Die Erfolgsgeschichte begann vor vielen Jahren in Berlin: Nadine Raßbach und Indra Trefzer waren zeitgleich Mütter geworden und gründeten gemeinsam ihr erstes Unternehmen. Anfangs haben sie weiße Mulltücher bunt eingefärbt, gebügelt und hübsch verpackt an ihre Kundinnen versendet. „Vom ersten Tag an haben wir gut verkauft“, berichtet Nadine Raßbach beim Besuch von Oberbürgermeister Christoph Ihling. Auf seiner Sommertour schaute er sich den bentoshop an, der in Räumlichkeiten der ehemaligen Firma Mitec in der Eisenacher Rennbahn ansässig ist.
Essen für unterwegs
Nadine Raßbach, eine gebürtige Eisenacherin, zog es in die Heimat zurück, während ihre aus Lettland stammende Geschäftspartnerin, Indra Trefzer, in Berlin geblieben ist. Ihre gemeinsame Firma, die den bentoshop betreibt, heißt divata. Das ist Lettisch und bedeutet so viel wie „zu zweit“. „Das ist unser Motto, wir besprechen und entscheiden alles zu zweit“, sagt Nadine Raßbach.
Mit der Zeit entwickelten die beiden Unternehmerinnen ihr Geschäft weiter und erschlossen neue Geschäftsfelder. Mit dem Kauf der Domaine bentoshop.de begann die Spezialisierung auf Produkte rund um Essen und Trinken unterwegs. Zunächst importierten sie Waren internationaler Marken, für die sie Potenzial auf dem deutschen Markt sahen.
Lunchbox spart Verpackungsmüll
Das Hauptgeschäft sind Lunchboxen mit verschiedenen Fächern, in denen unterschiedliche Lebensmittel getrennt voneinander transportiert werden können. So lassen sich abwechslungsreiche Mahlzeiten unkompliziert für Kindergarten, Schule oder Büro vorbereiten. Wiederverwendbare Lunchboxen helfen zudem dabei, Einwegverpackungen zu vermeiden. Ergänzt wird das Sortiment durch Trinkflaschen und vielfältiges Zubehör.
Japan ist das Vorbild
Der Name bentoshop geht auf die japanische Bento-Tradition zurück, bei der verschiedene Bestandteile einer Mahlzeit in einer unterteilten Box angerichtet und transportiert werden. Aus Japan kommen auch Food-Picks, die gerade hoch im Kurs bei den Kunden stehen. Das sind kleine Spießchen für Fingerfood oder Buffets mit lustigen oder zur Jahreszeit passenden Motiven.
Anfangs haben die beiden Frauen die Waren vor allem aus Japan importiert. Später sind Lieferanten aus weiteren Ländern dazu gekommen, aus den USA, Australien, Schweden oder Frankreich. „Zu einigen haben wir persönliche Kontakte. In diesem Jahr haben wir unseren langjährigen Geschäftspartner in Japan persönlich kennengelernt“, erzählt Nadine Raßbach.
Eigene Produkte erobern den Markt
Eine immer größere Rolle spielt inzwischen die Eigenmarke LEKKABOX®. Unter dieser Marke entwickelt divata eigene Lunchboxen, Trinkflaschen und passendes Zubehör. Ideen und Produktkonzepte entstehen in Eisenach und werden gemeinsam mit Produktionspartnern umgesetzt.
Produziert wird derzeit überwiegend in China. Gleichzeitig können sich die Unternehmerinnen gut vorstellen, künftig auch mit Produktionspartnern in Europa, Deutschland und Thüringen zusammenzuarbeiten. Bislang scheiterten entsprechende Ansätze vor allem an den erforderlichen Stückzahlen und Kosten. Auch Nadine Raßbachs Mann Jan ist inzwischen im Unternehmen tätig. Mit Blick auf eine mögliche Produktion in Europa ergänzt er: „Oft fehlt es vor allem an der notwendigen Flexibilität“.
Hersteller in Thüringen gesucht
Oberbürgermeister Ihling betont im Gespräch mit den Unternehmern, dass die städtische Wirtschaftsförderung bei der Suche nach Lösungen gern unterstützend zur Seite steht. In Eisenach und der Region sind zahlreiche Metallbau- und Kunststoffunternehmen ansässig, die nach neuen Geschäftsfeldern und Produkten suchen, um ihre Abhängigkeit als Zulieferer der Automobilindustrie zu verringern. Ihling hält es für möglich, dass sich daraus Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit ergeben.
Wirtschaftsförderer Michael Frisch berichtet zudem von einem für Oktober geplanten Netzwerktreffen und lädt Nadine und Jan Raßbach herzlich ins Gründer- und Innovationszentrum Stedtfeld ein. Beide zeigen großes Interesse, mit anderen Unternehmern ins Gespräch zu kommen und neue Kontakte in der Region zu knüpfen.
Jüngst ist eine Geschäftskundin in Island dazu gekommen
Sogar vor Ort in Eisenach sind Produkte von divata im stationären Handel zu finden: im Geschäft „Die Murmel“ am Johannesplatz sowie im „Zucker und Zimt“ am Markt, wo der LEKKABOX®Mini-Joghurt-Löffel kurzerhand als Eis-Löffel zum Einsatz kommt.
Weitere Produktideen entstehen ebenfalls in Eisenach. Mit Unterstützung einer 3D-Grafikerin werden erste Entwürfe entwickelt und anschließend als Prototypen im 3D-Druck umgesetzt. Neben dem eigenen Onlineshop verkauft divata über verschiedene Marktplätze. Gleichzeitig wächst das Händlergeschäft: Mittlerweile werden Geschäftskunden in zahlreichen europäischen Ländern mit LEKKABOX®-Produkten beliefert. Jüngst kam eine Händlerin in Island hinzu.
Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind beschäftigt
Anlieferung, Lagerung und Versand erfolgen vollständig am Standort Eisenach. Inzwischen sind dort zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Hochsaison ist im Juli, August und September – passend zum Schulanfang in den einzelnen Bundesländern. Dann werden auch Aushilfen eingestellt, um den Ansturm zu bewältigen.
„Wir freuen uns sehr, dass sich in Eisenach ein innovativer Online-Shop etabliert hat, der seine gesamte Logistik hier vor Ort betreibt. Mit seiner Spezialisierung auf mobile Lösungen für Essen und Trinken trifft das Unternehmen den Bedarf moderner Konsumenten und unterstreicht zugleich Eisenachs Bedeutung als serviceorientierter Wirtschaftsstandort. Für die weitere Entwicklung wünschen wir dem Unternehmen viel Erfolg“, betont der Oberbürgermeister.
Informationen zur städtischen Wirtschaftsförderung gibt es hier.


