ANWOHNERVERSAMMLUNG: GROSSES INTERESSE AN DER WARTBURGARENA IM INDUSTRIEDENKMAL

So soll der Innenraum der Wartburgarena aussehen.

Blick in die Wartburgarena mit dem großen Spielfeld und dem besonderen Holztragwerk der Decke. © Stadt Eisenach/Büro RenderAtelier Architekturdarstellung Berlin

So soll die neue Wartburgarena aus Richtung Ehrhardt-Platz aussehen.

Straßenperspektive aus Richtung Ehrhardt-Platz: Die historische Fassade des Industriedenkmals wird erhalten. Davor werden Aufenthaltsflächen geschaffen. © Stadt Eisenach/Büro RenderAtelier Architekturdarstellung Berlin

So sieht die neue Halle aus Richtung Osten aus.

Das ist die Perspektive von der Hofseite her, also aus Richtung Osten. © Stadt Eisenach/Büro RenderAtelier Architekturdarstellung Berlin

Zahlreiche Menschen sind in einem Raum zu sehen.

Die Resonanz zur Anwohnerversammlung im Ehrhardt-Saal des Museums Automobile Welt Eisenach ist groß gewesen.

Blick in den Saal zur Anwohnerversammlung.

Oberbürgermeister Christoph Ihling sowie Claus Zuschlag und Martin Gensel von der Stabsstelle O1 der Stadtverwaltung beantworten die Fragen der Anwohnerinnen und Anwohner.

Oberbürgermeister Christoph Ihling sowie Claus Zuschlag und Martin Gensel von der Stabsstelle O1 der Stadtverwaltung haben am 8. Januar Anwohnerinnen und Anwohner über den aktuellen Stand des Großprojekts O1 informiert. Die Veranstaltung hat im Ehrhardt-Saal des Museums Automobile Welt Eisenach stattgefunden und war sehr gut besucht. 

 

Am Standort des Industriedenkmals O1 soll eine Multifunktionshalle entstehen, die dem Schul-, Vereins- und Profisport dient und ebenso für Veranstaltungen verschiedenster Art genutzt werden kann – von den Kommerschen des Sommergewinns über Konzerte bis zu Kongressen. 

 

Zentrale Fragen und Antworten sind hier zusammengefasst:

 

Warum ist das Großprojekt so wichtig für die Stadt?

Das 1934 errichtete Fabrikgebäude O1 steht für Eisenachs langjährige Geschichte als Stadt der Automobilbauer. Die Arbeit im Werk hat Generationen geprägt. Ebenso sorgte die Fahrzeugproduktion für wirtschaftlichen Aufschwung: Ganze Stadtviertel sind entstanden. „Wir stehen vor der Riesenherausforderung, Tradition mit neuer Funktion zu verbinden“, sagte Oberbürgermeister Ihling.

 

Die neue Halle wird für den Sportunterricht der Berufsschüler aus dem Berufsschulzentrum im nahen Palmental benötigt. Der Wartburgkreis plant, den dortigen Standort zu einem Zentrum für ganz Westthüringen auszubauen. „Unser gemeinsames Ziel ist es, jungen Menschen eine Ausbildung und später einen Arbeitsplatz in der Region zu bieten, damit sie nicht abwandern“, erklärte der Oberbürgermeister. 

 

Weiter benötigt die Erstliga-Mannschaft des ThSV Eisenach eine Heimstätte mit deutlich mehr Zuschauern als bisher. Aber auch andere Vereine werden in der Wartburgarena trainieren und Wettkämpfe austragen. „Wenn wir diese große Investition tätigen, muss die Halle am Ende noch mehr können“, verwies das Stadtoberhaupt auf die zusätzliche Nutzung für Veranstaltungen. Eisenach mit seiner zentralen Lage und der Verbindung zur Wartburg sei bereits in der Historie ein beliebter Ort für Tagungen und Kongresse gewesen. Daran wolle man wieder anknüpfen und in dem Zusammenhang auch die Funktion des Hauptbahnhofs und ICE-Halts stärken. 

 

Außerdem geht es um die Revitalisierung einer Industriebrache. Es handelt sich um rund 40.000 Quadratmeter, die aktuell kein gutes Erscheinungsbild abgeben. „Das Großprojekt wird dazu beitragen, das Stadtbild deutlich aufzuwerten und die nördlichen und südlichen Stadtteile besser miteinander zu verbinden“, zeigte sich der Oberbürgermeister überzeugt.

