Tag des offenen Denkmals 2011

Denkmaltag 2011 „Romantik, Realismus, Revolution – Das 19. Jahrhundert“

Der diesjährige „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 11. September steht unter dem Motto „Romantik, Realismus, Revolution - Das 19. Jahrhundert“. In der Wartburgstadt wird die Eröffnungsveranstaltung zum Denkmaltag 2011 im Landestheater Eisenach stattfinden.

 

Das gesamte Programm zum Denkmaltag in Eisenach finden Sie hier.

 

Hier können sie den Programm-Flyer herunter laden und ausdrucken.

 

Zur Vorbereitung dieses Ereignisses stöberte Stadtarchivar Dr. Reinhold Brunner im Archiv und fasste Geschichten und Informationen über das 19. Jahrhundert in Eisenach zusammen. In fünf Beiträgen werden im Vorfeld des Denkmaltages Orte und Gebäude vorgestellt, die den gesellschaftlichen Wandel in dieser Zeit verdeutlichen und die zum Denkmaltag geöffnet sind.

Das 19. Jahrhundert war geprägt von rasantem technischen Fortschritt und gesellschaftlichem Wandel. Vieles von dem, was heute unseren Alltag bestimmt, nahm damals seinen Anfang. Zeitlich umrissen von den Begriffen Romantik – Revolution – Realismus, kam es zu exorbitanten Veränderungen in der Lebenswelt der Stadtbürger. Eisenach wuchs deutlich über seine bisherigen Grenzen hinaus, die Einwohnerzahl vervielfachte sich, die industrielle Großproduktion gewann an Bedeutung, Politik und Verwaltung entwickelten moderne Daseinsformen. Zudem wurde Eisenach im 19. Jahrhundert als Ort kultureller Erinnerungen der gesamten deutschen Nation entdeckt: das Fest der Burschenschaften 1817, die Wiederherstellung der Wartburg 1838-1890, das Erinnern an die Bedeutung Martin Luthers und Johann Sebastian Bach für die Stadt sind nur einige Beispiele dafür. Auch in der Architektur spiegelt sich das 19. Jahrhundert in einer vielfältigen Formensprache wider. Viele der in diesem Jahrhundert wieder entdeckten, im Baustil der Zeit angepassten oder neu errichteten Häuser stehen im Mittelpunkt des Tages des offenen Denkmals 2011 in Eisenach.

Die Serie spiegelt lediglich die Geschichte dieser Orte wider und beinhaltet keinerlei Wertung. Die folgende Serie soll die Bürgerinnen und Bürger neugierig machen auf den „Tag des offenen Denkmals“ am 11. September 2011.

Teil 1 – Romantisches Eisenach: Ein Blick von Nordosten auf die Stadt

Diese romantische Ansicht Eisenachs zeigt die Stadt um 1860. Sie stammt vom damaligen Burghauptmann der Wartburg, Bernhard von Arnswald, und ist im Verlag von A.H. Payne, Dresden/Leipzig erschienen.
In keinem anderen Bild der Stadt tritt das für das 19. Jahrhundert so typische Spannungsfeld zwischen Beharrung und Modernisierung deutlicher hervor. Im Vordergrund ist das Symbol des Aufbruchs in die Moderne zu sehen - der 1847 errichtete Bahnhof. Er ist Sinnbild für Bewegung und Fortschritt. Seine bauliche Gestalt geht in ihren Ausmaßen weit über das hinaus, was bis dahin das noch eher mittelalterlich geprägte Eisenach zu bieten hatte. Hell und klar hebt er sich vom dunklen Hintergrund der Landschaft ab. Darüber aber ein anderer Symbolort. Obwohl idealisiert dargestellt, verkörpert die Wartburg auf diesem Stich Geschichte, Tradition und Beharrungsvermögen. Beides - der verklärende, romantisierende Blick in die Vergangenheit einerseits, und der unbändige Fortschrittsgedanke andererseits - ist nicht nur typisch für das 19. Jahrhundert. Es ist ebenso bezeichnend für die Geschichte Eisenachs in der Zeit zwischen 1850 und 1914. Ob sich Bernhard von Arnswald dieser tiefen Symbolik seines Bildes bewusst gewesen ist, weiß man nicht.


Zum Denkmaltag am 11. September werden auf der Wartburg unter der Überschrift „Die Wiederherstellung der Wartburg im 19. Jahrhundert“ um 17, 18 und 19 Uhr Führungen und Informationen angeboten. Treffpunkt ist in der zweiten Torhalle.

