SCHMALES HAUS ÖFFNET AM TAG DES OFFENEN DENKMALS SEINE PFORTEN

Zwei Männer im Jackett stehen in einem schmalen Raum. Wenige Holzmöbel sind erkennbar.

Bürgermeister Steffen Liebendörfer (links) und Manuel Hase von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im ersten Obergeschoss: Nur wenige Möbel erinnern noch an den einstigen Bewohner des „Schmalen Hauses“.

Ein sehr schmales Haus mit einer bemalten Fassade steht zwischen zwei großen Gebäuden.

Fassade des Schmalen Hauses

Eine Holztür steht leicht offen. Dahinter ist eine Küche erkennbar. Vor der Tür hängen an der Wand ein Frack, ein Zylinder und ein Spazierstock.

Impression: Blick in die Küche im Hinterhaus

Das „Schmale Haus“ am Johannesplatz 9 ist am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September 2026, von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. Angeboten werden Führungen durch die weitestgehend beräumten Räumlichkeiten. Das Kleinod in der Eisenacher Innenstadt misst gerade mal 2,05 Meter in der Breite, 7,50 Meter in der Tiefe und 8,50 Meter in der Höhe. Die Eisenacher bezeichnen es gern als ihr „Handtuch“. Im Inneren ist es noch schmaler als es die äußeren Ausmaße erahnen lassen: Dort kann ein mittelgroßer Erwachsener mit ausgestreckten Händen beide Wände berühren.

 

Nach dem Tod seines langjährigen letzten Besitzers und Bewohners, Klaus Trippstein, übernahm im Jahr 2020 die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gemeinsam mit ihrer treuhänderischen Denkmalstiftung Eisenach die Verantwortung für den Erhalt des rund 250 Jahre alten Fachwerk-Reihenhauses.

 

Inventarisierung ist abgeschlossen

Im vergangenen Winter ist das Dach wetterfest gemacht worden. Mittels eines virtuellen 3D-Modells wurde ein digitaler Rundgang durch das „Schmale Haus“ erstellt. Des Weiteren sind zahlreiche Objekte aus dem Musikzimmer des letzten Eigentümers als Dauerleihgaben an das „Lippmann+Rau-Musikarchiv“ für Jazz und populäre Musik übergeben und bereits inventarisiert worden. 

 

Die Inventarisierung des vorhandenen Kunstguts und von weiteren Objekten wurde in der ersten Jahreshälfte 2026 fortgesetzt und ist inzwischen abgeschlossen. Weit über 400 Einzelobjekte sind dokumentiert und erfasst. Die betreffenden Gegenstände wurden in das Interimsdepot überführt. Teilweise wurden Objekte auch an die Familie oder ehemalige Weggefährten von Klaus Trippstein übereignet. Das „Schmale Haus“ wurde somit Objekt für Objekt immer leerer.

 

Darüber hinaus ist die Dachentwässerung erneuert worden. So wurde ein Regenfallrohr in einer Hohlkehle des Nachbarhauses verlegt und erhielt einen neuen Kanalisationsanschluss. In diesem Zusammenhang bedankt sich die Denkmalstiftung Eisenach bei der Geschäftsführung vom Kaufhaus Schwager als direkter Nachbar für die Zustimmung zu den Arbeiten.

 

Gutachten empfiehlt Instandsetzung der Fassade

Die Kosten sind aus einem Sonderetat der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanziert worden. In Abstimmung mit der Stadtverwaltung Eisenach hat außerdem Restauratorin Annemarie Grimm-Strangfeld den Zustand und die Farbigkeit der Fassade untersucht. Auf der Grundlage dieser Befunduntersuchung wird dringend eine Instandsetzung der Fassade inklusive Aufarbeitung der Fenster und Türen empfohlen. Dazu gehört ein spezieller Anstrich nach vorheriger Reinigung. Außerdem sollten die Holzsubstanz in stark geschädigten Bereichen ersetzt und in weniger geschädigten Bereichen ergänzt sowie gelockertes Schnitzwerk wieder fachgerecht befestigt werden.

 

Das „Schmale Haus“ hat eine wechselvolle Geschichte

Errichtet wurde das „Schmale Haus“ in der Mitte des 18. Jahrhunderts als einfache Lückenbebauung einer ehemaligen Tordurchfahrt. Um 1902 wurden die Nachbargebäude abgerissen und durch neue, um zwei Geschosse und üppige Mansarddächer aufgestockte Neubauten ersetzt. Doch der damalige Eigentümer, Wilhelm Köhler, wollte das „Schmale Haus“ nicht abreißen. Da der Johannesplatz 9 aber statisch konstruktiv mit den Nachbargebäuden verbunden war, waren tiefgreifende Umbauten notwendig. 

 

Das damals sehr einfach gestaltete Haus erhielt außerdem eine aufwendig gestaltete Fachwerkfassade mit Elementen des Jugendstils und der Renaissance. Damit sollte es zwischen den Neubauten hervorstechen. In diesem Zuge erfolgte außerdem der Ausbau des Dachgeschosses zu einer vollständigen Etage, die Rücknahme des vorragenden ersten Obergeschosses in eine einheitliche Fassadenflucht und der Aufsatz eines freitragenden Giebels mit schneckenförmigen Zierelementen.

 

Spenden werden benötigt

Der gute Geschäftsstandort und die Kuriosität seiner Bauform sicherten dem „Schmalen Haus“ ein Bestehen über die Jahrhunderte hinweg. Neben Wohnräumen und einer kleinen Werkstatt beherbergte das „Handtuch“ auch verschiedene Obst- und Gemüsehandlungen. Klaus Trippstein ist es zu verdanken, dass das Kleinod während der DDR-Zeit vor dem Abriss bewahrt worden ist. Er kaufte das „Schmale Haus“ 1973 und restaurierte es gemeinsam mit Freunden. Außerdem etablierte er einen privaten Treffpunkt des Eisenacher Stadtlebens: Die „Montagsrunde“ diskutierte über zeitgeschichtliche, politische und philosophische Themen.

 

Damit das „Schmale Haus“ weiter zu den innerstädtischen Sehenswürdigkeiten gehören kann, werden Spenden benötigt. Am Tag des offenen Denkmals wird beispielsweise ein Tischaufsteller den Besucherinnen und Besuchern eine einfache Möglichkeit bieten, die weitere denkmalgerechte Instandsetzung finanziell zu unterstützen. „Helfen Sie mit, das ,Schmale Haus‘ langfristig zu bewahren“, lautet der Appell von Eisenachs Bürgermeister Steffen Liebendörfer, gleichzeitig Vorstand der Denkmalstiftung Eisenach.

 

Spendenkonto, virtueller Rundgang und weitere Informationen 

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