut und 1997 fertig gestellt. Das Sichtfachwerk wurde dort mit neuen Materialien wie Stahl und Glas ergänzt, eine Wendeltreppe und eine Galerie wurden eingebaut. Der uralte Apfelbaum vor der Scheune bildet ein wunderschönes „Dach“ für die Gartengaststätte.
Ausgrabungen im Untergeschoss des Storchenturms zu Beginn des 20. Jahrhunderts förderten einige Totenschädel zu Tage, die darauf hindeuten, dass der Turm in früheren Jahrhunderten auch als Verlies genutzt wurde. Dies regt bis heute die Phantasie der Menschen an - nicht zuletzt deshalb, weil einst der bekannte Wiedertäufer Fritz Erbe hier eingekerkert war, ehe er auf die Wartburg gebracht wurde.
“Fritz Erbe im Kerker” ist auch das Thema des Kerkertheaters, das am Denkmaltag im Storchturm zu erleben sein wird. Nähere Informationen zu den Zeiten der Aufführungen sind im benachbarten Gasthof “Am Storchenturm” erhältlich, in dem man original Thüringer Spezialitäten im historischen Ambiente und bei schönem Wetter auch unter dem Apfelbaum genießen kann.
Teil 7 – Kulturfabrik „Alte Mälzerei“
Das kombinierte Wohn- und Mälzereigebäude mit rückwärtigem Anbau für die Kaffeerösterei ist ein typischer Wohn- und Kleinindustriebau der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es wurde 1873 von der Unternehmerfamilie Heintz errichtet. Produktions- und Wohnräume sind über einen gemeinsamen Flur erreichbar, ansonsten aber funktionell sauber getrennt. Das gesamte Gebäude ist mit zwei parallel laufenden tonnengewölbten Räumen unterkellert.
Die Eisenacher "Alte Mälzerei" wird als weithin einzigartiges industrieromantisches Denkmal eingeschätzt. Bemerkenswert ist vor allem der fast vollständig erhaltene, zum Teil noch aus den Gründerjahren stammende Maschinenpark. Die Kaffeekugelröster sind 1993/1994 restauriert und konserviert worden.
Braumalz wurde in der Heintz´schen Mälzerei bis ungefähr 1921 hergestellt. Während des ersten Weltkrieges war die Mälzerei stillgelegt. Die Malzkaffeerösterei begann vermutlich erst mit der Einstellung der Braumalzherstellung. Während der Besatzung durch die Amerikaner (6. April bis 1. Juli 1945), wurde für kurze Zeit auch Bohnenkaffee geröstet. Ab 1948 diente der Bereich der Mälzerei mehr und mehr nur noch als Lagerraum. Die Rösterei wurde bis ca. 1952/53 betrieben.
1988 verkaufte die Urenkelin des Begründers die Fabrik mit allen noch vorhandenen Maschinen und Anlagen an die Stadt Eisenach. Der Reiz der Symbiose von Industriearchitektur, faszinierender Technologie unserer Urgroßväter und kultureller Nutzung ist groß. Eine spezifische Klausel schreibt deshalb die ausschließlich kulturelle Nutzung fest.
Der kurz vor der Wende geplante Abriß der „Alten Mälzerei“ konnte verhindert und der Denkmalschutz-Status errungen werden. Nach der Wende ermöglichten städtische Finanzen, denkmalpflegerische Mittel, Spendengelder und viel Eigeninitiative erste wichtige Sanierungsarbeiten. Hoffeste mit Live-Jazz, Bratwürsten, Bier und natürlich Malzkaffee lockten Neugierige und zahlreiche Verbündete an. Zum erstmals veranstalteten Tag des offenen Denkmals 1993 kommen über 5000 Interessierte.
Inzwischen ist die „Alte Mälzerei“ eine gute Adresse geworden für kulturelle Vielfalt. Sie bot zeitweise die Bühne für das „freie eisenacher burgtheater“ und für Aufführungen des Jungen Theaters, ist Domizil für regelmäßige Konzerte des Eisenacher Jazz-Clubs und beherbergt das Internationale Archiv für Jazz und Populäre Musik der Lippmann + Rau-Stiftung.
