Zum Abschluss seiner Sommertour besuchte Oberbürgermeister Christoph Ihling die Ökumenische Hospizgruppe Eisenach. Er besichtigte die Räume in der Goethestraße 25a, in denen Trauergespräche stattfinden und Gruppenangebote veranstaltet werden. Zudem gibt es in der Wartburgstadt noch das stationäre Hospiz in der Schillerstraße. Beide Einrichtungen ergänzen sich und arbeiten eng zusammen. Ein besonderes Augenmerk legte das Stadtoberhaupt auf den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst, der ebenfalls von hier aus koordiniert wird. Warum es das braucht? „Kinder trauern anders“, erklärte Diana Falkenhahn stellvertretend für die leitende Koordinatorin des Kinder- und Jugendhospizdienstes Inka Sinn. Bei Kindern sprechen Fachleute deshalb von „Trauerpfützen“. Sie wechseln von einem Moment zum nächsten von tiefster Trauer zurück ins Hier und Jetzt – wenn sie beispielsweise plötzlich eine Pfütze entdecken und voller Begeisterung hineinhüpfen.
Daher werden in der Trauerarbeit zunächst ungewohnt anmutende Wege beschritten. So stellte die Stadt Eisenach zuletzt eine Fläche am Sportpark für ein Graffiti-Projekt zur Verfügung. „Ich ziehe den Hut vor diesem Engagement. Ihr Einsatz ist ausgesprochen wichtig“, würdigte Oberbürgermeister Christoph Ihling. Unter dem Motto „Sammeln statt Wegwerfen“ ruft die Stadt außerdem zur Abgabe von Kronkorken und Deckeln aus Weißblech auf. Nachdem in der Vergangenheit bereits das Tierheim profitiert hatte, kommt der Erlös des gesammelten Metalls nun der Begleitung von Kindern und Jugendlichen zugute. Rund eine Tonne Kronkorken Metalldeckel hat die Stadtgesellschaft bereits zusammengetragen, berichtete Markus Mayer, Leiter des Teams Sauberkeit bei der Stadtverwaltung. Das Ziel: So viel Metall wie möglich zusammenzutragen, damit am Ende ein ordentlicher Betrag herauskommt – und die Stadt sauberer wird.
Qualifizierungskurs im November
Die Ökumenische Hospizgruppe geht auf das Jahr 1998 zurück und hat ihr Engagement stetig ausgeweitet. Neben dem jährlichen Gedenkgottesdienst für Verstorbene organisiert das Team Benefizkonzerte, Trauerwanderungen, thematische Kino-Abende sowie Vorträge und andere Veranstaltungen im Eisenacher Hospiz. 86 Ehrenamtliche engagieren sich aktuell im Hospizdienst für Erwachsene. In der Sterbe- und Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen sind etwa 30 Ehrenamtliche aktiv. Sie brauchen einen längeren Atem, denn oft belasten lebensverkürzende Krankheiten junger Menschen die Familien über Jahre. Auch wenn ein Elternteil stirbt, sind sie zur Stelle. Aktuell werden 20 Kinder und Jugendliche begleitet.
Dorothea Karsten, Leiterin der Ökumenischen Hospizgruppe, wirbt für den Einsatz in der Sterbebegleitung: „Engagement in der Hospizarbeit verändert die eigene Einstellung zum Leben enorm. Es ist bereichernd, weil man so intensiv mit Menschen in Berührung kommt wie sonst selten.“ Die Qualifizierungskurse, die ab 3. November wieder angeboten werden, nehmen Berührungsängste und ermutigen zur Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit. Ob überhaupt und in welchem Bereich Interessierte eingesetzt werden möchten – bei Erwachsenen oder in Familien – kann übrigens während des Kurses noch entschieden werden. Darüber hinaus bietet die Hospizgruppe jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr eine offene Sprechstunde im Bürgertreff am Marktplatz (neben dem Bürgerbüro) an.
Informationen zur Kronkorken-Sammelaktion
Überblick über die Arbeit der Ökumenischen Hospizgruppe Eisenach



