Kunst im öffentlichen Raum

SKULPTUR ZUM 800. HOCHZEITSJUBILÄUM DER ELISABETH VON THÜRINGEN

 

DER WEG

 

HARDY RAUB, 2021

SANDSTEIN, BETON, GLAS

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DER ANLASS

 

Im Jahr 1221 heiratete der Thüringer Landgraf Ludwig IV. in der Eisenacher Georgenkirche die ungarische Königstochter Elisabeth. Zum 800. Hochzeitsjubiläum im Jahr 2021 wurden in der Predigerkirche unter dem Titel „Nun aber seid ihr Licht. Elisabeth“ verschiedene Kunstprojekte umgesetzt, in denen die mitwirkenden Künstler die Themen Licht und Raum – Liebe und Miteinander

in zeitgenössischer Form interpretierten.

 

Die Predigerkirche wurde um 1240 als eine der ersten Kirchen weltweit der bereits 1235 heiliggesprochenen Elisabeth und Johannes dem Täufer geweiht. Der Stifter, Landgraf Heinrich Raspe, Schwager der Elisabeth und Nachfolger Ludwigs IV., übergab die Kirche und das angrenzende Kloster dem Dominikanerorden.

 

Im Zuge der Reformation verließen die Dominikaner Eisenach. Eine der ersten Elisabeth-Kirchen weltweit wurde einer profanen Nutzung zugeführt, während im ebenfalls vakanten Kloster auf Anregung Martin Luthers die Eisenacher Lateinschule ihr Domizil fand.

 

Seit Gründung des Thüringer Museums Eisenach im Jahr 1899 wird die Predigerkirche museal genutzt. Sie beherbergt heute eine der wertvollsten Sammlungen mittelalterlicher Skulpturen in Mitteldeutschland. Sakraler Ort und Sammlung verbinden sich hier auf einzigartige Weise.

 

 

DIE IDEE. DER WEG

 

Die zeitgenössische Skulptur „Der Weg“ symbolisiert die Verbindung der Predigerkirche zu Elisabeth bereits im öffentlichen Raum und öffnet den Blick für eigene Assoziationen und Interpretationen.

 

Für das künstlerische Vorhaben konnte der Eisenacher Bildhauer Hardy Raub gewonnen werden. Er setzte sich bereits bei seinen ersten konzeptionellen Ideen zur Elisabeth-Skulptur konsequent mit den Themen Licht und Raum – Liebe und Miteinander auseinander.

 

Im Entstehungsprozess des Werkes und während der Auseinandersetzung mit dem Lebensweg Elisabeths war es die Nächstenliebe, die Hardy Raub als Grundlage eines echten Miteinanders durch sein Kunstwerk sichtbar machen wollte. Für diese Versinnbildlichung wählte der Bildhauer das Material Glas, sodass einfallendes Licht jeweils auf eine der beiden Säulen der Skulptur reflektiert wird. Durch die Morgen- und Abendsonne entsteht ein Wechselspiel, das immer wieder neue Sichtweisen möglich macht.

 

 

DIE BESCHREIBUNG

 

Die Skulptur besteht aus den Materialien Sandstein, Beton und Glas. Die beiden Sandsteine wurden in Anlehnung an die Herkunft Elisabeths aus Ungarn und an die Herkunft Ludwigs aus Thüringen erworben.

 

Die Wahl der Materialien verbindet sowohl Vergangenheit und Gegenwart. Der Mittelteil der Skulptur besteht aus Beton, einem Baustoff der Gegenwart. Die Oberfläche der Betonsäule ist im Gegensatz zu den Sandsteinsäulen nicht ebenmäßig. Dazu wurde der Beton in eine entsprechende Form gegossen, die eine an Baumrinde erinnernde Struktur geschaffen hat und eine stetige Veränderung der Oberfläche mit sich bringt. Der obere Abschluss ist aufgebrochen, scheint sich horizontal aufzulösen und symbolisiert somit die Vergänglichkeit.

 

Durch den linienartigen Durchbruch in der Mitte des Werkes entsteht ein Lichtweg, der mit übereinander geschichteten Glasscheiben ausgefüllt ist. Der Lichtweg symbolisiert die Lebenslinie, den Lebensweg Elisabeths.

