Eine Delegation aus Eisenach unter der Leitung von Oberbürgermeister Christoph Ihling hat eine Legehennenanlage in der Gemeinde Saerbeck sowie die Biogasanlage Guntrup östlich der Stadt Greven im Münsterland in Nordrhein-Westfalen besucht. An der Exkursion haben Mitglieder des Eisenacher Stadtrats, beratende Bürger aus den Ausschüssen, Ortsteilbürgermeister und Mitarbeiter der Stadtverwaltung ebenso teilgenommen wie Vertreter der Eisenacher Versorgungs-Betriebe (EVB) und der Thüringer Energie AG (TEAG).
Den Gästen aus Thüringen ist unter anderem gezeigt worden, wie Hühnertrockenkot, Gülle und Mist aus den verschiedenen Tierhaltungen der Region Münsterland zur Biogasproduktion verwendet werden. Das erzeugte Gas wird in mehreren Blockheizkraftwerken in Strom und Wärme umgewandelt und ins örtliche Netz eines Energieversorgers eingespeist. So entsteht ein geschlossener Kreislauf.
Nachnutzung für Landwirtschafts-Betrieb auf dem Reitenberg
Ein ähnliches Vorhaben soll in Eisenach umgesetzt werden. Die Investoren aus Nordrhein-Westfalen wollen die einst für Milchvieh genutzten Ställe des Landwirtschaftlichen Unternehmens (LUM) auf dem Reitenberg nahe des Eisenacher Ortsteils Neukirchen zur Haltung von Legehennen umbauen und modernisieren. Das soll mit einer Biogasanlage kombiniert werden, deren Standort im Ortsteil Stregda, zwischen dem derzeitigen Gewerbegebiet an der Landes- und Kreisstraße und der Stadtautobahn, geplant ist. Das Terrain wird aktuell als Ackerland genutzt. Die Aufstellung eines Bebauungsplans „Biogaserzeugung Stregda“ ist ebenso notwendig, wie die Änderung des Flächennutzungsplans, der für das Gebiet eine landwirtschaftliche Nutzung ausweist.
Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit sollen geprüft werden
„Wir möchten die Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit für Eisenach prüfen“, nennt der Oberbürgermeister das Ziel des Bebauungsplanverfahrens, das er so schnell wie möglich auf den Weg bringen möchte. Dazu wird der Stadtrat am 1. Juli entscheiden. „Das ist eine Chance für die Energiewende“, betont Ihling. Sowohl das Klimaschutzkonzept als auch der ergänzende Kommunale Wärmeleitplan der Stadt Eisenach sehen vor, die Energieversorgung bis 2040 klimaneutral auszurichten. Nach Ansicht des Oberbürgermeisters ist die Nutzung von Biomasse und Biogas als lokal erneuerbare Energiequellen eine Alternative zu den Windkraftanlagen und den Solarparks, die einerseits das Landschaftsbild dominieren und andererseits viel Fläche in Anspruch nehmen.
Von der Legehennenanlage hatte Christoph Ihling übrigens einen guten Eindruck: „Die modernen Hühnerställe sind mit Luftwäschern kombiniert und emissionsarm. Außerhalb des Stalls war kaum mehr etwas zu riechen“.
Die neue Tierhaltungsanlage auf dem Reitenberg soll nach Auskunft der Investoren am alten Betriebsstandort der Milchviehanlage neu entstehen. Wenn der Nachweis erbracht ist, dass sie ein landwirtschaftlicher Betrieb ist, wäre dort kein Bebauungsplanverfahren notwendig. Für den Standort der zukünftigen Biogasanlage im Außenbereich wird das aber zwingend erforderlich. Darüber hinaus müssen beide Anlagen durch das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz als obere Immissionsschutzbehörde genehmigt werden.




