Eisenach ist die Stadt in Thüringen, bei der im Falle eines Jahrhunderthochwassers die größten Schäden zu erwarten sind. Deshalb setzt das Land Thüringen entlang von Hörsel und Nesse seit mehreren Jahren einen umfangreichen Hochwasserschutz um.
Im Ausschuss für Infrastruktur, Stadtentwicklung, Klima und Verkehr ist kürzlich zu bevorstehenden Vorhaben informiert worden. Diese betreffen die Tiefenbacher Allee. Wie ein Vertreter des Thüringer Landesamts für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) erläuterte, ist die Ausführungsplanung im Wesentlichen erarbeitet. Im nächsten Jahr soll gebaut werden.
Die Tiefenbacher Allee wird künftig nicht mehr in Gehweg und Fahrbahn unterteilt, sondern zur Mischverkehrsfläche, die gemeinsam und gleichberechtigt von allen Verkehrsteilnehmern genutzt wird. Geplant ist ein verkehrsberuhigter Bereich. Radfahrer können den Unterhaltungsweg für die Anlagen des Hochwasserschutzes nutzen, der separat angelegt wird und unmittelbar an der Hörsel entlangführt.
Mobile Barrieren sind die Ausnahme
Im westlichen Abschnitt der Tiefenbacher Allee (aus Richtung Katzenaue) wird eine Hochwasserschutzwand errichtet, die bis zur Einmündung der Straße „Am Wartenberg“ reicht. Die Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Hörsel im Bereich Max-Reger-Hof wird abgerissen, weil sie bei Hochwasser nicht hoch genug wäre. Der Neubau rückt einige Meter weiter in Richtung Westen und schließt künftig direkt an die Wilhelm-Rinkens-Straße an.
Die Hochwasserschutzwand im westlichen Abschnitt ist vergleichsweise hoch und versperrt dadurch die bisherige Sicht auf die Hörsel. An einer Stelle – in der Nähe der alten, großen Kastanie – wird die Wand unterbrochen, damit ein Geh- und Radweg die Hochwasserschutzmauer queren kann und der Ausblick auf das Gewässer erhalten bleibt. Bei Hochwasser wird diese Öffnung mit einer mobilen Barriere verschlossen. Laut TLUBN sind solche mobilen Barrieren allerdings die Ausnahme. Der Grund: Im Hochwasserfall bleibt nur wenig Zeit, um die Öffnungen von Hand zu schließen. Die Vorwarnzeit für ein Hochwasser beträgt zwei bis drei Stunden.
Die markante Kastanie bleibt erhalten
Die markante Kastanie in der Kurve unterhalb der Brücke Mühlhäuser Straße bleibt erhalten. Aber andere Bäume im Bereich der neuen Hochwasserschutzwände müssen gefällt werden.
Auf Nachfrage von Ausschussmitgliedern wurde informiert, dass die notwendigen Baumfällungen nicht alle durch Neupflanzungen vor Ort ausgeglichen werden können. Deshalb muss es Ausgleichspflanzungen an anderen Stellen in der Stadt geben oder es wird ein Ausgleichsbetrag an die Stadt gezahlt. Aber es ist auch vorgesehen, in der Tiefenbacher Allee neue Bäume zu pflanzen, beispielsweise auf Flächen, die die Parkplätze voneinander abgrenzen. Die sogenannten „Parktaschen“ werden wieder auf der Gewässerseite angeordnet, dann vor der Schutzwand.
Der Kurvenbereich der Tiefenbacher Allee bei der alten Kastanie wird laut Planer „sanfter“ gestaltet als bisher. Danach wird die Straße im bisherigen Bestand erneuert. Unterhalb der Dualen Hochschule wird sie weiter in den dortigen Hang verschoben und im weiteren Verlauf gegenüber dem jetzigen Niveau angehoben. Nahe der bereits neu gebauten Brücke am Museum Automobile Welt Eisenach erfolgt der Anschluss.