 

Was ist im Detail geplant?

Vom Industriedenkmal O1 wird am Ende die Westfassade, die in Richtung Ehrhardt-Platz zeigt, als sogenannter Kaltbau und Schaufassade stehenbleiben. Alles andere werden Neubauten sein. Auf der Nordseite in Richtung Museum und auf der Südseite in Richtung Außenstelle Landratsamt ist geplant, die historische Fassade unter Verwendung von Baumaterial aus dem Denkmal nachzubilden.

 

Besucherinnen und Besucher der Heimspiele des ThSV Eisenach und von Veranstaltungen gelangen über den Eingang auf der Westseite in das Foyer und zu den Garderoben. Weiter sind im Erdgeschoss links und rechts die Sanitärbereiche für die Gäste angeordnet.

 

Die Sanitärbereiche und Umkleidekabinen für Sportler, Trainer und Schiedsrichter sowie weitere Funktionsräume befinden sich auf der Ostseite in Richtung der Ostkantine O5. Der dortige Eingang wird im Grunde der Haupteingang, denn er wird werktags genutzt, während der Eingang auf der Westseite nur zu den großen Sport- oder Kulturveranstaltungen geöffnet ist.

 

Wie viele Zuschauer haben Platz?

Die Halle ist für 4000 Zuschauer ausgelegt, davon sind 1400 Stehplätze. „Das ist die zweitgrößte Stehplatz-Tribüne nach Flensburg“, machte Claus Zuschlag aufmerksam. Weiter wird es im ersten Obergeschoss in Richtung Osten noch einen Mehrzwecksaal mit 400 Plätzen geben. Davor sind die VIP-Sitzplätze angeordnet. Im zweiten Obergeschoss ist zudem ein Logenbereich vorgesehen. Gedacht ist an Kioske zur Versorgung an allen vier Ecken der Halle im ersten Obergeschoss. „Man muss die Halle nicht verlassen, wenn man etwas trinken oder essen möchte“, so Zuschlag. Eine weitere Besonderheit im ersten Obergeschoss ist ein Umgang um die Halle.

 

Wann beginnen die Bauarbeiten und ist mit einer Fertigstellung zu rechnen?

Erste Leistungen für vorbereitende Arbeiten waren im letzten Quartal 2025 ausgeschrieben. Die Aufträge sind inzwischen an Firmen erteilt. „Wir haben gute Partner gefunden“, versicherte Martin Gensel und erwähnte, dass die Angebote unter den kalkulierten Kosten geblieben sind. Ziel ist, die historische Westfassade so weit zu sichern, dass sie stehenbleibt, wenn rundherum der Abbruch beginnt. Diese Arbeiten werden sich von Februar bis Juli erstrecken. Danach beginnen die Abrisse. Ab November 2026 wird mit dem Roh- und Ausbau der Arena begonnen. Die Fertigstellung ist Ende 2028 geplant.

 

Wie hoch sind die Kosten und welche Fördermittel stehen zur Verfügung?

Die Gesamtkosten betragen 56,8 Millionen Euro. Davon entfallen 15,2 Millionen Euro auf den städtischen Haushalt. „Wir haben es mit einer komplizierten Förderkulisse zu tun“, machte Martin Gensel aufmerksam. Es gibt sechs Fördermittelgeber: Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (kurz EFRE), Bundesförderung, Städtebauförderung mit vier Einzelanträgen, Sportstättenförderung und Schuldendiensthilfe des Landes. Eine Zusage liegt außerdem für Fördermittel zur energetischen Sanierung vor.

 

Wo werden Parkplätze ausgewiesen?

Gemäß der Thüringer Bauordnung sind bei maximaler Besucherzahl 800 Pkw-Stellplätze und 333 Fahrradstellplätze nachzuweisen. In einem Radius von 750 Metern rund um die Wartburgarena stehen nach Berechnungen der Planer über 1800 Parkplätze zur Verfügung. In diesem Gebiet befinden sich neben dem City-Parkhaus Uferstraße und dem Parkhaus „Am Markt“ auch die Parkplätze in der Karl-Marx-Straße und im Einkaufszentrum „Tor zur Stadt“. Ebenso werden die Parkplätze der Dualen Hochschule am Wartenberg und vom Berufsschulzentrum im Palmental bei Veranstaltungen nutzbar sein.

