Tag des offenen Denkmals 2006: Carl Eduard Petzolds Parkanlagen in Eisenach

Tag des offenen Denkmals 2006: Carl Eduard Petzolds Parkanlagen in Eisenach

Parkanlage Neuenhof:

Die Parkanlage Neuenhof legte der Landschaftsgärtner Carl Eduard Petzold in den Jahren 1838 bis 1843 nach Muskauer Vorbild an. Den Auftrag erhielt er von Landmarschall Georg von Riedesel Freiherr zu Eisenbach. Der Kern des Parks konnte bis in die heutige Zeit gerettet werden.
Der Neuenhofer Park stellt den Ausgangspunkt für die weitere Laufbahn von Eduard Petzold in Thüringen dar. Sie bildet gleichzeitig die Grundlage für eine neue Entwicklungsphase des Landschaftsgartens in Thüringen, welche auf Pückler-Reptonschen Prinzipien beruhte. Hervorzuheben ist der besondere Typus der Anlage als ein Uferpark mit Promenade und abzweigenden Wegen. Sichtachsen durch die Grünanlagen zum Schloß Neuenhof sowie Steinbänke und Gedenksteine zeugen von Petzolds Wirken.
Aus dieser Zeit erhalten sind beispielsweise eine Lindengruppe zwischen Kirche und Schloß, eine Blutbuche an der Hofwiese sowie ein Ginkgobaum und eine weitere Blutbuche am Michelsbach.
Trotz einiger Beeinträchtigungen und jahrzehntelanger Vernachlässigung ist der Park Neuenhof ein herausragendes Denkmal der Gartenkunst des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1991, anläßlich des 100. Todestages von Eduard Petzold, wurde im Park mit umfangreichen Regenerationsarbeiten begonnen. So wurden viele Wege und der seit 1920 zerstörte Kemenatenteich wieder hergerichtet.


Landschaftspark Dürrer Hof:

Der landschaftlich gehaltene Gutspark des Dürrer Hofs wurde in den Jahren 1839 bis 1843 von dem damals am Anfang seiner Laufbahn stehenden Landschaftsgärtner Carl Eduard Petzold angelegt. Den Auftrag dazu erhielt er von der Eisenacher Familie von Eichel-Streiber. Petzold bezog bei der Konzeption vorhandene Strukturen wie die zuführenden Alleen, die beiden Teiche und bestehende Bäume in die Gartenplanung ein. Unter Berücksichtigung grandioser Fernsichten auf die Wartburg, den Thüringer Wald, die Hörselberge und den Hainich legte er auf dem Dürrer Hof das Wegenetz und die Pflanzungen an.
Nach seinem Fortgang 1843 sorgte Petzold dafür, daß die weitere Pflege des Landschaftsparks Dürrer Hof in die Hände von fachlichem Personal aus der Muskauer Schule gelegt wurde. 26 Jahre später wurde Petzold nochmals für Regenerierungsarbeiten zum Dürrer Hof gebeten, wo er selbst notwendige Verjüngungsarbeiten ausführte.

Über einhundert Jahre lang wurde der Landschaftspark Dürrer Hof unterschiedlich genutzt und verändert. Nach dem 2. Weltkrieg wurden unter anderem das Parkgelände durch Straßenbau am Rand zerschnitten, Gebäude abgerissen, Teilflächen in Ackerland umgewandelt und der Park sich selbst überlassen. Erst in den 1970er und 1980er Jahren nahm sich ein Arbeitskreis der Schule in Hötzelsroda des Parks an und begann mit Pflege- und Sanierungsarbeiten am Dürrer Hof, die Gartendenkmalpfelger fachlich begleiteten. 1984 wurde der Park zum Denkmal der Landschafts- und Gartengestaltung erklärt. Seit 1992 wird der Landschaftspark Dürrer Hof von der Stadtverwaltung betreut.

Parkanlage Pflugensberg:

Der bereits im 18. Jahrhundert gärtnerisch genutzte Pflugensberg erhielt seine erste bedeutende Gartenanlage durch Christian Friedrich Eichel, der in den Jahren zwischen 1830 und 1840 mehrere Grundstücke auf diesem Areal gekauft hatte. In den Jahren 1841 bis 1844 wurde das Grundstück durch den Gartenarchitekten Carl Eduard Petzold in einen Landschaftsgarten umgewandelt.
Ende des 19. Jahrhunderts entwarf und realisierte der von Petzold empfohlene Gartenkünstler Max Bertram am Pflugensberg schließlich eine Anlage im Sinne des historistischen Landschaftsgartens. Vor allem durch symmetrisch gestaltete Parkbereiche sowie auch die integrierten Separatgärten stellt Bertrams Park eine typische Anlage im gemischten Stil der Lenne-Meyersche Schule dar, der Bertram auch entstammt.
In der Folgezeit wurde die Pflege des Parks, insbesondere der intensiv gestalteten Bereiche, vernachlässigt. Gründe waren unter anderem der Verkauf des Anwesens an die Stadt Eisenach und später der Weiterverkauf verschiedener Teilflächen, der zudem auch das Areal der Parkanlage am Pflugensberg verringerte. Der Abbruch des Gärtnerhauses und der Verfall der Stützmauern und Gewächshäuser seit den 1970er Jahren stellt den Fortgang der kontinuierlichen Auflösung der spätlandschaftlichen Anlage dar, die einstmals zu den wichtigsten im Thüringer Raum zählte.

Von besonderer Bedeutung erweist sich die von Bertram verfaßte „Technik der Gartenkunst", ein 1902 erschienenes Lehrbuch. Das durch eine Vielzahl von Planreproduktionen und Fotografien aufwendig erstellte Werk beinhaltet die Eichel-Streibersche Anlage als inhaltlichen Schwerpunkt und charakterisiert sie als eine für die Zeit sowohl gestalterisch als auch technisch auf dem Höchststand sich befindliche Gartenanlage. Diesem Umstand und anderen Archiv-Unterlagen ist zu verdanken, daß die Entwicklungsgeschichte des Parks heute nahezu lückenlos nachvollziehbar ist.

Trotz der Beeinträchtigungen kann heute noch immer vom Bestand der Bertramschen Anlage gesprochen werden, da keine umfassende Umgestaltung mehr vorgenommen wurde und die Eingriffe nicht die Grundstruktur der Anlage mit ihrem Wegesystem, den Parkräumen sowie dem prägenden Gehölzbestand - der bis heute Elemente der Petzoldschen Gestaltungsphase aufweist - zu stören vermochten. Die im April 2001 abgeschlossene Parkpflegekonzeption bildet die erforderliche Grundlage für die begonnen Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in der Parkanlage Pflugensberg.

(Quelle: Dipl.-Ing. Helmut Wiegel)