Unter dem Titel „Fragwürdigung“ zeigt das Thüringer Museum Eisenach eine Auswahl an Gemälden der zeitgenössischen Malerin Claudia Hauptmann. Das ist deshalb außergewöhnlich, weil selten Bilder Szenen im Heute und Hier zeigen, die so gemalt sind, als entstammten sie direkt der Zeit der Alten Meister. Eine Frau mit Milchpumpe, eine Dame mit Mundschutz am Strand, ein nackter Mann umgeben von unterschiedlichen Rollenbildern der (modernen) Frau: Alles handwerklich so gemalt und in klare Bildstrukturen gesetzt, als wären es Gemälde vergangener Jahrhunderte.
Zu sehen ist die Schau im Eisenacher Stadtschloss, und zwar noch bis zum 27. September 2026. „Mit unserer Dauerausstellung der Curt-Elschner-Galerie zeigen wir vor allem die Malerei des 19. Jahrhunderts. Es ist unsere Aufgabe, hier nicht stehenzubleiben, sondern den gesellschaftlichen Diskurs im Kunstverständnis des 21. Jahrhunderts aufzugreifen“, sagte Ingo Wachtmeister, Hauptamtlicher Beigeordneter für Bürgerservice, Bildung, Jugend und Kultur, anlässlich der Vernissage am heutigen Samstag, 16. Mai. Und das gelingt.
Mehrdeutig und nie belehrend
Claudia Hauptmanns Bilder werfen Fragen auf – ohne allzu schnell die Antwort zu präsentieren. Sie hinterfragen und spotten unterschwellig oder auch ganz offensiv. Sogar sich selbst nimmt die Künstlerin von diesem Blick auf die Welt nicht aus. „Fragwürdigung“ heißt eines ihrer Selbstportraits. Der Titel ist zum Oberbegriff der Ausstellung geworden, weil er einfängt, was die Malerin mit ihrem Werk erreichen möchte. Dabei ist ihre malerische Gesellschaftskritik oft mehrdeutig, nie aber belehrend.
„Kunst soll den Betrachter ermutigen, Fragen an das Bild zu stellen, ohne dass das Bild die Antwort eindeutig bietet. Die Antwort liegt immer im Auge des Betrachters“, sagte Dr. Reinhold Brunner, Leiter des Fachdienstes Museen und Archiv. Die 1966 in Eisenach geborene Künstlerin wuchs in Gerstungen auf, lebte in Leipzig, Lüskow, Heinrichsruh, Potsdam und seit 2006 in Berlin. Diese Schau zeigt frühe Werke aus ihrer Jugend von 1982 bis hin zu aktuellen Bildern und ist für die Künstlerin in gewisser Weise eine Rückkehr zu ihren Wurzeln.
Thematische Führungen für Schulen möglich
Schirmherrin der Ausstellung „Fragwürdigung“ ist die Thüringer Finanzministerin und frühere Oberbürgermeisterin von Eisenach Katja Wolf. Aus ihrem Haus sprach Staatssekretär Birger Scholz ein Grußwort, bevor er Lotto-Mittel in Höhe von 5000 Euro symbolisch an die Stadt Eisenach übergab. Hierdurch ist es dem Thüringer Museum Eisenach möglich, das Werk „Perspektive“ aus dem Jahr 2023 als Ergänzung der Kunstsammlung zu erwerben. Anschließend schilderte Sabine Elsner M.A. als Kuratorin der Retrospektive den Werdegang der Künstlerin anschaulich.
Die Stadt Eisenach dankt den Förderern, die namentlich sind: die Kulturstiftung des Freistaates Thüringen, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die Wartburg-Sparkasse, der Mitteldeutsche Kulturrat sowie der Förderverein Freunde des Thüringer Museums e.V.
Für den Kunstunterricht bietet das Thüringer Museum Eisenach Führungen durch die Ausstellung an. Auf Wunsch werden inhaltlich Schwerpunkte gesetzt: angefangen von kunsthistorischen Formen bis hin zu gesellschaftskritischen Themen wie Müll oder der Umgang mit dem Handy. Bei Interesse kann das Team des Museums angesprochen werden, am besten per E-Mail.





