EISENACH ERINNERT AN DEN VOLKSAUFSTAND VOM 17. JUNI 1953

Bürermeister Steffen Leibendörfer hält ein Grußwort vor der Gedenktafel.

Bürgermeister Steffen Liebendörfer hat zur Gedenkveranstaltung am 17. Juni ein Grußwort gehalten.

Die Stadtverwaltung Eisenach hat sich am Gedenken zum 17. Juni beteiligt. Der 17. Juni ist ein nationaler Gedenktag in Deutschland und erinnert an den Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953. Damals gingen rund eine Million Menschen gegen das SED-Regime auf die Straße, um für Freiheit und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu demonstrieren. Der Aufstand wurde jedoch gewaltsam  niedergeschlagen.

 

Die Gedenkveranstaltung in Eisenach stand in diesem Jahr unter dem Motto „Die Revolution ist unvollendet geblieben. Aber umsonst war sie keineswegs“. Hauptrednerin war die Landtagsabgeordnete Ulrike Jary. Bürgermeister Steffen Liebendörfer hat in seinem Grußwort das diesjährige Leitmotiv aufgenommen.

 

Grußwort des Eisenacher Bürgermeisters

„Freiheit ist kein Besitz, den man einmal erwirbt und dann verwahrt, sondern eine Aufgabe, die nie ganz erledigt ist“, sagte der Bürgermeister. Wer die Freiheit für einen Besitz halte, behandele sie wie ein Erbstück, das sicher im Schrank aufbewahrt und nur gelegentlich hervorgeholt werde. Wer sie hingegen als Aufgabe verstehe, wisse, dass sie nur erhalten bleibt, wenn sie täglich gelebt und verteidigt wird.

 

Die Menschen, die am 17. Juni 1953 aufbegehrten, hätten diese Freiheit nicht besessen, aber sie hätten sie eingefordert und für sie gekämpft. Liebendörfer betonte, dass die nachfolgenden Generationen die Verantwortung tragen, das Vermächtnis der Opfer des Volksaufstands zu bewahren. Freiheit sei eines der höchsten Güter einer Gesellschaft – und sie habe ihren Preis. Wenn Wachsamkeit und Entschlossenheit als zu aufwendig oder zu teuer angesehen würden, könne dies langfristig schwerwiegende Folgen haben, so der Redner.

 

Der Pianist Elias Fischer hat die Gedenkveranstaltung musikalisch gestaltet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer legten Blumengebinde an der Gedenktafel am Theaterplatz nieder.

 

Gedenktafel erinnert an das Schicksal junger Eisenacher

Die Tafel erinnert an 33 Jugendliche aus Eisenach, die im Oktober 1945 von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet worden sind. Drei Monate später verurteilte ein sowjetisches Militärtribunal die jungen Menschen in einem geheimen Schnellverfahren wegen „antisowjetischer Betätigung“.  Das Urteil lautete auf Tod durch Erschießen.

 

Neun der Jugendlichen wurden hingerichtet. Die übrigen erhielten langjährige Haftstrafen in Arbeitslagern. Erst 1994 rehabilitierte die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation die zu Unrecht Verurteilten.

 

Auf Initiative der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. wurde 1998 die Gedenktafel am Theaterplatz in der Nähe des ehemaligen Gerichtsgefängnisses enthüllt. Sie erinnert bis heute an das Schicksal der Jugendlichen und mahnt, die Bedeutung von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit nicht zu vergessen.