Der städtische Wirtschaftsförderer Michael Frisch bringt in Eisenach Menschen zusammen, die etwas bewegen wollen: Unternehmer mit Visionen, Investoren mit Kapital, Immobilienbesitzer mit Leerstand und Fachleute mit Know-how. „Ich verbinde diejenigen, die Projekte und Ideen haben, mit denen, die über Finanzen, Immobilien und Expertise verfügen", beschreibt Frisch seine Aufgabe.
Von der Idee zur Realität
Die Bandbreite der Anfragen ist groß: Ein Handwerksbetrieb möchte expandieren, scheitert aber am fehlenden Eigenkapital für eine neue Halle. Ein technischer Dienstleister plant eine Lkw-Prüfstation in Eisenach. Ein Pflegedienst sucht nach einem Objekt für betreutes Wohnen und fragt sich, ob die Umnutzung der ausgewählten Immobilie rechtlich möglich ist. Bei all diesen Fragen steht der Wirtschaftsförderer mit Rat und Tat zur Seite.
Holz als Zukunftsbranche
Ein besonders vielversprechendes Projekt ist das Konzept „Eisenach baut Zukunft aus Holz“. Ausgangspunkt ist das geplante neue Wohngebiet in der Schützenstraße. Dort soll ein Modellquartier aus Holzhäusern entstehen. Die Wirtschaftsförderung vermittelte zwischen den Investoren, die Baugrundstücke verkaufen möchten, und einer örtlichen Zimmerei, die sich auf Holzbau spezialisieren will. Das Ergebnis: Einfamilienhäuser aus Holz, die sich harmonisch in das hügelige Gelände einfügen und dabei 20 bis 25 Prozent günstiger sind als konventionelle Bauten – ohne Qualitätsverlust.
Mit dem Vorhaben bewirbt sich Eisenach als Praxispartner für das neue Kompetenzzentrum Holzbau und nachwachsende Rohstoffe, das im Rahmen eines Forschungsprojekts der Fachhochschule Schmalkalden in Suhl entstehen soll. Mit an Bord ist außerdem ein holzverarbeitendes Unternehmen aus der Wartburgregion, das bereits Erfahrung in der Herstellung von Bauholz aus Buche hat.
Bildung als Standortfaktor
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung. Im Berufsschulzentrum im Palmental könnte zukünftig in Zusammenarbeit mit der Tischlerinnung das neue Berufsfeld Bautechnik und Holz angeboten werden. „Eisenach soll als Bildungscampus immer sichtbarer werden", sagt Frisch. Das Spektrum reicht von Workshops im Gründer- und Innovationszentrum Stedtfeld (GIS) über Studiengänge an der Dualen Hochschule am Wartenberg bis zur beruflichen Ausbildung im Palmental.
Zusammen mit der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) plant die Stadt zudem ein Schülerforschungszentrum. Das passt auch zum bestehenden Netzwerk „Schule und Wirtschaft", das junge Menschen gezielt auf eine Berufsausbildung in der Region vorbereitet. „Viele Unternehmen bemängeln, dass die Kenntnisse der Schulabgänger in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik nicht ausreichen", weiß Frisch. Einige Betriebe bieten deshalb bereits Vorkurse für angehende Azubis an.
Auch die Integration ist ein wichtiges Thema: Ein privater Bildungsträger befähigt in Eisenach mit seiner German Professional School junge Migrantinnen und Migranten für eine Ausbildung. „Wir konzentrieren uns jetzt stärker auf diejenigen, die bereits längere Zeit in Deutschland sind", erklärt der Wirtschaftsförderer.
Energie, Innovation und Transformation
Die Wirtschaftsförderung denkt auch in neuen Technologien: So wurde eine Partnerschaft zwischen einem Unternehmen für erneuerbare Energien und einem örtlichen Logistiker vermittelt. Gemeinsam ist ein Fördermittelantrag für eine Wasserstofftankstelle in Eisenach gestellt worden – inklusive wasserstoffbetriebener Lkw. Die Chancen auf eine Bundesförderung in Millionenhöhe stehen gut.
„Viele der notwendigen Kompetenzen für Innovation sind in Eisenach und der Wartburgregion bereits vorhanden. Oft wissen potenzielle Partner nur nichts voneinander", sagt Frisch. Deshalb bringt er regionale Unternehmen mit Hochschulen und Netzwerkpartnern zusammen. Eine nächste Gelegenheit dafür bietet eine Veranstaltung am 29. Oktober im GIS in Stedtfeld.
Neue Wege im Standortmarketing
Künftig will die Wirtschaftsförderung den Standort Eisenach professioneller vermarkten – wie ein eigenes Unternehmen. Geplant sind eine neue Webseite mit modernem Corporate Design, ein Content-Management-System und ein KI-gestützter Chatbot für Investoren, Unternehmer und Existenzgründer. Die Steuerung übernimmt das GIS.
Auch Medizin und Einzelhandel im Fokus
Die Arbeit des Wirtschaftsförderers beschränkt sich nicht auf Industrie und Handwerk. Im Projekt „Zusammen ins Land" kooperiert die Stadt mit Eisenacher Arztpraxen, die als Lehrpraxen Medizinstudierende während ihrer Pflichtpraktika betreuen. Die Stadt unterstützt die jungen Menschen finanziell bei der Wohnungsmiete – in der Hoffnung, dass sich einige nach dem Studium als Hausärzte in Eisenach niederlassen.
Auch der Ladenleerstand in der Innenstadt ist ein Thema. In enger Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein werden Ideen zur Belebung der Innenstadt entwickelt. Aktuell wird geprüft, ob während der Zeit des Weihnachtsmarktes kostengünstiger in Eisenach geparkt werden kann.
Kontakt zum Wirtschaftsförderer
Michael Frisch bietet eine Sprechstunde im Bürgertreff „Mittendrin“, Markt 23, an: jeden ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr. Seine Kontaktadresse lautet: Stadtverwaltung Eisenach, Wirtschaftsförderung, Markt 2, Tel. 03691 670-145; E-Mail.


