VERMÄCHTNIS: GEMEINSAM POTENZIAL AM ELISABETH-ORT HEBEN

Sieben Männer mit Urkunden in den Händen stehen vor einem Wandbild (Graffiti).

Landrat a.D. Reinhard Krebs (v.l.), Burghauptmann Prof. Dr. Martin Eberle, Oberbürgermeister Christoph Ihling, Superintendent Ralf-Peter Fuchs, Pfarrer Dr. Armin Pöhlmann, Pfarrer Dr. Christian Bock und Tino Schulz, Geschäftsführer der EWT

Ein Mann im grauen Anzug sitzt an einem Holztisch, auf dem ein Blumenstrauß steht. Er unterschreibt ein Dokument. Hinter ihm ist ein mittelalterlicher Altar zu sehen.

Oberbürgermeister Christoph Ihling unterschreibt die Elisabeth Charta.

Bach kann man hören, Luther kann man lesen – Elisabeth von Thüringen hingegen erschließt sich durch die Tat. Diesem Gedanken folgend, haben sich in Eisenach Kirchen, Stadt, Wartburg-Stiftung und Tourismuswirtschaft zusammengefunden, um das Erbe der Heiligen Elisabeth in der Stadt sichtbar, wirksam und dauerhaft zu machen. So unterzeichneten die Beteiligten in dieser Woche die „Charta der Freundinnen und Freunde der Heiligen Elisabeth“ – passend in der Predigerkirche, dem authentischen Elisabeth-Ort. Diese gilt als vermutlich erste der ökumenischen Heiligen und Thüringer Landgräfin geweihte Kirche weltweit.

 

Zwischen Ikone und touristischem Kraftort

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, sagt Oberbürgermeister Christoph Ihling. Inhaltlich habe die Stadt die Predigerkirche zuletzt neu ausgerichtet und auch baulich aufgewertet. Elisabeth sei eine Brückenbauerin gewesen, die universelle Werte der Barmherzigkeit auf beeindruckende Weise gelebt habe. Toni Schulz, Geschäftsführer der Eisenach-Wartburgregion Touristik GmbH, greift das auf: „Wir sehen, welche Strahlkraft beispielsweise der Jakobsweg in anderen Ländern hat. Wir in Eisenach möchten alle unsere Schätze zeigen und die Regionen, die historisch mit uns verbunden sind, touristisch vernetzen.“ 

 

Dieses Potenzial reiche weit über Thüringen und Deutschland hinaus, ist der ehemalige Landrat Reinhard Krebs überzeugt. „Elisabeth ist eine europäische Heilige, die weltweit verehrt wird. Die Ausstrahlung, die das entfalten kann, können wir jetzt noch gar nicht erahnen.“ Prof. Dr. Martin Eberle, Burghauptmann der Wartburg, bringt einen weiteren Aspekt ein. „Elisabeth wirkt über die Religion hinaus, weil sie bei den Menschen war.“ Und das denkt er nicht nur, wenn er ihr Vermächtnis in der Elisabeth-Kemenate im Palais, an deren Wänden über eine Million Mosaiksteine aus Glas, Blattgold und Perlmutt Stationen ihres Lebens erzählen, auf sich wirken lässt. „Elisabeth war eine starke Frau. Sie steht für die Liebe, nicht nur die Nächstenliebe.“ 

 

Vorausschau: 800 Jahre Elisabeth

Leitwort der Charta ist ein Satz, der Elisabeth von der Überlieferung zugeschrieben wird: „Man soll die Menschen froh machen.“ Darüber hinaus definiert der Text vier Leitlinien:

 

  • Elisabeth als verbindende Gestalt über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg zu begreifen,

  • junges Ehrenamt gezielt zu fördern, 

  • die touristische Anziehungskraft des Themas mit gelebter Gegenwart zu verbinden

  • und das Erbe glaubwürdig mit heutigen Geschichten weiterzuerzählen. 

     

Erklärtes Ziel ist dabei, schon jetzt Vorbereitungen für die anstehenden Feierlichkeiten zu treffen: So jährt sich Elisabeths Tod im Jahr 2031 zum 800. Mal. 2035 wird an 800 Jahre Heiligsprechung erinnert.

 

Damit knüpft die Initiative an den „Letter of Intent“ an, den die Stadt bereits 2020 gemeinsam mit dem Bistum Erfurt und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vereinbart hatte. „Wir waren auf einem guten Weg – und dann kam Corona“, resümiert Ralf-Peter Fuchs, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Eisenach-Gerstungen, der die Wiederaufnahme der Bemühungen ausgesprochen begrüßt. Zum ersten Gespräch lud Dr. Christian Bock, Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth Eisenach, ein. Dr. Armin Pöhlmann, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Eisenach, folgte dem gern. 

 

Elisabeth-Tafel, Ausstellung und Gottesdienst

Konkret wurde es bereits im Sommer. Am 13. August 2026 luden Caritas und Diakonie zur Elisabeth-Tafel auf den Marktplatz ein. Sie soll künftig jährlich stattfinden. Am 15. November 2026 wird in der Predigerkirche die Kabinettausstellung „Elisabeth – Die Sehnsucht nach der Fassbarkeit“ eröffnet. An ihrem Gedenktag, dem 19. November 2026, feiern die Kirchen um 17 Uhr auf der Wartburg einen ökumenischen Gottesdienst, der künftig jährlich eine Einrichtung in den Blick nimmt, die heute auf den Spuren Elisabeths wirkt. Am 7. Juli 2027, Elisabeths Geburtstag, soll erstmals ein Elisabeth-Tag als jährlicher Höhepunkt in Eisenach begangen werden. An diesem Tag erhalten alle Personen mit dem Vornamen Elisabeth freien Eintritt auf der Wartburg und in der Predigerkirche.

 

Hintergrund: Elisabeth von Thüringen, 1207 in Sárospatak (Ungarn) geboren, kam im Jahr 1211 nach Thüringen und lebte sowohl auf der Wartburg in Eisenach als auch auf der nahegelegenen Creuzburg. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Landgraf Ludwig gründete sie Hospitäler und setzte sich für die Armenfürsorge ein. Nach dessen tragischem Tod floh sie nach Marburg, wo sie 1231 starb. Bereits 1235 wurde sie heiliggesprochen. Heute wird sie als ökumenische Heilige verehrt. Als Landespatronin Thüringens und Hessens reicht ihre Strahlkraft weit über die Kirchen hinaus: Sie gilt weltweit als Vorbild der Nächstenliebe.

 

Elisabeth Charta im Volltext