Schätze des Thüringer Museums Eisenach: Wiederentdecktes Kunstwerk aus dem Jahr 1874

Karton, der eine formatgleiche Vorzeichnung zum so genannten Sgrafitto am Haus Wahnfried in Bayreuth ist

Interessantes zu einem im Thüringer Museum wiederentdeckten Kunstwerk aus den Jahren 1873/1874 präsentiert Museumsleiterin Dr. Annika Johannsen Mitte Juni in Weimar. Im Festsaal des Goethe-Nationalmuseums findet am 14. und 15. Juni die internationale musikwissenschaftliche Tagung „Wagner-Weimar-Eisenach. Wechselwirkungen und Spannungsfelder zwischen Kultur und Politik“ statt. Als Kooperationspartner – die Stadt Eisenach und die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar arbeiten seit Jahren an einem gemeinsamen Forschungsprojekt zur Erschließung der sogenannten Oesterlein-Sammlung des Reuter-Wagner-Museums in Eisenach – wird Dr. Annika Johannsen an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. Die Eisenacher Museumsleiterin wird dabei aus dem Blickwinkel des Museums die Aufgaben und Herausforderungen darstellen, die sich mit der wissenschaftlichen Bearbeitung der Oesterlein-Sammlung für das Thüringer Museum Eisenach und das Reuter-Wagner-Museum ergeben.

 

Im Mittelpunkt für Eisenach steht aber der Vortrag von Dr. Johannsen zu einem Werk aus der Museumssammlung. Dabei handelt es sich um einen Karton, der vor einigen Jahren auf dem Dachboden der Reuter-Villa gefunden wurde. Der Karton selbst ist eine formatgleiche Vorzeichnung zum so genannten Sgrafitto am Haus Wahnfried in Bayreuth. Ein Sgrafitto ist eine Dekorationstechnik zum Bearbeiten von Wandflächen. Nach der Auflage verschiedenfarbiger Putzschichten werden Teile der oberen Putzschicht abgekratzt und Teile der darunterliegenden Putzschicht freigelegt, sodass durch den Farbkontrast ein Bild erzeugt wird. „Der Karton wurde dem Reuter-Wagner-Museum offenbar zur Museumsgründung vom Künstler selbst geschenkt und war hier trotz seiner Größe von 4,30 mal 2,80 Metern wohl über einige Jahre in der damaligen Wagner-Ausstellung in den heute wieder Fritz Reuter gewidmeten Räumen der Beletage ausgestellt. Danach geriet er in Vergessenheit und wurde erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt“, erklärt Dr. Annika Johannsen.

 

Bekannt ist, dass Karton und das Bayreuther Sgraffito von dem Weimarer Künstler Robert Isidor Krauße geschaffen wurden. Krauße lebte später in München und Dresden. Krauße erhielt den Auftrag zum Sgraffito von Richard Wagner selbst und fertigte den Karton zwischen 1873 und 1874, das Sgraffito wurde 1874 gefertigt. Dargestellt sind – wie Wagner selbst schreibt – der „germanische Mythos“ zwischen den Personifikationen der antiken Tragödie und der Musik, die in Gestalt des früh verstorbenen und von Wagner verehrten Opernsängers Ludwig Schnorr von Carolsfeld sowie der Opernsängerin Wilhelmine Schröder-Devrient und Cosima Wagner gezeigt werden. Wagners Sohn Siegfried steht als Knabe neben seiner Mutter.

 

Terminhinweis:

Internationale musikwissenschaftliche Tagung „Wagner-Weimar-Eisenach.
Wechselwirkungen und Spannungsfelder zwischen Kultur und Politik“
Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena
14. und 15. Juni, Festsaal Goethe-Nationalmuseum Weimar