 

Die beiden Stelen aus Sandstein, östlich ausgerichtet für Elisabeths und westlich ausgerichtet für Ludwigs Herkunft stehend, sind in gleicher Höhe erstellt und entsprechen mit 1,65 Meter der ungefähren durchschnittlichen Körpergröße der Menschen im Mittelalter.

 

Der Lichtweg, der für Hardy Raub mehr und mehr für Nächstenliebe steht, reflektiert die Morgensonne auf die Stele Ludwigs und die Abendsonne auf die Stele Elisabeths. Der Künstler interpretiert dies als ein Miteinander auf Augenhöhe. Das eigene „Licht“ weiterzugeben an den, der es braucht, ist für ihn die Interpretation der Nächstenliebe, weit über eine Paarbeziehung hinaus.

 

 

DIE ÜBERGABE

 

Der Prozess von ersten konzeptionellen Ideen bis zur Aufstellung des zeitgenössischen Kunstwerkes dauerte rund 15 Monate. Am 3. Oktober 2021 wurde die Elisabeth-Skulptur an der Nord-Ostseite der Predigerkirche von der Eisenacher Oberbürgermeisterin Katja Wolf im Beisein vieler Eisenacher*innen und mit Gästen aus der Partnerstadt Marburg feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

 

 

DER KÜNSTLER

 

Hardy Raub, geboren in Eisenach, arbeitet seit 1993 als Bildhauer. Er wirkte in zahlreichen internationalen Kunstprojekten mit und intensivierte seine Studien auf Fernreisen, die seine Kunst immer wieder neu prägten. Seine Werke werden sowohl national als auch international ausgestellt und wurden vielfach prämiert. Hardy Raub sieht seine Aufgabe als Bildhauer darin, organische Energie aus der Natur in einer Skulptur zu erfassen und sie über das Werk dahin zu bringen, wo sie gebraucht wird, um aus ihr Kraft zu schöpfen. Weitere Informationen

 

 

DIE GROSSZÜGIGE UNTERSTÜTZUNG

 

Ute Lieske, ehemalige Eisenacher Dezernentin und Bürgermeisterin a.D., unterstützte das Kunstprojekt mit einer privaten Spende von 6000 Euro und ermöglichte somit die Erstellung des Werkes. Ute Lieske ist seit Jahrzehnten der Predigerkirche und der Sammlung „Mittelalterliche Kunst in Thüringen“ verbunden.

 

Ursprünglich sollte die Skulptur vor Ort entstehen. Auf Grund von Bau- und Restaurierungsarbeiten an der Fassade der Predigerkirche entstand das Werk jedoch weitestgehend auf dem Firmengelände des Steinmetzbetriebes Schäfer in Eisenach.

 

Mit umfangreichen Sach- und Fachleistungen bei der Erstellung und beim Aufbau des Werkes unterstützte der Steinmetzbetrieb unter Leitung von Andreas Schäfer das Projekt ebenfalls auf großzügige Weise.

 

 

DIE PATENSCHAFT

 

Eine besondere Symbolik hat die Übernahme der Patenschaft für die Elisabeth-Skulptur durch Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums. Gemeinsam mit der Kunstlehrerin Andrea Girbardt,  haben Schüler eines Kunstkurses der Klassenstufe 11 die erste Patenschaft übernommen, die jeweils nach zwei Jahren an eine andere Klasse übergeht.

 

 

DIE PERSPEKTIVE

 

In den nächsten Jahren soll im Umfeld der Skulptur ein Bereich entstehen, der zum Verweilen einlädt. Neben einem neuen, nach Osten ausgerichteten Treppenaufgang sollen Bänke gestellt und das Areal an der gesamten Nordseite überarbeitet werden.

 

 

 

 

BESUCHEN SIE UNS

 

Dauerausstellung: „Mittelalterliche Kunst in Thüringen“ und wechselnde Sonderausstellungen

 

Öffnungszeiten bis 31.12.2021: Mi - So/Feiertage 10 Uhr - 17 Uhr

Öffnungszeiten ab 01.01.2022: Mi - So/Feiertage 10 Uhr - 13 Uhr (Änderungen vorbehalten)

 

Eintritt: 4 Euro/2 Euro, Gruppen ab 10 Personen 3 Euro/2 Euro, Kombikarte 9 Euro/5 Euro

 

Thüringer Museum Eisenach, Predigerkirche, Predigerplatz 2, 99817 Eisenach

Kontakt: Tel. 03691-784678, E-Mail