3.11.10 15:39

Eisenach ist die erste Stadt Thüringens mit einer CO2-Bilanz

Eisenach ist die erste Stadt in Thüringen, die eine umfassende CO2-Bilanz vorlegen kann. Aus ihr geht hervor, wieviel des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid in der Stadt produziert wird und wer es produziert. Daraus wiederum kann abgeleitet werden, wo und wie Maßnahmen zur Reduzierung des Ausstoßes möglich sind. Vorgestellt wurde die CO2-Bilanz heute (3. November) bei einer öffentlichen Veranstaltung im Eisenacher Rathaus.

Für die Bilanz, die das Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz GmbH (ThINK) mit Sitz in Jena erstellt hat, wurde der Zeitraum von 2000 bis 2008 betrachtet. In der Stadt Eisenach wurden demnach 2008 rund 469.520 Tonnen CO2 ausgestoßen. Pro Jahr und pro Einwohner ergibt sich so eine CO2-Emission von 10,9 Tonnen. Das ist trotz einer von Industrie geprägten Wirtschaft deutlich weniger CO2 als der Durchschnitt vergleichbarer Städte.

In dem Papier, das es unter www.eisenach.de/klimaschutz auch zum Herunterladen gibt, gibt es weitere interessante Zahlen zu entdecken. Für das Jahr 2008 wurde beispielsweise ein Energieverbrauch von rund 34.000 Kilowattstunden (kWh) pro Person ermittelt. Diese Zahl liegt ebenfalls deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von rund 45.000 kWh.
Dennoch geben private Haushalte in Eisenach pro Jahr immer noch rund 44 Millionen Euro für Energie aus. Hier gibt es noch Einsparpotenzial.
Überraschend ist auch der unerwartet geringe Anteil der Eisenacher Großbetriebe an den CO2-Emissionen in der Wirtschaft. Insgesamt stammen 52 Prozent des CO2-Ausstosses der Stadt von der Wirtschaft. Rund 75 Prozent dieser Emissionen stammen wiederum aus kleineren und mittleren Unternehmen.

Aus der Bilanz lassen sich nun Handlungsfelder für einen verbesserten Klimaschutz in Eisenach ableiten. Im Vordergrund stehen dabei der Wohnungsbau und die Gebäudesanierung, der Straßenverkehr, die Wirtschaft sowie der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien.

Das besondere an der Eisenacher CO2-Bilanz ist überdies, dass sie standardisiert ist. Die Erhebungsmethode ist damit auch auf andere Städte übertragbar. Verwendet hat die Firma ThINK dafür ein Programm namens „ECORegion“ der Schweizer Firma ECOSPEED.

Die Stadt Eisenach bedankt sich bei den Sponsoren, die die CO2-Studie erst ermöglicht haben: die Eisenacher Versorgungsbetriebe (EVB), die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWG) und die Allgemeine Wohnungsbaugenossenschaft (AWG).
Seit mehreren Jahren engagiert sich Eisenach für den kommunalen Klimaschutz u.a. mit einem städtischen Energiekonzept. Ziel ist neben der Vermeidung von klimaschädlichen Treibhausgasen vor allem die Steigerung regionaler Wertschöpfung beim Handwerk sowie die Reduzierung von Energiekosten bei Haushalten und Gewerbe.

Die CO2-Bilanz wurde erstellt im Rahmen des Modellprojekts „Klimaschutz in Kommunen“, in dem Eisenach eine von bundesweit drei teilnehmenden Städten ist. Ziel dieses Projektes ist es, auf lokaler Ebene Möglichkeiten zu suchen um Energie zu sparen und natürliche Ressourcen zu schonen.
Die Fachhochschule Erfurt (FHE) hat die Modellkommunen Rheinberg (Nordrhein-Westfalen), Darmstadt (Hessen) und Eisenach ausgewählt, um sie ökologisch und nachhaltig zu gestalten. Das Projekt dauert drei Jahre und startete am 1. Februar 2008. Zusammen mit dem Büro für zukunftsfähige Regionalentwicklung (BzR) in Hattingen entwickelt die FH Erfurt in den Städten ein nachhaltiges Energiemanagement zur Vermeidung von Kohlendioxid (CO2). Mindestens um 30 Prozent solle sich der CO2-Ausstoß in den Modellstädten bis 2020 – im Vergleich zu 1990 – verringern, beispielsweise durch vermehrte Nutzung von Solarenergie oder Förderung energetischer Gebäudesanierung. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Vorhaben.

Zur Erstellung der CO2-Bilanz:
Für die Bilanz wurden statistische Daten ausgewertet - beispielsweise über die Bevölkerung, die Wirtschaftsstruktur, die Gebäude-Nutzung und deren Zustand sowie über Verkehrsströme. Diese Daten wurden in den Computer eingegeben. Das Programm ECORegion errechnete dann die CO2-Bilanz und macht gleichzeitig deutlich, wo die Sparpotentiale liegen.
Die in diesem Verfahren verwendete Methodik zur Messung des CO2-Ausstosses stammt vom „Klimabündnis der Europäischen Städte.

Die Software „ECO2-Region“ zur Energie- und CO2-Bilanzierung:
Das Klima-Bündnis der Europäischen Städte und die Bundesgeschäftsstelle des European Energy Award (eea) haben gemeinsam mit der Schweizer Firma Ecospeed eine einheitliche Methodik und Vorgehensweise für die kommunale Energie- und CO2-Grob-Bilanzierung in Deutschland entwickelt.
Die  internetbasierte Software ECO2Regionsmart DE bietet mehrere Vorteile:
- Abschätzung der Größenordnung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen nach Eingabe von Bevölkerungszahl und Wirtschaftsstruktur (Beschäftigtenzahlen in den einzelnen Branchen),
- Reduzierung des zeitlichen und finanziellen Aufwandes zur Bilanzierung. Dies ermöglicht auch kleineren Kommunen die Anwendung
- Möglichkeit der gemeinsamen Datenauswertung mehrerer Kommunen, z. B. auf Landkreisebene,
- Möglichkeit zur regelmäßigen Bilanzierung ohne methodische Brüche,
- Bilanzerstellung kann durch mehrere Personen und Projektübergabe mit geringem Aufwand erfolgen,
- Veränderung von Bilanzen vergangener Jahre bei nachträglicher Verbesserung der Datenlage mit geringem Aufwand möglich,
- Vergleichsmöglichkeiten für Bilanzen verschiedener Kommunen,
- Monitoring der Selbstverpflichtung zur CO2-Minderung im Klima-Bündnis.

Die Software ermöglicht die Bilanzierung auch bei unvollständiger Kenntnis der lokalen bzw. regionalen Daten. Die lokale Aussagekraft der Bilanzierung kann allerdings nur durch die Verfügbarkeit lokaler Daten mit möglichst hoher Güte gesteigert werden. Das Problem der Datenverfügbarkeit kann durch die Software nicht gelöst werden. Die gemeinsame Verwendung derselben Software ermöglicht aber auch eine weitgehende Vereinheitlichung der Datenerhebung. Darüber hinaus können die nötigen Informationen und gesetzlichen Voraussetzungen für eine bessere Datenverfügbarkeit im Laufe der Zeit gemeinsam eingefordert werden.

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