In der Kulturfabrik „Alte Mälzerei“ im Palmental gibt es am „Tag des offenen Denkmals“ von 11 Uhr bis 17 Uhr ein Gartenfest, Führungen und erstmals auch Einblicke in das historische Gartenhäuschen.
Am Vorabend des Denkmaltages, am 11. September beginnt 20.30 Uhr ein Konzert mit Anke Angel (Boogie Woogie, Blues).
Teil 8 – Wandelhalle
Eisenach hatte Ende des 19. Jahrhunderts große Ambitionen und wollte ein Kurbad von Rang werden. Bereits 1884 wurde ein Kurkomitee gegründet. Private Heilstätten entstanden ab 1886 – beispielsweise das Sanatorium Johannistal und das Kurhaus-Hotel Fürstenhof. Aber erst 1904 gelang der Erwerb der ergiebigen sulfatischen Quellen des Gutes Wilhelmsglücksbrunn bei Creuzburg und die Kurbad Eisenach G.m.b.H. wurde gegründet. 1905 wurden dann beim Wettbewerb für eine Trink- und Wandelhalle am Kartausgarten 42 Entwürfe eingesandt. Es siegte der Vorschlag des Dresdner Architekten Johannes Bollert, der den damaligen Gestaltungsintentionen am nächsten kam. Der Eisenacher Architekt Isidor Seifert leitete die Ausführung des vom Maurermeister Drewes errichteten Gebäudes; Architekt Bollert übernahm die künstlerische Oberleitung des Baugeschehens. Am 9. Juli 1906 fand die Einweihung der Wandelhalle statt. Doch der Kurbadbetrieb entwickelte sich nicht so wie gewünscht. Nach dem Ersten Weltkrieg begann nach mehrfachem Betreiberwechsel sein langsames Sterben; 1938 wurde der Kurbadbetrieb schließlich eingestellt.
Die Konzerte in der Wandelhalle wurden zwar zunächst weitergeführt, doch schließlich lähmte der 2. Weltkrieg an diesem Platz jegliches kulturelle Geschehen. Aber im April 1946 konnte im Musikpavillon die Tradition der Kurkonzerte wieder aufgenommen werden. Auch Chor- und Tanzveranstaltungen standen auf dem Programm und 1955 wurde die Wandelhalle in das angesehene Wartburg-Sängertreffen einbezogen. Mitte der 1960er Jahre zogen dann die legendären Sommerfilmtage viele Gäste in die Wandelhalle.
Dennoch verfiel das Gebäude der Wandelhalle immer mehr. Bereits durch den Krieg war der Baukörper der Wandelhalle in Mitleidenschaft gezogen worden. Zwar konnten 1946 Ausbesserungen vorgenommen werden, doch 1965 stellte eine Zustandsanalyse fest: „Der Bauzustand gibt zu ernster Sorge Anlass.“ In den 60er Jahren gab es sogar Abrisspläne, die sich glücklicherweise wieder zerschlugen. Die Wandelhalle blieb erhalten, wenn auch der Verfall voran schritt.
Seit 1990, vor allem aber seit dem Ende der 1990er Jahre, nahm man sich ihrer wieder verstärkt an. Bereits 1991 konnte das dringend reparaturbedürftige Dach neu gedeckt werden. Die folgenden Jahre waren bestimmt von der Suche nach einer sinnvollen Verwendung des Objektes. Die fehlende Nutzung hatte dazu geführt, dass Kinder und Jugendliche mehr und mehr Besitz von der Halle ergriffen - mit allen Folgen wie Vandalismus und Ruhestörung. Seit 1999 arbeitete man intensiv an einem soliden Nutzungskonzept, in dessen Ergebnis die Gründung der „Wandelhalle Eisenach Stiftung“ unter dem Dach der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ im Jahr 2001 vollzogen wurde. Seit dieser Zeit erfährt die Wandelhalle eine umfassende Sanierung, die im Juni 2004 begann. Die Gesamtkosten für die Sanierung der Wandelhalle belaufen sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Eine 1,45 Euro davon kommt aus Städtebaufördermitteln (Bund-Länder-Programm Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen). Bei der Wiederherstellung dieses Kleinods der Thüringer Baukultur handelt es sich auch um ein Leitprojekt der Innenstadtinitiative des Freistaats.
