Sanierung Prinzenteich

Veranlassung der Planung und Ausgangslage

Die Stadtverwaltung Eisenach plant die Ertüchtigung der Stauanlagen im Ein- und Auslaufbereich sowie die Instandsetzung bzw. bauliche Veränderung der Uferbefestigungen des Prinzenteiches im Rahmen eines Gesamtkonzeptes. Mit der Erstellung des Konzeptes wurde im Januar 2019 das Büro für Grün- und Landschaftsplanung beauftragt.


Ende 2018 erfolgte durch die Stadt Eisenach das Ablassen des Prinzenteiches sowie die Entwässerung als Vorbereitung einer Entschlammung. Hintergrund der Maßnahmen war der dramatisch sinkende Wasserstand im Gewässer sowie in den Sommermonaten eine immer wieder auftretende Massenentwicklung von Wasserpflanzen. Bei Untersuchungen der Anlagen zur Wasserstandsregulierung war durch Vertreter der Stadtverwaltung Eisenach (Amt für Tiefbau und Grünflächen) festgestellt worden, dass sowohl die Mönchbauwerke als auch die angeschlossenen Rohrleitungen massive Schäden aufweisen. Bedingt durch einen Rohreinbruch der Ablaufleitung DN 600 und durch erhebliche Undichtheiten in der Ufermauer unterhalb des Bootsstegs wurden Teilbereiche unter der Biergartenterrasse ausgespült. Infolge der Trockenheit im vergangenen Jahr und hierdurch hervorgerufenen Ausfall des Zulaufs (Trockenfallen des Marienbachs) wurden die Undichtheiten durch Nachsacken des Untergrunds vermutlich noch verstärkt, sodass nach wiedereintretendem Zulauf die reguläre Stauhöhe im Prinzenteich nicht mehr erreicht werden konnte.


Der im Eisenacher Südviertel gelegene Prinzenteich ist ein vom Marienbach gespeistes künstlich angelegtes Stillgewässer mit einer besonderen historischen Bedeutung für die Stadt. Auf der im Mittelalter noch als Gänserasen bezeichneten sumpfigen Auenwiese des Marientales am Rande des städtischen Siedlungsbereiches war 1854 von der Stadtverwaltung die Anlage eines Löschwasserteiches vorgesehen gewesen. Zu dieser Zeit lebte Helene, Herzogin von Orleans in Eisenach im Exil. Die generöse mecklenburgische Fürstentochter unterstützte den Bau des Teiches mit Geldspenden. Ihre Söhne, die Prinzen, nutzten die Wasserfläche im Winter zum Schlittschuhlaufen, woher auch der Name Prinzenteich stammt. Mit der fortschreitenden Bebauung des vorderen Marientals wurde das Teichgelände durch die Anlage der Villenkolonie Marienhöhe eingerahmt und mit der Anlage einer Schwaneninsel im nördlichen Teil des Prinzenteiches und eines umlaufenden Promenadenweges weiter erschlossen. Später wurde noch ein Bootsverleih mit Imbiss angefügt. Die parallel zur heutigen B 19 ehemals verlaufende Eisenacher Straßenbahn erhielt eine Haltestelle „Prinzenteich“

 

Marienbach & Löbersbach

Der Marienbach ist bereits ca. 100 m oberhalb des Zulaufbereiches des Prinzenteiches verrohrt und fließt parallel zum Stillgewässer im Untergrund der parallel zur B 19 verlaufenden Promenade. Der Zulauf wird über ein Wehr mit Schützenanlage (Einlaufbauwerk) gesteuert. Zwei Ablassbauwerke/Überlaufbauwerke des Prinzenteiches befinden sich im Bereich des Cafés Prinzenteich. Der nordwestliche Überlauf entwässert derzeit in den Löbersbach direkt unterhalb des mit einem Eiprofil (1.200/800) verrohrten Marienbachs. Der südöstliche Auslauf des Prinzenteiches ist als Grundablass gestaltet und entwässert in den in einem gemauerten Gewölbe verlaufenden Löbersbach.


Der Löbersbach fließt seit 1880 vollständig unterirdisch. Er beginnt unterhalb des Prinzenteiches an der Ecke des Cafés Prinzenteich. Hier verändert sich die Dimensionierung der unterirdisch verlegten Rohrleitung bzw. gemauerten Profils, in dem das Gewässer fließt. In der Kurstraße mündet der Sengelsbach in den Löbersbach, welcher stromabwärts unter der Wartburgallee und der Löberstraße, weiter unter dem Karlsplatz entlang in Richtung Nikolaistraße verläuft und nach rund 1.600 Metern an der Uferstraße in den Mühlgraben mündet.

