Die Stadt Eisenach geht mit einem regionalen Caterer einen besonderen Weg beim Schulessen – und das bekommt sogar bundesweit Aufmerksamkeit. Bernd Wächter, Fachdienstleiter der Schulverwaltung, wurde kürzlich zum Bundeskongress Kita- und Schulverpflegung nach Berlin eingeladen. Er bezeichnet das „Eisenacher Modell“ aktuell als einmalig für Thüringen.
Bundesweit wird ein ähnliches System noch in Darmstadt umgesetzt wie auf dem Bundeskongress zu erfahren war. Allerdings wird dort in Verantwortung des Schulträgers durch einen Eigenbetrieb komplett selbst gekocht. Das wäre für eine Stadt von Eisenachs Größe finanziell nicht machbar. Dennoch hat das Schulessen in Eisenach an Frische, Geschmack und gesundheitlichem Wert gewonnen.
Moderne Küchen in den Grundschulen
Dank spezifischer, auf die Bedingungen in der Stadt Eisenach zugeschnittener Organisationsabläufe ist die Zeit zwischen Zubereitung, Transport und Essensausgabe stark verkürzt worden. Ausschlaggebend für die Umstellung der Abläufe war unter anderem eine sinkende Anzahl an Caterern, die in der näheren Umgebung eine Mittagsversorgung in der gewünschten Qualität, Zeit und Größenordnung anbieten können.
Deshalb wurden und werden die Küchen in den Grundschulen unter Nutzung von Landes- und Bundesfördermitteln nach und nach so umgerüstet, dass die überwiegende Anzahl der Bestandteile des Mittagessens vor Ort frisch zubereitet werden kann. Das gilt beispielsweise für Nudeln und Kartoffeln, während Gemüse und Fleisch tiefgefroren angeliefert und in modernen Heißluftöfen (Konvektoren) gegart werden. Das Ergebnis ist ein deutlich frischer Geschmack, eine bessere Konsistenz der Menükomponenten sowie der Erhalt wichtiger Nährstoffe.
Speisesäle sind ebenfalls neu gestaltet
Start war zu Beginn des Schuljahres 2024/2025: Die Stadt hatte damals die Dienstleistungskonzession für das Schulessen ausgeschrieben. In der Jakobschule wurde das neue System erstmals umgesetzt. Anschließend wurden die Küchen in der Mosewaldschule und in der Oststadtschule modernisiert. Das Land Thüringen unterstützte bei der neuen Ausstattung. Zudem konnten die Speisesäle dank der Förderung so gestaltet werden, dass die Kinder dort gern essen. Dazu gehören die Verbesserung des Lärmschutzes an Decken und Wänden sowie neue Möbel, die im täglichen Umgang weniger Lärm erzeugen.
Aktuell wird die Küche der Hörselschule neu ausgestattet. Auch der dortige Speisesaal wird modernisiert. Das Bundes-Förderprogramm für Ganztagsschulen ermöglicht die dafür notwendigen Investitionen.
Zentrale Küchen und breite Versorgung
Die modernisierten Küchen übernehmen nicht nur die Verpflegung für die eigenen Schülerinnen und Schüler, sondern versorgen auch umliegende Schulen:
• Jakobschule – Versorgung für die Georgenschule, Goetheschule und Geschwister-Scholl-Schule
• Mosewaldschule – Zubereitung für das Elisabeth-Gymnasium, die Wartburgschule und noch für die Hörselschule (bis zum Ende der Bauarbeiten)
• Oststadtschule – Mahlzeiten für das Ernst-Abbe-Gymnasium.
„Das ist eine logistische Herausforderung für den Caterer“, erklärt Wächter. Dennoch hat die Stadt klare Vorgaben: Vom Ende des Garprozesses in der Küche bis zur Ausgabe an den letzten Schüler dürfen maximal drei Stunden vergehen. Das ist ein Qualitäts- und Lebensmittelhygienestandard, der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (kurz DEG) empfohlen wird.
Positive Resonanz und steigende Teilnahme
Früher gab es oft Beschwerden über verkochtes Gemüse oder pappige Nudeln. Heute sind solche Rückmeldungen selten. Trotz sinkender Schülerzahlen, steigt die Zahl der Essensnutzer leicht an – ein Zeichen dafür, dass das Angebot überzeugt. Der Preis liegt bei 4,95 bis 5,50 Euro, wovon die Stadt Eisenach 50 Cent pro Mahlzeit subventioniert.
Der Großteil der Nutzer sind Kinder aus den Grundschulen. In den weiterführenden Schulen versorgen sich viele Jugendliche lieber in umliegenden Supermärkten oder Imbissläden. Die Stadt möchte daher auch bei den weiterführenden Schulen einen neuen Weg gehen und Verkaufsautomaten aufstellen. Dort sollen jedoch keine Süßgetränke oder Schokoriegel, sondern gesunde Snacks und Getränke angeboten werden. „Wir sind in Gesprächen mit einem lokalen Unternehmen“, berichtet Wächter. Auf dem Bundeskongress konnte er wertvolle Kontakte knüpfen und Erfahrungen mit anderen Kommunen austauschen.




