Fritz Reuter und Eisenach

Fritz Reuter zog 1863 mit seiner Frau Luise nach Eisenach. Der 52jährige Schriftsteller hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein sehr bewegtes Leben hinter sich - abgebrochenes Jurastudium, unmenschliche Festungshaft wegen Zugehörigkeit zu den demokratisch gesinnten Burschenschaften, Enterbung durch den Vater und Lehr- und Wanderjahre in Mecklenburg.
Dennoch schaffte er Mitte der 1850er Jahr den literarischen Durchbruch und damit den gesellschaftlichen Aufstieg. Seine Bücher “Ut de Franzosentid”, “Ut mine Festungstid”, “Ut mine Stromtid” waren sämtlich in Niederdeutsch verfasst und dennoch wurde Reuter für seine große Leserschaft mehr als ein berühmter Dichter - er wurde Ihnen zum Leitbild, zum Volksdichter und erhielt 1863 - im Jahr seines Umzugs nach Eisenach - sogar die Ehrendoktorwürde der Uni Rostock.

 

Von 1866 bis 1868 ließen sich Fritz und Luise Reuter hier eine Villa am Fuße der Wartburg erbauen. Diese Villa wurde von dem Architekten Ludwig Bohnstedt im Stil der Neorenaissance erbaut. Sie sollte auf Wunsch Reuters das getreue Abbild einer römischen Villa sein, auch der Garten wurde aufwendig gestaltet.
Hier lebte Reuter bis zu seinem Tode am 12. Juli 1874.

 

In Eisenach arbeitete Reuter weiter schriftstellerisch. So beendete er hier den letzten Teil der “Stromtid”, schilderte seine Orientreise (“De Reis‘ nah Konstantinopel”) und schrieb die Satire “Dorchläuchting”.

 

In seiner Villa empfing er auch bekannte Persönlichkeiten wie Gustav Freytag, Hoffmann von Fallersleben und Paul Heyse. Im Sommer 1873 kam auch der berühmte Märchendichter Hans Christian Andersen vorbei. Belegt ist sein Besuch durch Andersens Visitenkarte, die er hinterließ und durch einen Eintrag in Reuters Gästebuch: “Das Leben ist das schönste Märchen” schrieb Andersen.

 

In seinen elf Jahren in der Wartburgstadt ist Fritz Reuter Mecklenburger Schriftsteller geblieben und angesehener Eisenacher Bürger geworden. Am 15. Juli 1874 wurde er unter großer Anteilnahme der Eisenacher Bevölkerung auf dem Eisenacher Friedhof beigesetzt. Als im Jahre 1894 Reuters Frau Luise starb, wurde sie ebenfalls in dem klassizistischen Grabmal auf dem Hauptfriedhof beigesetzt.


Die Villa fiel laut Testament der Schiller-Stiftung zu. Ein Jahr später kaufte sie die Stadt Eisenach und richtete ein Museum für den niederdeutschen Dichter ein.

Heute ist das Eisenacher Reuter-Haus neben dem Fritz-Reuter-Literaturmuseum im Geburtshaus in Stavenhagen das bedeutendste Reuter-Museum. In der Beletage des Gebäudes sind die Räume mit originalem Mobiliar aus Reuters Zeiten zu besichtigen. Dem Museum gehören Handschriften, Bilder und die Bibliothek von Reuter. Im ebenfalls erhaltenen Salon finden heute regelmäßig Veranstaltungen aller Art - Konzerte, Lesungen, Vorträge und mehr. Auch kann man sich im malerischen Ambiente der Reuter-Villa standesamtlich trauen lassen.

 

In der Villa befindet sich überdies die nach Bayreuth umfangreichste Richard-Wagner-Sammlung, die bereits 1897 eröffnet wurde. Die Sammlung geht zurück auf den Österreicher Nikolaus Oesterlein (1841—1898), der ein glühender Wagner-Verehrer war. 1895 kaufte die Stadt Eisenach seine Sammlung mit rund 20.000 Wagneriana, die seitdem in der Reuter-Villa gezeigt wird.

 

Die Reuter-Villa ist heute ein Museum

 

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