 

Der Marienbach / Löbersbach ist ein Gewässer II. Ordnung und befindet sich gemäß ThüWG in der Unterhaltungslast der Stadt Eisenach. Der im Oberlauf teils sehr naturnahe Gewässerabschnitt des Marienbaches entspringt im Thüringer Wald und durchfließt in einem spektakulären Kerbtal die touristisch bedeutsame Drachenschlucht.  
Eine weitere verrohrte Strecke des Marienbaches, oberhalb des Prinzenteiches (im Bereich des Parkplatzes am Prinzessinnenteich) wird derzeit über eine Sammelausgleichsmaßnahme renaturiert und freigelegt. Hierfür liegt ein hydrologisches Gutachten vor.

 

 

Geplante Maßnahmen

Schadenbeseitigung Rohreinbruch:

Der unterhöhlte Bereich der Biergartenterrasse am Café wurde im April 2019 im Auftrag der Stadtverwaltung Eisenach durch die Firma Hundhausen Bau Eisenach  freigelegt, die eingebrochene Ablaufleitung wurde provisorisch instandgesetzt und der Aufgrabungsbereich provisorisch verfüllt. Ggf. weiter vorhandene Unterhöhlungsbereiche unter der Terrasse sollen mit geeigneten Verfahren verfüllt werden.
Im Auftrag des Erbbauberechtigten des Cafégrundstücks Flurstück 6384/6 ist eine grundhafte Erneuerung des Bootssteges sowie die Instandsetzung der Ufermeuer zwischen den beiden bestehenden Mönchbauwerken erfolgen.


Ersatzneubau Staueinrichtungen und Rohrleitungen:
Das bisherige Ausleitungsbauwerk (DN 600) soll nach dem Verschluss und einer folgenden Verdämmung durch den Neubau einer Rohrleitung DN 600 und eines Mönchbauwerkes im Einlaufbereich ersetzt werden, da die bestehende Rohrleitung an mehreren Stellen eingebrochen ist. Zudem verläuft die Rohrleitung unter einer Fläche mit Erbbaurecht. Der Neubau soll aus eigentumsrechtlichen Gründen auf Flächen der Stadt Eisenach erfolgen. Das Mönchbauwerk soll in die Natursteinmauer integriert werden. Mönchbauwerke bieten den Vorteil, dass die Schlammfracht des Teiches durch eine geregelte Funktionsweise nicht in das verrohrte Gewässersystem des Löbersbaches gelangen kann, wodurch Verschlammungstendenzen in den Rohleitungen bzw. Mauergewölben minimiert werden können.

 

Im Bereich des Grundablasses ist ebenfalls eine Sanierung notwendig. Hier soll der Auslaufbereich zu einem zweiten Mönch umgebaut und die Rohrleitung im Gehwegbereich erneuert werden. Im Zuge der Verlegung der neuen Rohrleitungen sind Schachtarbeiten im Gehwegbereich vor dem Café Prinzenteich erforderlich.


Vortrocknung des Schlamms im Prinzenteich:
Nach dem Ablassen des Prinzenteiches erfolgte die Trockenlegung des Schlammes auf der Teichsohle. Die Entwässerungsgräben zur Vortrocknung und Volumenreduzierung des Schlamms wurden im Auftrag der Stadt Eisenach angelegt und wurden in der 09. KW 2019 fertiggestellt. Über diese soll der Schlamm weitgehend vorgetrocknet werden. Im Rahmen der Sanierungskonzeption soll überprüft werden, inwiefern der Teichschlamm anteilig im Teich belassen werden kann, welche Mengen für eine Profilierung der Sohle (Flachwasserzonen) Verwendung finden können und in welchen Bereichen der Schlamm komplett entnommen werden soll. Die Beräumung der entsprechenden Abschnitte soll im zeitlichen Zusammenhang mit der Erneuerung der Staueinrichtung erfolgen, um die bis dahin hier verbleibende Zeit weitestgehend zur Trocknung auszunutzen. Im Zeitraum, in dem der Prinzenteich nicht mit Wasser gefüllt ist, werden Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung durchgeführt.

 

Sanierungskonzeption:
Im Rahmen der Ausarbeitung der Sanierungskonzeption sollen die verschiedenen Nutzungsziele (Naherholung / Natur-/Artenschutz / Anregungen der Bürgerinitiativen / Südstadtverein / fischereiliche Nutzung / Denkmalschutz) grundlegend zusammengefasst und ggf. absehbare Konflikte benannt werden. Über den Bearbeitungsstand soll auf den Internetseiten der Stadt Eisenach informiert werden. Die Aufgabenstellung für die Planungsleistungen zur Sanierung der gesamten Teichanlage sowie hier ggf. erforderliche Vorgaben zu Nutzung und Gestaltung sollen vom Bauausschuss der Stadt Eisenach beschlossen werden. Die Konzeption soll hierzu als Grundlage dienen.


Zur Durchführung künftiger Abfischaktionen und einer damit verbundenen schadlosen Ableitung des Hälterwassers soll ein befestigter Platz im Bereich des Mönchs am Grundablass und eine befestigte Fläche wasserseitig des Mönches (Abfischgraben / Fischgrube) errichtet werden.

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