"AURA. Thüringens stille Kraft"

Im Thüringer Museum zeigt die Stadt Eisenach in diesem Jahr eine besondere Ausstellung mit dem Titel „AURA. Thüringens stille Kraft – Mittelalterliche Holzskulpturen“. Die Exposition ist ein fotokünstlerisches und kulturwissenschaftliches Projekt des Eisenacher Fotografen Ulrich Kneise und der Volkskundlerin Dr. Juliane Stückrad.

 

Ziel der Ausstellung ist es, die Kunstwerke der mittelalterlichen Schnitzplastik einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Zudem wollen die Autoren der Ausstellung den wertvollen Bestand der Eisenacher Sammlung auch im Kontext mit Werken darstellen, die sich thüringenweit in Kirchen und Museen befinden. Die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum bieten eine hervorragende Chance, dieses historische Erbe in moderner Form neu zu betrachten, vorzustellen und für dessen Pflege zu werben. Die Ausstellung wird vom Freistaat Thüringen gefördert.

 

Ausgangspunkt der Fotografien in der Sonderausstellung sind ausgesuchte Objekte aus dem Bestand der Sammlung Mittelalterliche Schnitzkunst des Thüringer Museums. Die großformatigen Fotografien lenken den Blick des Betrachters auf Details, die an den Originalen leicht übersehen werden könnten. Gleichzeitig soll damit die Neugier auf die Fremdheit, Sinnlichkeit und Schönheit der mittelalterlichen Kunst geweckt werden.

 

Gegliedert in mehrere Bereiche reflektiert die Ausstellung sowohl die Geschichte der Sammlung, die einstige Funktion der Bildwerke wie auch die Schnitzkunst in Thüringer Werkstätten, in denen die meisten der sakralen Bildwerke entstanden.

 

Begleitend zur fotografischen und textlichen Darstellung zeigt die Ausstellung rund 30 ausgewählte Skulpturen und Bildnisse der Sammlung. Diese wurden im Sommer von drei Studentinnen der Fachhochschule Erfurt gesäubert und für die Präsentation bearbeitet – unter fachlicher Anleitung von Dipl.-Restauratorin Christine Machate und Prof. Thomas Staemmler (FH Erfurt).

 

Noch immer besteht die verbreitete Meinung, dass die Protestanten im Zuge der Reformation Bildwerke aus den Kirchen entfernten oder gänzlich zerstörten. Andererseits sind jedoch in den evangelisch-lutherischen Kirchen mittelalterliche Kunstwerke in großer Zahl erhalten geblieben. Bekannt ist, dass Martin Luther zwar die Anbetung der Heiligen ablehnte, nicht aber grundlegend ihre bildliche Darstellung. Diese half, die biblische Geschichte sowie Glaubensinhalte den damals weitgehend leseunkundigen Bürgern zu vermitteln. Heute helfen uns die Bildwerke, die damalige Glaubenspraxis zu verstehen. Sie vermitteln uns ein Bild vom Alltag der vorreformatorischen Zeit, denn viele Details übernahmen die Bildschnitzer aus dem Lebensalltag der Menschen.