Am Gedenkstein an der Landstraße zwischen Eisenach-Ost und Hötzelsroda ist am Sonnabend, 11. April, daran erinnert worden, dass sich in der Nähe ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald namens „Emma“ befunden hat. Ab April 1944 wurden KZ-Häftlinge im damaligen Flugzeugmotorenwerk von BMW am „Dürrerhof“ unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Bereits seit 1941/42 hatte BMW außerdem Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in der Produktion von Flugzeugteilen eingesetzt.
Zur Gedenkveranstaltung anlässlich des 81. Jahrestags der Befreiung des KZ Buchenwalds hatten die Stadtverwaltung Eisenach, das Bündnis gegen Rechtsextremismus, die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde und der Deutsche Gewerkschaftsbund eingeladen.
Reden und gemeinsames Gebet
Eisenachs Bürgermeister Steffen Liebendörfer bezog sich in seiner Rede auf die Menschwürde und die Definition, die der Tübinger Jurist Günter Dürig 1956 in einem Aufsatz formulierte: „Die Menschenwürde als solche ist getroffen, wenn der konkrete Mensch zum Objekt, zu einem bloßen Mittel, zur vertretbaren Größe herabgewürdigt wird.“ Wie Liebendörfer aufmerksam machte, waren die Häftlinge überwiegend in der Werkhalle untergebracht, in der sie auch arbeiten mussten, zwölf Stunden am Tag – außer sonntags. Sie wurden gezwungen, für die Focke-Wulf, ein Jagdflugzeug namens „Würger“ zu arbeiten.
„Jeder Handgriff wurde gleichsam zu einem Beitrag am Fortbestehen des Regimes der Peiniger. Erniedrigung zum Objekt sieht so aus“, sagte der Bürgermeister. Weiter betonte er, dass die Nationalsozialisten zwar die Menschwürde „in schrecklichster Weise“ verletzt haben, aber niemandem die Würde nehmen konnten. Mit Blick auf vielfältige Verletzungen der Menschenwürde in der Gegenwart, appellierte der Bürgermeister daran, nicht vorschnell den Zeigefinger gegen andere zu erheben, sondern den Blick auf „uns selbst zu richten“. Er beendete sein Grußwort mit einem weiteren Zitat von Günter Dürig: „Die Perversion der Wertordnung beginnt heimlich überall bereits dort, wo der Mensch als Rechtssubjekt entmachtet wird.“
Weitere Redner waren Jörg Rumpf vom Bündnis gegen Rechtsextremismus und Pfarrer Armin Pöhlmann. Letzterer lud die Anwesenden außerdem zum gemeinsamen Gebet ein.



