Luther, Bach, Telemann und Eisenach

Martin Luther, Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann stehen für die enge Verbindung von Reformation und Musik. Alle drei haben eine sehr intensive Beziehung zu Eisenach. Bis heute sind in der Stadt viele der Orte erhalten, an denen sie lebten und wirkten.

Kanzel und Taufstein in der Georgenkirche: hier predigte Luther, wurde Bach getauft

Martin Luther besuchte von 1498 bis 1501 die Eisenacher Lateinschule und war Gast der Patrizierfamilie Cotta (heute findet sich in deren Haus das Lutherhaus). Als kleiner Junge zog er mit der „Kurrende“, einem Knabenchor, singend von Haus zu Haus, um etwas Geld zu verdienen.
1521 predigte Luther auf der Hin- und Rückreise vom Wormser Reichstag in der Georgenkirche.
Am 4. Mai 1521wurde er im Glasbachgrund bei Steinach (südlich von Eisenach) zum Schein gefangengenommen und blieb bis zum 1. März 1522 inkognito als „Junker Jörg“ auf der Wartburg. Hier übersetzte er das Neue Testament aus dem Griechischen Fassung in nur elf Wochen in die deutsche Sprache.
Als Luther 1529 zum Marburger Religionsgespräch reiste, machte er erneut in Eisenach Station. 1540 war er schließlich drei Wochen Gast des Superintendenten Justus Menius in dessen Haus am Pfarrberg.
Eisenach kommt unter den Luther-Städten eine bedeutende Rolle zu, nicht nur, weil der Reformator selbst von „meiner lieben Stadt“ sprach, sondern vor allem, weil Luthers Übersetzung des Neuen Testaments auf der Wartburg den Weg für eine einheitliche deutsche Sprache ebnete. Bis heute gehören viele der von Luther bei der Übersetzung verwendeten Worte zum sprichwörtlichen deutschen Sprachgut.
Luthers Spuren in Eisenach sind unter anderem zu finden auf der Wartburg, im Lutherhaus und in der Georgenkirche.

Luther war ein geübter Sänger und Lautenspieler und er maß der Musik - gleich nach der Theologie - einen hohen Stellenwert zu: „Musik ist die einzige Kunst, welche den Aufruhr in der Seele besänftigen kann. Sie gehört zu den herrlichsten und kostbarsten Gaben, die uns Gott geschenkt hat.“
In Bezug auf die Musik in der Kirche war sein Ziel eine aktivere Beteiligung der Gemeinde. So integrierte er deutsche Lieder in den Gottesdienstes. Dabei genügte es ihm nicht, den lateinischen Text ins Deutsche zu übersetzen. Die Musik mußte den Erfordernissen der Sprache der Menschen angepaßt werden, genau wie bei seiner Bibelübersetzung.
Auch in der Region um Eisenach gibt es Lutherstätten wie den Luthergrund (Nähe Steinbach) und Möhra – Stammort der Lutherfamilie mit Lutherkirche und Lutherdenkmal.

Bach-Denkmal am Frauenplan

Johann Sebastian Bach wurde am 21. März 1685 in Eisenach geboren. Zu dieser Zeit wurde in dem Städtchen bereits seit 20 Jahren auf "bachische" Weise musiziert. Mitglieder der Bach-Familie fungierten hier als Organisten, Kantoren, Hofmusiker, Stadtpfeifer, Ratsmusikanten und Instrumentenbauer und - wie Bachs Vater Johann Ambrosius - als Leiter der Stadtmusikkompanie.

Johann Sebastian Bach verbrachte seine ersten zehn Lebensjahre in Eisenach. Er besuchte hier die Lateinschule. Die musikalische Atmosphäre des Elternhauses, das hohe Niveau der öffentlichen Musik, aber auch die Musikerziehung in der Lateinschule waren prägend für seine persönliche Entwicklung. Johann Sebastian Bach blieb zeitlebens seiner Vaterstadt verbunden.

Im Bachhaus, dem weltweit ältesten Museum das Bach gewidmet ist, ist eine Ausstellung zum Lebensweg von Johann Sebastian Bach sowie eine Sammlung historischer Musikinstrumente, Möbel und Haushaltsgegenstände aus der Bach-Zeit zu sehen.

In der Georgenkirche wurde Johann Sebastian Bach am 23. März 1685 getauft - der originale Taufstein ist heute noch zu besichtigen.

Über 132 Jahre lang wirkten in der Stadtkirche am Marktplatz vier Generationen der Bachfamilie als Organisten.

Auf dem Alten Friedhof erinnert ein Gedenkstein an die letzte Ruhestätte zahlreicher Mitglieder der Familie Bach – darunter auch die Eltern von Johann Sebastian Bach.

Am Bachdenkmal vor dem Bachhaus findet zum Geburtstag von Johann Sebastian Bach am 21. März alljährlich eine große öffentliche Ehrung stattfindet. Auch die Musikschule "Johann Sebastian Bach" und der Eisenacher Bach-Chor zeigen, dass das Erbe des großen Musiker hier sehr lebendig ist.

Georg Philipp Telemann (

Georg Philipp Telemann (1681-1767) rückte erst spät wieder ins öffentliche Bewußtsein. Dabei war er zu Lebzeiten berühmter war als Bach! Er wirkte in Eisenach als Konzert- und später als Hofkapellmeister. Mittlerweile ist darüber mehr bekannt, nicht zuletzt wegen der Telemann-Tage, die seit 1982 alle zwei Jahre in Eisenach stattfinden.
Der 27jährige Telemann kam Anfang Dezember 1708 nach Eisenach. Er avancierte alsbald zum Kapellmeister. 1709 heiratete er hier. In seiner Eisenacher Zeit entstanden viele Werke der Instrumental- und Kirchenmusik, die stilprägend wurden für das Musikleben Europas. Auch als er 1712 die Stadt verließ, komponierte er weiter komplette Kantaten-Jahrgänge in unterschiedlichen Stilrichtungen, die dann in der Georgenkirche uraufgeführt wurden. Eisenach kann damit als Wiege der neueren protestantischen Kirchenkantate gelten.
Am besten kann Telemann selbst bekunden, was seine Zeit in Eisenach für ihn bedeutete. Er schrieb: "Anjetzo befinde mich in Eisenach / welches ich wohl die hohe Schule nennen kann / worinnen ich nicht allein in verschiedenen zur Music gehörigen Sachen zu einer wahren soliditaet kommen / sondern auch im Christenthume ein gantz anderer Mensch worden bin."
Der Komponist wohnte seinerzeit auf der Südseite der Unteren Predigergasse. Eine Gedenktafel ist am Gebäude der Post zu sehen. Telemanns Arbeitsstellen waren das damalige Schloss –  wo heute die Esplanade ist - und die Georgenkirche. Telemanns Werke - auch die aus seiner Eisenacher Zeit - sind regelmäßig in Eisenach zu hören teils an Original-Aufführungsorten wie in der Georgenkirche oder im Saal im Schloß Wilhelmsthal.

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