Teil 2 – Spuren des Klassizismus: die Alte Posthalterei

Ein für das frühe 19. Jahrhundert typische Gebäude ist das Haus Georgenstraße 52, besser bekannt als „Alte Posthalterei“. Es ist eines der wenigen rein klassizistischen Bauwerke in Eisenach. Der Mittelteil der Fassade wird vom Haupteingang geprägt, der von dorischen Säulen umrahmt ist. Innenarchitektonisch bedeutsam sind die Stuckdecken sowie das Treppengeländer aus schmalen Holzstäben, die von Palmetten bekrönt werden.
1819 hatten die Poststallmeister Jungherr und Pfennig das Haus unmittelbar an der Stadtmauer neben dem Georgentor errichtet. Zuvor befand sich an diesem Platz der „Hessenhof“. Er hatte zunächst dem Kloster Hersfeld, dann den hessischen Landgrafen gehört.
Im Jahr 1908 erwarb die Stadt Eisenach das Haus und brachte hier die Realschule unter. Allerdings wurde der östliche Flügel des Gebäudes verkürzt, um mehr Verkehrsraum zur Hospitalstraße hin zu gewinnen. Seit Mitte 1920er Jahre war in dem Gebäude die städtische Mädchenberufsschule beheimatet. Nach dem Krieg waren Teile der städtischen Berufsschule in der „Alten Posthalterei“ untergebracht, ehe im Jahr 1951 die Hilfsschule „Pestalozzi“ hier ihr Domizil fand. Als sie im März 1981 in ein neues Gebäude im Palmental zog, fanden verschiedene Behörden hier Aufnahme. Nach 1990 kamen zunächst Parteien und Organisationen, beispielsweise die AWO, hier unter. Auch die Eisenacher Zeichenschule war kurzzeitig hier beheimatet. Diskutiert wurde dann der Ausbau zu einem städtischen Kulturzentrum. Seit November 1995 schließlich beherbergt der klassizistische Bau das städtische Kinder- und Jugendzentrum, das in seinem Namen die alte Gebäudebezeichnung wieder aufgenommen hat. Verschiedene Vereine und Einrichtungen nutzen ebenfalls die Räume der „Alten Posthalterei“.


In der „Alten Posthalterei“ wird zum Denkmaltag am 11. September von 14 Uhr bis 17 Uhr ein buntes Kinderprogramm angeboten.

Teil 3 - Eine Stadt der Schulen: Die Georgenschule am Markt

Der erste Schulzweckbau in Eisenach wurden 1823 bis 1825 errichtet. Bis dahin bestanden sieben so genannte deutsche Schulen mit schlechten Lernbedingungen. Der schlichte klassizistische Neubau ging auf Pläne des Großherzoglichen Oberbaudirektors Clemens Wenzeslaus von Coudray zurück. Am 3. September 1825, dem 50. Regierungsjubiläum des Großherzogs Carl August, bezogen mehr als 800 Schüler ihr neues Domizil. Die Bürgerschule wurde 1834 Realschule und erhielt später den Status eines Realgymnasiums, dessen prominentester Schüler Ernst Abbe war.

Im Laufe der Jahrzehnte wandelten sich zwar die schulischen Strukturen, doch der Nutzungszweck dieses repräsentativen Gebäudes am Markt blieb stets der gleiche. Nach dem Ersten Weltkrieg diente die damals bereits „Georgenschule“ genannte Einrichtung berufsschulischen Zwecken.

In den 1950er Jahren verlagerte sich die Berufsschulausbildung mehr und mehr in die ortsansässigen Betriebe. Die damit frei werdenden Räume der Georgenschule belegte deshalb die am 1. September 1962 eröffnete 7. Polytechnische Oberschule, die 1984 den Namen „Rudi-Arnstadt-Schule“ erhielt. Bereits 1981 wurde das markante Gebäude zum Denkmal erklärt, wobei das historische Kellergewölbe besondere Berücksichtigung fand.
1991 schließlich bezieht die 3. Staatliche Grundschule das Haus, welches seit 3. Juni 1992 offiziell den Namen „Georgenschule“ trägt.


Zum Denkmaltag am 11. September werden in der Georgenschule am Markt 13 von 14 bis 16 Uhr Führungen angeboten – ebenso 16 Uhr im Ernst-Abbe-Gymnasium (Haus II) am Theaterplatz 6,
15 Uhr in der Goetheschule am Pfarrberg 1 und jeweils 10, 12, 14 und 16 Uhr in der Geschwister-Scholl-Schule in der Katharinenstraße 150.