Inzwischen sind drei der vier Bauabschnitte abgeschlossen. Noch offen sind jetzt im 4. Bauabschnitt die Herstellung der Freifläche zum Kartausgarten und zur Wartburgallee sowie der Einbau des Fußbodens im gesamten offenen Innenbereich. Die Baukosten dafür betragen nochmals ca. 565.000 Euro, davon sind 85.000 Euro als Eigenmittel aufzubringen.
Es bedarf noch weiterer Anstrengungen, die Sanierung der Wandelhalle nun auch abzuschließen. Deshalb sei an dieser Stelle an Einheimische und Besucher der Stadt appelliert, durch eine gezielte Spende „4. Bauabschnitt“ an die Wandelhalle Eisenach Stiftung, Wartburg-Sparkasse, Konto 173 100, BLZ 840 550 50, die noch ausstehenden Bauleistungen mit zu ermöglichen. Jeder Betrag zählt bei diesem Vorhaben.
Trotz aller Schwierigkeiten – mit der Gründung der Stiftung ist wieder Leben in die Wandelhalle eingezogen. Veranstaltungen locken alljährlich Tausende von Besuchern an diesen Ort. Regelmäßige Konzerte, Lichterfeste, Gottesdienste, Diavorträge, Gartenausstellungen, Veranstaltungsreihen wie „So klingt der Sommer“, die „Reggae-Night“ und die „Rock‘n‘Roll-Party“, Benefizkonzerte, Chorkonzerte oder Sommerfeste verschiedener Träger beleben die Wandelhalle. Sie ist als kultureller Ort nicht wegzudenken.
(Quellen: Dr. Herlind Reiß, Erwin Meusel, Dr. Reinhold Brunner)
In der Wandelhalle an der Wartburgallee wird zum Denkmaltag von 11 Uhr bis 17 Uhr eine Ausstellung zur Geschichte des Kurwesens in Eisenach präsentiert. Außerdem erklingt von 12 Uhr bis 14 Uhr ein Konzert.
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Veranstaltungen von: Mittwoch, 08.02.2012 - Sonntag, 08.04.2012
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Altstadtführung
Mittwoch, 08.02.201210:30 - 12:00Kategorie: EISENACH, TOURISMUSVeranstaltungsort: Innenstadt EisenachAuf den Spuren M. Luthers, J.S. Bachs, der Heiligen Elisabeth und historischer Ereignisse, Dauer: 1,5-2 Std., Treffpunkt: Touristinformation am Markt (Stadtschloss), Preis pro Person: 6,50 €, Kinder bis 12 Jahre sind kostenfrei.
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Die Eisenacher Südstadt: Villen und Landhäuser im Schatten der Burg - Seniorennachmittag
Mittwoch, 08.02.201214:00 - 16:00Kategorie: EISENACHVeranstaltungsort: Stadtbibliothek EisenachFortsetzung der Reihe der Seniorennachmittage in der Stadtbibliothek mit Bibliothekar Florian Zenner. Eintritt frei
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Altstadtführung
Donnerstag, 09.02.201210:30 - 12:00Kategorie: EISENACH, TOURISMUSVeranstaltungsort: Innenstadt EisenachAuf den Spuren M. Luthers, J.S. Bachs, der Heiligen Elisabeth und historischer Ereignisse, Dauer: 1,5-2 Std., Treffpunkt: Touristinformation am Markt (Stadtschloss), Preis pro Person: 6,50 €, Kinder bis 12 Jahre sind kostenfrei.
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Tourist-Information
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