Teezimmer im Kartausgarten

Das Teezimmer, ein kleiner ebenerdiger Salon im klassizistischen Gärtnerhaus, liegt inmitten des idyllischen Kartausgarten im Süden der Stadt Eisenach. Kostbare französische Tapetenbilder mit Motiven des Märchens Amor und Psyche schmücken eine Wand. Wann genau der wertvolle Wandschmuck in das 1825 errichtete Gärtnerhaus gelangte, dessen einzig originales Schmuckelement die Stuckrosette der Decke ist, entzieht sich bis heute unserer Kenntnis.

"Amor und Psyche" ist das einzige Märchen, das aus dem griechisch-römischen Altertum überliefert wurde. Es handelt von der unvergleichlich schönen Königstochter Psyche, der sich Amor, Sohn der Venus, in Liebe verbindet. Amor und Psyche heiraten und bekommen eine Tochter namens Freude.

Durch den römischen Dichter, Philosophen und Redner Apuleius (138 - 161) hat dieses Märchen sein eigenes, unverwechselbares Gesicht erhalten. Es stammt aus seinem Hauptwerk "Metamorphosen" und ist das wertvollste und zugleich bleibendste, das überliefert wurde. Nicht zuletzt deshalb, da es seit der Antike immer wieder aufs neue Maler und Bildhauer beschäftigte.

Das Märchen enthält alle Elemente, auf die das Grundmotiv der Romantik zurückgeführt werden kann. Scheinbare Harmonie wird durch unheilvolle Erregung gestört, und es vollzieht sich ein fortgesetztes Schwanken zwischen höchster Erfüllung und tiefster Verzweiflung, bis die erhoffte Lösung durch eine höhere Einsicht erlangt ist. Daher verwundert es nicht, daß dieses Märchen im 19. Jahrhundert Bildhauer und Maler wie Canova, Thorwaldsen, Begas, Kaulbach und den Lieblingsmaler der deutschen Romantik, Moritz von Schwind, in den Bann gezogen hat.

Die Eisenacher klassizistischen Tapeten wurden von den beiden Franzosen Lafitte und Blondel entworfen und sind erstmals 1816 in der Pariser Werkstatt des Joseph Defour handgedruckt worden und zwar unter Verwendung von etwa 1450 Formen. Bald wurden sie bekannt und beliebt und zur Ausstattung französischer und deutscher Schlösser des öfteren neu gedruckt, zunächst in braun, später in grauen Farbtönen.

Etwa ab 1830 ist die Tapete auf fortlaufende Papierrollen gedruckt worden. In dieser Zeit dürfte auch die Entstehung der 12 großformatigen hiesigen Tapetenbilder liegen.

Ihre erste Restaurierung erfolgte in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In den 50er Jahren wurden die Tapetenbilder seitens des Thüringer Museums vor dem durch Feuerschäden bedingten Verfall gerettet, indem die bis dahin auf die Wand aufgeklebten Bildtapeten auf Leinwand aufgezogen und auf Keilrahmen gespannt wurden. Ab Sommer 1959 konnten die Eisenacher und ihre Gäste das renovierte Teezimmer mit den wertvollen klassizistischen Tapeten bis zum Jahre 1992 besichtigen.
Nach mehr als drei Jahrzehnten machte sich erneut eine mehrjährige Restaurierung der Tapetenbilder sowie umfassende bauliche, bau- und sicherheitstechnische Arbeiten notwendig. Im September des Jahres 1998 konnten die Arbeiten abgeschlossen werden und das Teezimmer erwartet seither wieder seine Gäste.

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