Die Stadt Eisenach stellt am 26. November im Ausschuss für Kultur, Soziales, Bildung und Sport den Entwurf des neuen Schulnetzes zum Schuljahr 2027/2028 vor. Die wichtigste Veränderung betrifft die gymnasiale Schullandschaft in Eisenach. Die Stadt Eisenach geht damit frühzeitiger als andere Schulträger in Thüringen in den notwendigen Prozess, die Weichen für ein starkes, zukunftsfestes Bildungsangebot aufzustellen.
Als Schulträger der beiden staatlichen Gymnasien „Ernst Abbe“ und „Elisabeth-Gymnasium“ möchte die Stadt ab 1. August 2027 ein gemeinsames staatliches Gymnasium Eisenach mit stabiler Oberstufe, besseren Lernbedingungen und einer effizienten Nutzung von Räumen und Personal bilden. Dieses wird aus beiden Gymnasien neu gegründet.
Zunächst bleiben die drei Schulstandorte Nebestraße 24 (Elisabeth-Gymnasium), Theaterplatz 6 (Abbe, Haus II) und Wartburgallee 60 (Abbe, Haus I) bestehen. In Abhängigkeit zur Schülerzahlentwicklung sowie einer eventuellen Nachnutzung werden in den Folgejahren die Standorte Nebestraße und Theaterplatz aufgegeben.
Schülerzahlen sinken langfristig
Dieser Schritt ist sinnvoll, weil die Geburtenzahlen in den nächsten Jahren in Eisenach signifikant zurückgehen. Für die Schulnetzplanung rechnet die Stadt auf Basis der aktuellen Daten mit rund 278 Geburten pro Jahr bis 2043/44. Das ist deutlich weniger als bisher. Mit weniger Kindern sinken langfristig auch die Schülerzahlen.
Liegen die statistischen Erhebungen für das Abbe- und Elisabeth-Gymnasium im aktuellen Schuljahr bei 1380 Schülerinnen und Schülern (SuS), sind es
• Im Schuljahr 2029/30 1025 SuS
• im Schuljahr 2032/33 dann 872 SuS.
Zwei getrennte gymnasiale Oberstufen lassen sich damit dauerhaft kaum sinnvoll füllen. „Ein gemeinsames Gymnasium bündelt Fächerangebote, sichert Kurse in der Oberstufe und stärkt Qualität und Wahlmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler“, erklärt Oberbürgermeister Christoph Ihling. Vor der demografischen Entwicklung dürfe man nicht die Augen verschließen, sondern müsse ihr rechtzeitig begegnen, so der Oberbürgermeister. „Uns als Stadt ist es wichtig, die Lernbedingungen für unsere Schülerinnen und Schüler so optimal wie möglich zu gestalten“, betont Ihling.
Der Stadtrat hat in diesem Zusammenhang bereits in seiner Sitzung am 25. Juni eine Richtungsentscheidung für den Standort des neuen Staatlichen Gymnasiums an der Wartburgallee getroffen. Mit Aufhebung des entsprechenden Sperrvermerkes wurde beschlossen, das begonnene Bauvorhaben für einen Anbau an das Ernst-Abbe-Gymnasium fortzusetzen.
Ein Bauvorhaben der Stadt am Standort Nebestraße hält die Stadt für nicht umsetzbar, da dieses nicht förderfähig ist und ohne Fördermittel umgesetzt werden müsste. Angesichts der sinkenden Einnahmen bei kommunalen Haushalten ist eine Überlegung dahingehend unrealistisch. Zudem die demografische Entwicklung zwei gymnasiale Schulen in Eisenach mit Blick auf die gesetzliche Mindestgröße nicht rechtfertigen würde.
Stadt informiert und beteiligt Schulen transparent
Die Stadt hat diesen Prozess klar und frühzeitig in die Schulen kommuniziert. Am 19. August gab es bereits gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt Westthüringen eine Informationsveranstaltung für die Pädagoginnen und Pädagogen zur künftigen gymnasialen Landschaft in der Dualen Hochschule. Zu diesem Zeitpunkt waren auch die Schulleiter beider Häuser involviert. In Vorbereitung auf den Schulnetzentwurf hat sich auch der Ausschuss für Kultur, Soziales, Bildung und Sport in drei Klausur-Sitzungen mit dem Thema beschäftigt.
Zugleich hat die Stadt – einmalig bisher in Thüringen – eine Steuerungsgruppe einberufen, die den Prozess der Zusammenlegung begleitet. Diese ist paritätisch besetzt und tagt in der Regel alle vier Wochen. Beteiligt sind die Schulleitungen beider Gymnasien, Lehrkräfte, Eltern- und Schülervertretungen, die Fördervereine, das Schulamt Westthüringen sowie die Stadtverwaltung. Die Gruppe arbeitet transparent. Es gibt eine Schulcloud für Fragen und Antworten – als gemeinsame Wissensdatenbank. Ziel ist, die Schulgemeinschaft mitzunehmen und bestimmte Fragen, die durch den Zusammenschluss entstehen, rechtzeitig zu klären.
Bildungsdezernent Ingo Wachtmeister sieht die Verantwortung der Stadt als Schulträger umfassend: „Natürlich stellt die Stadt nur den sachlichen Aufwand zur Verfügung, aber es ist uns wichtig, die Bildungslandschaft in Eisenach so zu formen, dass es hier eine gymnasiale Oberstufe gibt, die die maximalen Wahlmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler zulässt“. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK) ist eng einbezogen.
„Das ist eine Schule, die Zukunft hat. Natürlich gibt es viel Diskussion- und Redebedarf. Das ist auch gut so. Wir werden in dem Prozess versuchen, Lösungen für alle Fragen zu finden“, kann die Stadtspitze durchaus die Unsicherheiten nachvollziehen, die derzeit in der Elternschaft bestehen.
Offizielle Beteiligung beginnt jedoch erst jetzt
Der Stadtrat entscheidet am 10. Dezember über den Schulnetzentwurf. Danach folgt das gesetzlich vorgeschriebene Beteiligungsverfahren mit Stellungnahmen u. a. von Schulamt, Schulkonferenzen, Jugendhilfe- und Stadtplanung sowie benachbarten Schulträgern. Nach der Abwägung der Stellungnahmen entscheidet erneut der Stadtrat. Anschließend wird die Zustimmung des Bildungsministeriums eingeholt. Der neue Schulnetzplan soll zum 1. August 2027 wirksam werden.
Gespräche mit anderen Schulträgern
Oberbürgermeister Ihling betont aber auch, dass die Entscheidung für ein staatliches Gymnasium Eisenach nicht getroffen wurde, weil ein evangelischer Schulträger prüft, ob er am Standort des derzeitigen Elisabeth-Gymnasiums eine Gemeinschaftsschule errichten will. Durch die Richtungsentscheidung des Stadtrates für die Erweiterung des Abbe-Gymnasiums wurden Nachnutzungsmöglichkeiten für die später leer zuziehenden Objekte diskutiert und diese auch mit der Evangelischen Schulstiftung Mitteldeutschland besprochen, die in den Jahren zuvor einen Neubau im Bereich Thälmannstraße geplant hat. In weiteren Gesprächen kamen positive Signale von der Evangelischen Schulstiftung, die nun eine Umsetzung im Bestandsgebäude in der Nebestraße prüft.
„Gute Schulen stehen für Fortschritt, Zukunft und Lebensqualität“, sieht der Oberbürgermeister vor allem einen echten Standortvorteil für das Oberzentrum Eisenach, sollte sich die evangelische Schulstiftung Mitteldeutschland für Eisenach entscheiden.