

„Von Mützen, Mänteln und Miedern – Schätze aus dem Trachtenbestand des Thüringer Museums Eisenach“ ist der Titel einer neuen Sonderausstellung des Thüringer Museums Eisenach, die am Samstag, 26. November im Marstall des Stadtschlosses eröffnet wird. Zur Eröffnung um 17 Uhr sprechen Bürgermeisterin Ute Lieske, Museumsdirektorin Désirée Baur sowie Dr. des. Anja Mede-Schelenz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Den musiklaischen Rahmen der Eröffnung gestaltet das Ensemble „Spätlese“ aus Mihla.
Präsentiert werden Trachten und Trachtenteile sowie Hofkleidung und bürgerliche Gewänder aus dem reichhaltigen Textilfundus des Thüringer Museums. Seit der Museumsgründung 1899 gaben Thüringer Familien immer wieder Kleidungsstücke an das Museum, die sie nicht mehr verwendeten. Sie hatten ausgedient, waren aus der Mode gekommen, stammten aus der Zeit der Altvorderen und waren „museumsreif“ geworden.
Die Textilsammlung des Museums ist im Laufe des 20. Jahrhunderts gewachsen und so können neben einigen Thüringer Trachten aus der Zeit der überregional bekannten Trachtenforscherin Luise Gerbing auch Kleidungsstücke gezeigt werden, die im 18. Jahrhundert am Hofe und im 19. Jahrhundert von Mitgliedern des aufstrebenden Bürgertums getragen wurden.
Das Thüringer Museum möchte in dieser Sonderausstellung mit einigen ausgewählten Kostbarkeiten auf den reichen Fundus seiner Trachten-Sammlung aufmerksam machen. Zudem wird beschrieben, was in den kommenden Jahren unternommen werden muss, um den Erhalt der historischen Textilien zu sichern, denn für viele Stücke besteht dringender Restaurierungsbedarf.
Das Bewahren von Textilien gehört für Museen zu den schwierigsten und anspruchsvollsten Aufgaben, da Textilien großen Gefährdungen (z.B. Motten) ausgesetzt sind. In der Ausstellung werden erste gelungene Restaurierungsergebnisse vorgestellt, die in den vergangenen Jahren von Studierenden der Fachhochschule Köln, Fachbereich Restaurierung erzielt wurden. Weitere Kooperationen sind geplant.
Erste Trachtenausstellung 1910 in Eisenach
Es waren gerade die Trachten, die von Beginn an großen Zuspruch erhielten. So wurde beispielsweise auf die erste Ausstellung im Jahr 1910 in der Eisenacher Zeitung wie folgt aufmerksam gemacht: „Das Kuratorium des Thüringer Museums in der alten Dominikanerkirche ist eifrig bestrebt, dem Publikum immer Neues vor Augen zu führen und so hat es auch jetzt wieder eine Sonderausstellung veranstaltet, die des weiteren Interesses sicher sein dürfte [...] so zeigt sich unseren Blicken eine stattliche Versammlung Altthüringens in ihren malerischen Trachten.“
Diese erste Ausstellung wurde von der Trachtenforscherin Luise Gerbing (1855 – 1927) initiiert und auch selbst kuratiert. Ihr war es gelungen 60 vollständige Trachten von Leihgebern zusammenzutragen; auch hatte sie aus ihrem eigenen Fundus Stücke hinzugefügt. 1925 gab sie das Buch „Die Thüringer Trachten“ heraus – bis heute ein unerreichtes Standardwerk zu diesem Thema.
An Luise Gerbing erinnern in der Ausstellung einige Stücke, die sie nach 1910 dem Museum übergab. Darunter befinden sich eine Jacke aus der Gegend um Hildburghausen und ein Rock aus Ruhla.
Weitere Partner für Patenschaften gesucht
In den letzten Jahrzehnten sind viele Trachtenteile und andere textile Objekte dem Museum geschenkt worden, auch jetzt in Vorbereitung der Ausstellung. Allen sei dafür herzlich gedankt. Kooperationspartner der Ausstellung sind das Kulturamt Eisenach und der Lehrstuhl für Volkskunde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Hauptsponsoren sind das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und die Wartburg-Sparkasse Eisenach. Für die notwendigen Restaurierungen haben bereits einige Privatleute, Vereine und Gewerbetreibe erste Patenschaften übernommen. Weitere werden gesucht.
Die Ausstellung „Von Mützen, Mänteln und Miedern – Schätze aus dem Trachtenbestand des Thüringer Museums Eisenach“ ist vom 27. November 2011 bis zum 15. April 2012 im Marstall des Eisenacher Stadtschlosses am Markt zu sehen. Das Museum ist geöffnet: montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr.