Blue Future Technologiegebiet
Hinweis: Bei den Plänen für ein “Blue Future Technologiegebiet” handelt es sich um erste Vorüberlegungen. Über die Realisierung entscheidet der Stadtrat. Das offizielle Planungsverfahren hat noch nicht begonnen. Alle Informationen sowie Grafiken zur Visualisierung auf dieser Seite dienen der Vorstellung des Projektes.

Die Stadt Eisenach plant, eine 86 Hektar große Fläche zwischen Stockhausen und Hötzelsroda als Industriegebiet auszuweisen. Da das Gebiet unmittelbar am Umspannwerk liegt, eignet es sich hervorragend für die Ansiedlung eines Rechenzentrums. Ein solches Data Center würde einen größeren Gebäudekomplex umfassen und könnte bis zu 22 Meter hoch sein. Mit dieser Anschlussleistung würde das Rechenzentrum zu den großen Zukunftsinvestitionen in diesem Bereich in Deutschland zählen.
Der Flächen-Entwickler FAB aus Leipzig stellte die Pläne bereits mehrfach ausführlich vor - einmal in einer Bürgerversammlung im Oktober 2025 in Stockhausen sowie im Februar 2026 in Neukirchen. Die Unternehmensgruppe möchte das Gebiet erschließen und anschließend an einen Investor verkaufen. Ob tatsächlich ein Bebauungsplan aufgestellt und ein städtebaulicher Vertrag mit FAB geschlossen wird, entscheidet der Eisenacher Stadtrat.
Informationen zu sozioökonomischen Auswirkungen
Fragen & Antworten vom Info-Markt am 24. Februar 2026
Positionierung des Oberbürgermeisters
Fragen & Antworten
Warum wurde die Fläche in Stockhausen ausgesucht?
Der Wartburgkreis hat im Rahmen der Erstellung eines Gewerbeflächenentwicklungskonzeptes mögliche gewerbliche Entwicklungsflächen der Stadt Eisenach untersucht und nach verschiedenen Kriterien selektiert. Dabei fiel die Fläche in Stockhausen durch ihre hohe Eignung für eine mögliche gewerbliche oder industrielle Nutzung auf. Der Kreis und der Flächenentwickler FAB sind sodann mit der Projekt-Idee auf die Stadt Eisenach zugegangen.
Was befindet sich aktuell auf dem Gebiet?
Der Bereich ist hauptsächlich landwirtschaftliche Nutzfläche. 32 Flurstücke sind betroffen. Mit jeder einzelnen Eigentümerin und jedem Eigentümer müsste der Flächen-Entwickler Kaufverhandlungen führen, sollte der Stadtrat grünes Licht für das Projekt geben.
Wofür werden Rechenzentren in solchen Dimensionen überhaupt gebraucht?
Der digitale Wandel vollzieht sich rasant und durchdringt immer mehr Bereiche des täglichen Lebens. Jeder Klick auf einen Link, jede versendete E-Mail greift auf Rechenleistungen im Hintergrund zurück. Künstliche Intelligenz und Automatisierung in jeglichen Prozessen vervielfachen diesen Bedarf. Die Prognosen hierfür überholen sich regelmäßig, sodass der Bau und Betrieb von Rechenzentren ein attraktiver Wachstumsmarkt ist, an dem die Stadt Eisenach Anteil haben könnte.
Wie viele Arbeitsplätze entstehen?
Es könnten bis zu 150 neue Arbeitsplätze entstehen. Der Flächenentwickler geht zudem davon aus, dass die Ansiedlung eines Rechenzentrums belebende Effekte auf den gesamten Wirtschaftsraum ausübt. Diese Effekte werden laut FAB mit einer 2,4-fachen Wirkung, also bis zu 360 neuen Arbeitsplätzen, wissenschaftlich untermauert.
Warum gibt es noch keinen konkreten Investor?
Dass zu Beginn eines Bauleitplanverfahrens weder der Investor noch der Betreiber feststehen, ist durchaus üblich. Aufgabe des Flächen-Entwicklers ist es ja gerade, die Rahmenbedingungen für eine Ansiedlung zu untersuchen und, wenn das Erfolg hat, auch zu schaffen.
Warum bringt die Stadt Eisenach die Erschließung eines solchen modernen Gewerbe- und Industriegebietes nicht allein auf den Weg?
Projekte dieser Dimension sind für Städte und Gemeinden inzwischen kaum noch selbst zu stemmen. Das gesamte Verfahren, einen Bebauungsplan aufzustellen, und das Gebiet zu erschließen, kostet sehr viel Geld. Auch die Investorensuche und das damit verbundene Risiko übernimmt der Flächen-Entwickler.
Warum werden keine Ausweichflächen beispielsweise auf Brachflächen in ehemaligen Militär- oder verfallenen Industriegebieten angeboten?
Der Flächen-Entwickler gibt an, dass solche so genannten Konversionsflächen in dieser Größe nicht mehr zur Verfügung stehen. Falls doch, gebe es regelmäßig Gründe dafür, dass dort seit der Wende noch nicht investiert worden ist. Auf manchen Potenzialflächen gebe es zudem fördersystematische Ausschlusskriterien, beispielsweise für Flächen, die durch die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen auf dem Kindel vermarktet würden. Die Fläche zwischen Stockhausen und Hötzelsroda eignet sich auch deshalb so gut, weil das nahegelegene Umspannwerk ohnehin künftig ausgebaut wird. Mit der dann zur Verfügung stehenden Anschlussleistung könnte das Rechenzentrum betrieben werden, denn ein solches Datenzentrum benötigt bis zu 300 Megavoltampere.
Was ist mit der zu erwartenden Belästigung durch Lärm?
Es gelten die üblichen Immissionsrichtwerte, die eingehalten werden müssen, sollte das Rechenzentrum einmal stehen. Werden Überschreitungen festgestellt, wird der Investor verpflichtet, beim Lärmschutz nachzubessern. Dies ist gesetzlich klar geregelt.
Wie soll das Rechenzentrum gekühlt werden?
Aktuell ist noch nicht abzusehen, wie sich der Stand der Technik bis zum Baubeginn weiterentwickelt. Herkömmliche Kühlungen verbrauchen viel Wasser. Hier gibt es Ansätze, andere technische Lösungen zu finden. Innovative Kühlungssysteme setzen beispielsweise auf einen geschlossenen Wasserkreislauf, um den Wasserverbrauch zu reduzieren. Modernere Chips strahlen zudem weniger Wärme ab. Es wird auch im Rahmen eines Forschungsprojektes darüber nachgedacht, Regenwasser oder in der Industrie anfallende Abwässer für die Kühlung großer Rechenzentren zu verwenden. Darüber hinaus sieht die kommunale Wärmeleitplanung, die die Stadtverwaltung in diesem Frühjahr vorgelegt hat, vor, zukünftig gezielt Abwärme zu nutzen. Hier gibt es womöglich erhebliches Potenzial für eine effiziente und nachhaltige Wärmeversorgung.
Werden Bürgerinnen und Bürger womöglich enteignet?
Enteignungen im klassischen Sinn sind rechtlich nicht vorgesehen. Wohl aber sind förmliche Bodenordnungsverfahren mit dem Ziel denkbar, den Zuschnitt des Planungsgebietes so zu konfigurieren, dass die städtebauliche Entwicklung ermöglicht wird. Das Baugesetzbuch gibt Kommunen einen gewissen Handlungsspielraum an die Hand, um Gebietsentwicklungen zu ermöglichen. So könnte die Stadt zum Beispiel eine Vorkaufsrechtssatzung erlassen. Die Stadt hätte dann das Vorkaufsrecht, sobald ein Grundstück im betroffenen Gebiet (privat) verkauft werden soll.
Können die Bürger das Projekt vor Ort verhindern?
Jede Eigentümerin und jeder Eigentümer ist in seiner Verkaufsentscheidung frei. Zudem kann jeder – wie bei jedem anderen Bebauungsplan – das Verfahren aktiv begleiten und Stellungnahmen einreichen. Über die zukünftige Offenlegung der Pläne sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange informiert die Stadt Eisenach online. Der Hinweis zu den Bekanntmachungen ist gleich auf der Startseite zu finden.
Wer trifft die endgültige Entscheidung darüber, ob das „Blue Future Technologiegebiet“ in Stockhausen umgesetzt wird?
Der Stadtrat entscheidet darüber, ob die Stadtverwaltung einen Bebauungsplan für das „Blue Future Technologiegebiet“ aufstellen und einen städtebaulichen Vertrag mit dem Flächen-Entwickler schließen soll. Dieser Bebauungsplan wird dem Stadtrat während seiner Erarbeitung nochmals mehrfach zur Entscheidung vorgelegt. Erst wenn dieser rechtskräftig ist, hat die Unternehmensgruppe endgültig das Recht, die Fläche zu entwickeln und einen Investor für ein Rechenzentrum zu finden.
Bekäme die Stadt einen Ausgleich dafür, wenn sie ein solches Rechenzentrum ermöglicht?
Die Stadt wird Teil des Wachstumsmarktes Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Darüber hinaus hat der Flächen-Entwickler angekündigt, im Fall einer positiven Vermarktung eine Stiftung ins Leben zu rufen. Diese soll über ein Startkapital von drei Millionen Euro verfügen und gezielt soziale Projekte in Eisenach und der gesamten Region unterstützen.
Referenzprojekt in Großbritannien

Als Referenz für die Diskussion diente unter anderem ein genehmigter Rechenzentrums-Campus in Hertfordshire (England). Dort werden auf einem Gesamtareal von rund 85 Hektar – mit etwa 18,5 Hektar bebauter Fläche, wobei 54 Prozent der Fläche als Grünfläche erhalten bleiben – Investitionen in Höhe von rund 4,5 bis 5 Milliarden Euro verzeichnet. Die Energieversorgung am Standort ist mit bis zu 400 MVA sehr leistungsfähig ausgelegt, was langfristige Entwicklungsperspektiven ermöglicht. Das Projekt wurde zunächst vom Joint Venture DC01UK entwickelt und nach der Genehmigung an den internationalen Betreiber Equinix veräußert.
Für die Region dort werden erhebliche Impulse erwartet: jährliche kommunal relevante Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe, ein gesamtwirtschaftlicher Effekt von mehreren Milliarden über die Projektlaufzeit, zahlreiche Arbeitsplätze in der Bauphase sowie dauerhafte qualifizierte Stellen im Betrieb, zusätzlichen Investitionen in lokale Infrastrukturprojekte – verbunden mit einem hohen Grünflächenanteil und ökologischer Aufwertung.
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