Rokokosaal wieder eröffnet

m Nordflügel des Eisenacher Stadtschlosses ist das erste Obergeschoss mit dem Rokokosaal bis auf einige Restarbeiten weitgehend fertig saniert und restauriert. Es ist der stuckverzierte und teilweise marmorierte große Festsaal des Stadtschlosses, der von den Eisenachern liebevoll „Rokokosaal“ genannt wird.

 

Oberbürgermeisterin Katja Wolf am 2. Juni wieder den prunkvollen Rokokosaal. „Die Wiedereröffnung des Rokokosaals ist ein wichtiger Schritt im Rahmen der umfangreichen Sanierungsarbeiten im Eisenacher Stadtschloss. Viele Eisenacher und auch Besucher der Stadt warten schon lange darauf, wieder im Rokokosaal Konzerte und Veranstaltungen erleben zu können“, sagte Katja Wolf. Aufgrund der kontinuierlichen Bauarbeiten ist es nun möglich, einen Teil des Nordflügels wieder öffentlich zu präsentieren und damit den Rokokosaal der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.

 

Die Sanierung des Nordflügels ist der letzte Bauabschnitt der grundlegenden Sanierung des Eisenacher Stadtschlosses am Markt. Bereits 2007 wurde der reich geschmückte Rokokosaal im ersten Obergeschoss des Nordflügels restauriert. Vor allem die Decke über dem Prunksaal musste saniert und das darüber liegende Dach erneuert werden. In Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurde das sicher gelagerte Deckengemälde nach der baulichen Sanierung wieder fachgerecht angebracht. Auch an den Fenstern und an dem allegorischen Deckengemälde waren restauratorische Arbeiten erforderlich, obwohl der Rokokosaal in den 1970er Jahren schon einmal restauriert worden war und ein neues Parkett erhalten hatte. Bis der repräsentative Saal des Stadtschlosses nun wieder genutzt werden kann, musste jedoch noch einige Zeit vergehen. Die Bausubstanz des Nordflügels erforderte umfangreiche Arbeiten. Zudem musste ein zweiter baulicher Rettungsweg - ein zusätzlicher Treppenaufgang - in das historische Gebäude eingepasst werden, damit der Saal auch sicher genutzt werden kann. Nach und nach wurden am Nordflügel das Dach mit neuem Schiefer eingedeckt, die Fassaden saniert, die Regenwasserableitungen vom Dach bis in den Boden erneuert sowie die Fenster und deren Gesimse, die Treppenanlagen, die Mansarde und die Fachwerk-Außenwänden am Westgiebel und der Nordseite (zur Alexanderstraße) nach und nach instand gesetzt und teilweise restauriert. Auch die Gitter an den Kellerfenstern und Lichtschächten sowie die Treppen- und Brüstungsgeländer waren zu sanieren. Ebenso galt es schrittweise die Innenräume zu sanieren.

 

 

So wurde beispielsweise im ersten Obergeschoss der Fußboden auf dem Gang vor dem Rokokosaal wieder mit dem historischen rot-weißen Karomuster gestaltet. Auch die erhaltenen Stuckelemente wurden in diesem Bereich wieder an den Decken angebracht. Gerade fertig geworden sind die beiden neuen Kristall-Lüster, die der Restaurator Wolfgang Schwarze nach originalgetreuen Vorlagen neu gestaltete und im Festsaal installierte. Er verwendete Originalformen aus der Zeit um 1730 aus seinem Familienbesitz, um die Glasleuchten neu blasen und schleifen zu lassen. Die beiden Lüster entstanden in Abstimmung mit der Denkmalpflege – jeder zwei Meter hoch, mit 24 Armen auf drei Ebenen und einer Krone obenauf, bestückt mit tausenden Prismen. Schwarze ist überzeugt, dass die Leuchter dem Raum Eleganz verleihen. Sanierung mit Hilfe von Fördermitteln Die Sanierung des Eisenacher Stadtschlosses wurde 1997 in das Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ aufgenommen. Auf der Grundlage der bereits bis zu diesem Zeitpunkt durchgeführten Sanierungsarbeiten wurde die Nutzungs- und Sanierungskonzeption neu erarbeitet. Das Objekt wurde in acht Bauabschnitte aufgeteilt, um dem Museum Schritt für Schritt nutzungsfähige Bereiche übergeben zu können. Finanzielle Unterstützung gewährte auch die Stiftung Denkmalschutz.

 

 

Für die Sanierung und Restaurierung des Nordflügels (1. und 2. Bauabschnitt) wurden bislang insgesamt rund 2,73 Millionen Euro aufgewendet. Der letzte Bauabschnitt – die Archivräume im Erdgeschoss – soll im nächsten Jahr begonnen werden. Die Kosten dafür sind mit rund 600.000 Euro veranschlagt. Das Deckengemälde des Rokokosaals Dargestellt ist eine Episode aus dem Leben der Nereide Galathea, bekannt aus den Metamorphosen Ovids. Die Nereide liebt Acis, Sohn des Gottes Pan. Acis wird in wilder Eifersucht von seinem Nebenbuhler, dem Zyklophen Polyphem erschlagen. Dargestellt ist der Moment der Flucht der Nereide über das offene Meer. Sie fürchtet sich vor den Nachstellungen des Zyklophen Polyphem. Die kunstgeschichtlich bedeutsamste Umsetzung dieser Szene gelang Raffaelo Santi. 1512 fertigte der berühmte Renaissancekünstler das Gemälde für die Villa des Agostin Chigi an. In dem Eisenacher Deckengemälde sind davon noch Anklänge spürbar. Geschaffen hat die Darstellung im Deckenspiegel Johann Leopold Deyssinger (1701-1788). Gemälde auf der Heidecksburg und in Bamberg, Wien und Süddeutschland sind für ihn nachweisbar.

 

 

Das Eisenacher Stadtschloss Das Eisenacher Stadtschloss wurde ab 1742 nach Plänen des Architekten Gottfried Heinrich Krohne für Herzog Ernst August zu Sachsen-Weimar-Eisenach etappenweise bis 1751 errichtet. Seit 1931 beherbergt das Stadtschloss u.a. das Thüringer Museum Eisenach. Seit Mitte der 1990er Jahre wird das Stadtschloss Schritt für Schritt saniert und restauriert. Die Sanierung des Südflügels konnte nach mehrjähriger Bauzeit bereits 2011 abgeschlossen werden. Im Stadtschloss befinden sich heute das Thüringer Museum, die Tourist-Information sowie Teile der Stadtverwaltung. Das Thüringer Museum möchte den Rokokosaal und die ihn umgebenden Räume im Nordflügel künftig in den Museumsrundgang einbinden. Noch sind aber nicht alle Arbeiten restlos erledigt. Deshalb werden die Besucher am Pfingstwochenende gebeten, bei der Sonderbesichtigung die für Baustellen nötige Vorsicht nicht zu vergessen. Ziel ist es, diesen Museumsbereich schon in die neue Sonderausstellung „Wanderlust oder die Sehnsucht nach dem Paradies““ mit einzubeziehen, die am 1. Juli kurz vor Beginn des 117. Deutschen Wandertags in Eisenach eröffnet wird.