Der historische Sitzpilz am südlichen Ufer des Eisenacher Prinzenteichs, auch Wetterpilz genannt, ist rekonstruiert und wieder nutzbar. Das rund 100 Jahre alte Wahrzeichen stellt einen bei Wanderern und Spaziergängern seit Generationen beliebten Rastplatz und Unterstand dar. Sein Name leitet sich von der auffälligen Pilzform ab.
Spendenaktion „Ein Pils für den Pilz“
Die runde Sitzbank des Unterstands war an mehreren Stellen gebrochen, so dass sich dort niemand mehr hinsetzen konnte. Des Weiteren blätterte überall die Farbe ab. Der Verein zur Erhaltung des Eisenacher Südviertels (kurz Südstadtverein) hat sich des Wahrzeichens angenommen, Spenden gesammelt und tatkräftig Hand angelegt. Unterstützt wurde er unter anderem von einem Freundeskreis um den Eisenacher Sven Raab, der sich traditionell an Himmelfahrt am Pilz trifft, um dort seine Wandertour zu starten. Unter dem Motto „Ein Pils für den Pilz“ schenkte die Gruppe Bier gegen Spenden aus und sammelte damit einen bedeutenden Betrag für die Sanierung.
Eichenholz aus dem Thüringer Wald
Für die neuen Sitzflächen wurden im Thüringer Wald alte, kräftige Eichen gefällt. Anschließend musste das Holz eine Zeit lang trocknen, damit es von Tischler Thomas Schremmer verarbeitet werden konnte. Bei der Unterkonstruktion der Rundbank und deren sicherer Verankerung im Boden unterstützten Beschäftigte der Naturpark-Meisterei des Naturparks Thüringer Wald e.V.
Der Eisenacher Restaurator Wolfgang Petzold untersuchte die historischen Farbschichten. In Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde wurde sich für die ursprüngliche Farbgebung in Grau- und Grüntönen entschieden. Die Farben sind originalgetreu nachgemischt worden. Mitglieder des Südstadtvereins haben bei drei Arbeitseinsätzen die alte Farbe abgespachtelt und abgeschliffen und sämtliche Holzteile neu gestrichen. Des Weiteren entfernten Mitarbeiter des städtischen Bauhofes Laub und Schmutz, sodass der Pilz wieder einladend wirkt.
Dank für das Gemeinschaftswerk
Am Mittwoch, 12. August, wurde der rekonstruierte Sitzpilz im Beisein von Oberbürgermeister Christoph Ihling und von Thomas Herrmann, Vorsitzender des Südstadtvereins, eingeweiht. „Das ist ein echtes Gemeinschaftswerk“, betonte Christoph Ihling und dankte allen Beteiligten für die großzügige Hilfe und das ehrenamtliche Engagement.
„Dank der tatkräftigen Unterstützung erhalten wir ein wahres Kleinod sowohl für unsere Bürgerinnen und Bürger als auch für die Gäste unserer Stadt“, sagte der Oberbürgermeister. Auch Thomas Herrmann bedankte sich bei seinen Mitstreitern und Unterstützern und hob besonders die Spendenaktion „Ein Pils für den Pilz“ hervor. Gleichzeitig äußerte er den Wunsch, dass sich noch mehr Menschen aktiv für den Erhalt des Südviertels einsetzen und im gleichnamigen Verein engagieren.
Der Wetterpilz bietet den Besucherinnen und Besuchern nun wieder einen gemütlichen Platz zum Ausruhen – ein Symbol für Gemeinschaftssinn und den Erhalt lokaler Geschichte.