 

Es wird auch davon ausgegangen, dass Besucherinnen und Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Nähe zum Hauptbahnhof und Busbahnhof), zu Fuß oder per Fahrrad kommen. Vorgesehen sind 160 Fahrradstellplätze mit festen Anlehnbügeln an der Ost- und Westseite der Halle sowie weitere rund 175 mobile Abstellplätze, die je nach Bedarf aufgebaut werden.

 

Weiter gibt es die Option, analog des historischen Weihnachtsmarkts auf der Wartburg einen Shuttleverkehr zwischen den Großparkplätzen an der Spicke/an der Katzenaue und der Wartburgarena am Ehrhardt-Platz einzurichten. 

 

Gibt es Planungen für den Ehrhardt-Platz?

Der Ehrhardt-Platz ist nicht in die Planungen einbezogen. „Wir wollten das Projekt nicht überfrachten“, sagte der Oberbürgermeister. Es handelt sich um eine städtische Fläche, die seiner Überzeugung nach in der Zukunft eine Nutzung erfährt. Aber zunächst wolle man das O1 umsetzen. Am Ehrhardt-Platz einen großen Parkplatz zu schaffen, hält das Stadtoberhaupt nicht für notwendig: Großveranstaltungen mit 4000 Zuschauern würden geschätzt nur an 30 Tagen im Jahr stattfinden. 

 

Weiter verwies Christoph Ihling darauf, dass parallel an einem digitalen Parkleitsystem für Eisenach gearbeitet wird. Perspektivisch sei bereits am Stadteingang ersichtlich, welche Großveranstaltungen stattfinden und wo es freie Parkplätze gibt.

 

Wie werden die verschiedenen Nutzungen in der Halle organisiert?

Für den Schulsport kann die Halle in drei nebeneinander liegende Felder eingeteilt werden, die über Vorhänge abtrennbar sind. Die Tribünen sind beim Schulsport eingefahren. Es handelt sich um Teleskop-Tribünen, die bei den Handballspielen oder anderen Sportwettkämpfen ausgefahren werden. Das große Spielfeld misst 20 mal 40 Meter, plus Sicherheitsabstände. Die 4000 Zuschauer sind laut Handballverband künftig die Mindestanforderung an eine Halle der ersten Bundesliga. Bei Veranstaltungen kann eine Bühne aufgebaut werden und ist es möglich, die Spielfläche zu bestuhlen. Die Kapazität liegt ebenfalls bei 4000 Zuschauern.

 

Welche energetischen Maßnahmen sind vorgesehen?

Auf dem Dach wird es eine Photovoltaik-Anlage geben. Die Raumtemperierung erfolgt über zwei große Wärmepumpen. Zur Spitzenlastabdeckung wird ein Gaskessel installiert.

 

Wie wird die Müllentsorgung organisiert?

Östlich vom Museum Automobile Welt Eisenach wird ein Wirtschaftshof eingerichtet. Der Standort ist unter anderem wegen der Nähe zur Cateringküche und zu den Lagerräumen der neuen Multifunktionshalle ausgewählt worden. Eine Müllpresse wird angeschafft. Mülleimer sollen dem Industriedenkmal angepasst werden und aus verrostetem Stahl bestehen. Überhaupt ist geplant, Bauelemente aus dem Denkmal zu integrieren. So sollen historische Stahlbalken zur Begrenzung der Außenanlagen dienen.

 

Was ist mit Schallschutz?

Die Untersuchungen zu Schallimmissionen füllen ein großes Dokument. Alles, was bis 22 Uhr passiert, ist unbedenklich. Ab 22 Uhr müssen organisatorische Maßnahmen getroffen werden. Dazu gehört, dass Fenster und Türen nicht offenstehen dürfen. Weiter ist beispielsweise dafür Sorge zu tragen, dass sich nach dem Ende einer Veranstaltung keine größeren Gruppen im Außenbereich aufhalten, sondern die Gäste zügig nach Hause gehen.

 

Wird an Menschen mit Behinderungen gedacht?

Es gibt einen speziell ausgestatteten Sanitärbereich, ebenso einen Aufzug über die Etagen der Halle. „Menschen mit Behinderungen sollen in der Halle Sport treiben können“, sagte Claus Zuschlag mit Verweis auf die erfolgreiche Mannschaft der Rollstuhl-Handballer des ThSV Eisenach.

 

Weitere Informationen zum Großprojekt gibt es hier.