Änderungen an den Planungen sind nicht mehr möglich
Die kleine Grünfläche kurz vor der Einmündung der Ebertstraße bleibt erhalten, ebenso der dortige Baumbestand. Im östlichen Teil der Tiefenbacher Allee, zwischen den Einmündungen Ebertstraße und Stresemannstraße, wird die Hochwasserschutzwand nicht mehr so hoch wie im westlichen Teil. Sie bleibt in etwa auf dem Niveau des derzeitigen Hörselufers. In diesem Abschnitt hat die Hörsel eine Steinsohle, die entfernt wird, um einen besseren Austausch von Fluss- und Grundwasser zu ermöglichen.
Der Vertreter des TLUBN und der beauftragte Planer beantworteten mehrere Nachfragen von Ausschussmitgliedern nach anderen technischen Lösungen, deren Ziel es war, mehr Bäume zu erhalten. Wie beide Fachleute betonten, sind alle Maßnahmen des Hochwasserschutzes aufeinander abgestimmt. Es ist nicht möglich, einzelne Bausteine herauszulösen. Verschiedene Varianten sind im Vorfeld geprüft worden. Die daraus resultierende Vorzugsvariante wurde unter Beteiligung der Stadt Eisenach, der Träger öffentlicher Belange und der Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet und per Planfeststellungsverfahren bestätigt. Diese Baugenehmigung beinhaltet Baurecht sowie die Genehmigung für nicht vermeidbare Holzungen.
Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser
„Unser Ziel ist es, Wohnungen, Unternehmen und Verkehrswege vor einem Hochwasser zu schützen, das alle 100 Jahre vorkommen kann“, so der Verantwortliche des Landesamts. Belange des Natur- und Umweltschutzes würden eine große Rolle spielen. Im Bereich Grabental und Katzenaue kann die Hörsel künftig wieder naturnaher gestaltet werden. So sind dort Inseln im Fluss möglich. Über Treppen wird man direkt ans Gewässer gelangen und auf Sitzstufen am Ufer Platz nehmen können.
Derzeit wird das Hochwasserschutzkonzept in der Amrastraße – gegenüber der Tiefenbacher Allee – umgesetzt. Auch dort mussten die Bäume weichen, um Platz für Schutzwände und für Aufweitungen des Gewässers zu schaffen.
Des Weiteren werden momentan im Kreuzungsbereich von Grabental, Karolinenstraße und Palmental Versorgungsleitungen umverlegt. Das steht ebenfalls im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz. Es handelt sich um Vorarbeiten zum voraussichtlich ab Sommer 2027 beginnenden Neubau der Karolinenbrücke.
Lob für die gute Zusammenarbeit
Fertiggesellt sind die Bauabschnitte in Stedtfeld, im Gewerbegebiet am Gries und an der Spicke. Im letzten Jahr erfolgten die Bauarbeiten östlich des Palmental-Wehres bis zur Brücke Langensalzaer Straße. In dem Bereich wird noch die Brücke für Radfahrer und Fußgänger an der Schlachthofstraße erneuert. Der dortige Baustart ist im Dezember 2026 vorgesehen.
Die Katzenaue (ab Brücke Kasseler Straße), die Amrastraße, die Tiefenbacher Allee, das Grabental und die Stolzestraße sowie das Palmental gehören zum großen Maßnahme-Komplex MK III der Innenstadt. Im Osten schließt sich dann noch der Abschnitt oberhalb der Mündung der Nesse in die Hörsel an.
Das TLUBN hebt die gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten wie Stadtverwaltung, Trink- und Abwasserverband und Eisenacher Versorgungsbetriebe hervor: Denn gleichzeitig mit der Errichtung des Hochwasserschutzes werden durch die anderen Beteiligten die Straßen und Versorgungsleitungen wie Abwasser, Trinkwasser und Strom erneuert. Das zu planen und zu koordinieren, sei aufwändig, klappe aber in Eisenach sehr gut.
Weitere Informationen zum Hochwasserschutz gibt es hier.