Teil 4 – Die höhere Bildung: Volkshochschule in der Schmelzerstraße 19

Seit mehr als einem Jahrhundert betrachtet sich Eisenach auch als eine Stadt der Schulen. Insbesondere das 19. Jahrhundert, das immer breiteren Schichten der Gesellschaft Zugang zu einer Allgemeinbildung ermöglichte, brachte in der Stadt mehrere Schulneubauten hervor. So beispielsweise das Haus in der Schmelzerstraße 19. Im Frühjahr 1862 bezog das 1843 gegründete Realgymnasium den für ihn errichteten Neubau. Sechzig Jahre später, 1922, erfolgte der Umzug der jetzt Ernst-Abbe-Gymnasium genannten Schule in einen Neubau an der Wartburgallee. Im Haus Schmelzerstraße 19 kam nun die so genannte Deutsche Aufbauschule unter - ein Schultyp, den es heute nicht mehr gibt. Sie bestand bis 1947. Im gleichen Jahr zog die Kaufmännische Berufs- und Wirtschaftsschule hier ein. Mehr als ein halbes Jahrhundert blieb sie in diesem Gebäude, das 1992 saniert wurde. Kurzzeitig diskutierte man 1997 die Idee, hier die für Eisenach vorgesehene Berufsakademie unterzubringen, doch erwies sich das Haus dafür als zu klein. Als die Berufsschule schließlich im Jahr 2000 ihr neues Domizil im Palmental fand, verlegte man den Sitz der Medizinischen Fachschule hierher, die sich vorher in der Philipp-Kühner-Straße befunden hatte. Eine lange Dauer war der Mefa hier jedoch nicht beschieden; sie zog 2006 in die frühere 8. Regelschule in Eisenach-Nord. Gleichzeitig siedelte die Volkshochschule, vormals in der einstigen katholischen Schule neben der Elisabethkirche beheimatet, in die Schmelzerstraße 19. Viele Schultypen und vor allem viele Schüler hat also das Haus im Lauf seines Bestehens gesehen.


Zum Denkmaltag am 11. September werden im einstigen Großherzoglichen Realgymnasium in der Schmelzerstraße 19, der heutigen Eisenacher Volkshochschule, von 16 bis 17 Uhr Führungen angeboten.

Teil 5 – Ein Ort der Erinnerung: Der neue Friedhof am Wartenberg

Obwohl meist verdrängt, gehört der Tod zum Leben des Menschen. Um mit dem Sterben und Abschiednehmen besser umgehen zu können, schuf sich der Mensch Symbolorte, Orte der Erinnerung, Plätze der Auseinandersetzung mit dem Tod. Diese sind bis heute die Friedhöfe. Zwar reichen sie in ihrer Tradition sehr viel weiter zurück, doch offenbarte das 19. Jahrhundert wie keines zuvor die Notwendigkeit eines neuen Umgangs mit dem Tod. Die Zahl der Eisenacher Stadtbewohner stieg von etwa 10.000 im Jahr 1850 auf knapp 32.000 ein halbes Jahrhundert später. Eine Konsequenz aus diesem Bevölkerungswachstum: Es starben auch viel mehr Menschen. Doch wohin mit den Toten? Schon früh wurden sich die Stadtväter dieses Problems bewusst. Weit ab von den bisherigen Stadtgrenzen, im Norden Eisenachs, legten sie einen neuen Gottesacker an, der überdies ein entsprechendes Areal für eine Erweiterung bereit hielt. 1868 fanden hier die ersten Toten ihre letzte Ruhe. Und noch etwas ist typisch für den veränderten Umgang mit dem Tod. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb die Feuerbestattung die Ausnahme. Dann aber griff ein rationaler Gedanke um sich. Um der Nachwelt nicht über Gebühr zur Last zu fallen, entschieden sich immer mehr Menschen für diese weniger Platz beanspruchende Form der Bestattung. Auch daran hatten die Stadtväter gedacht, als sie 1898 ein modernes Krematorium auf dem Friedhof errichten ließen. Dieser neogotische Bau geht auf den Berliner Architekten Otto March zurück, der auch für den 1898 bis 1902 errichteten Turm der Georgenkirche verantwortlich zeichnete.


Zum Denkmaltag am 11. September ist der Eisenacher Hauptfriedhof am Wartenberg von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Eine Ausstellung mit dem Titel: „Zum Umgang mit historischen Friedhöfen“ kann von 14 bis 15.30 Uhr in der Friedhofsverwaltung besichtigt werden. Außerdem wird 15.30 Uhr eine Führung auf dem Friedhofsareal angeboten. Treffpunkt ist an der Friedhofskapelle.

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